Moral

Meine neue Affäre ist verheiratet und ich habe nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Sollte mir das zu denken geben? Nach meiner Moralvorstellung nicht. Fremdgehen und betrügen kann immer nur der, der einen Partner hat. Ich bin solo, also kommt für mich maximal die "Beihilfe" zum Betrug in Betracht.

Was mir wichtig ist, ich kenne den Ehemann nicht, denn ich habe wenig Lust, einen mir vielleicht sympathischen Mann anzulügen und noch viel wichtiger, sie haben keine Kinder. Eine Affäre kann immer Auslöser für eine Trennung sein, meist tut dies allen Beteiligten sogar gut, da die gemeinsame Basis fehlte. Dennoch will ich nicht der Grund sein, warum ein Kind den ganzen Stress einer Trennung miterlebt oder ihm gar ein geliebtes Elternteil teilweise oder dauerhaft entzogen wird. Ich bin froh, aus einem recht soliden Elternhaus zu kommen und gönne dies auch jeder anderen Person.

Warum sollte ich also ein Problem haben?
Sie hat Sex mit ihrem Mann und mit mir. Bei einer Affäre kann und muss ich den zweiten Mann akzeptieren.

Sie muss alles tarnen. Wo liegt das Problem für mich? Ich muss nur das Shampoo kaufen, welches sie auch zu Hause benutzt, damit ein fremder Duft nicht alles auffliegen lässt.

Sie hat weniger Zeit als andere Frauen. Tja, ich fühle mich nicht an sie gebunden, es spricht nichts dagegen, eine zweite Affäre zu führen. Ich verspreche ihr nichts, außer sie im Bereich BDSM verantwortungsbewusst zu führen und mich diskret zu verhalten, damit nichts rauskommt.

Es darf keine Spuren geben. Falsch gedacht: Es darf sie geben. Ich war auch sehr verwundert, aber sie erfindet wohl mehr oder weniger gute Ausreden oder lässt ihn einfach nicht mehr ran.

Er leidet unter mir. Wenn es stimmt, was sie sagt, ist es nur eine Retourkutsche für eine Affäre, die er im Freundeskreis geführt hat. Stimmt es, ist sein Verhalten weitaus verwerflicher, stimmt es nicht, gilt Punkt 1: Ich betrüge nicht, das macht sie.

Es hat keine Zukunft. Muss es immer Zukunft haben? Klar kann aus einer Affäre eine Beziehung werden, jedoch ist das bei mir immer dann der Fall gewesen, wenn eh beides als Option für beide in Frage kam. Die meisten meiner Affären hatten die Option auf mehr nicht, also ist es wie eine Standardaffäre.

Ich verschenke mich. Meine Mutter meinte, ich würde mich mit meinen Affären verschenken. Eine Affäre ist für mich die Möglichkeit, mich sexuell auszuleben und auch ab und an etwas Nähe zu spüren, wenn ich solo bin. Hätte ich dies nicht, würde vielleicht bei mir der Wunsch nach diesen menschlichen Bedürfnissen so groß werden, dass ich eine Beziehung eingehen würde, in der doch nicht alles stimmig ist.
Ob dem so wäre, ist eine gute Frage, aber ich will es sicher nicht ausprobieren. Bin ich solo, will ich einen kleinen Ersatz dafür, dass ich auf die Richtige warte, hat die Richtige ein Problem mit meiner Einstellung, wäre sie wohl auch in einer Beziehung nicht die Richtige für mich.

Also: Solange ich den Mann nicht kenne, keine Kinder im Spiel sind, meine Affäre ehrlich zu mir ist und ich viel Spaß mit ihr haben kann, wäre ich doch schön dumm auf meinen Spaß zu verzichten. Auch würde ich ihr Verhalten niemals anprangern, wenn auch sie sich damit als potentielle Partnerin für mich disqualifiziert.
Ich würde keine Beziehung mit jemandem eingehen, der seinen Partner wegen mir betrogen hat. Den Fehler habe ich einmal begangen, als ich diesen Grundsatz wegen ganz vieler „Sonderumstände“ über Bord geworfen habe und mich auf so etwas einließ. Logisch und gerecht: Mir wiederfuhr einige Zeit später das gleiche Schicksal wie dem durch mich Gehörnten.
Dennoch ist es ihre Entscheidung und ihre Moral, mit der sie es ausfechten muss. Natürlich gibt es auch für mich gewisse Grenzen: Eine vergebene Affäre, die nichts gegen ungeschützten Verkehr mit mir hätte, ist eine Schlampe und das nicht im positiven Sinne! Das eigene Leben kann jeder gefährden wie er oder sie will, mit dem Leben eines unwissenden Partners spielen, das ist selbst bei meiner sehr liberalen Haltung in Bezug auf fremde Moral äußerst verwerflich.

Natürlich würde ich schon aus Selbstschutz mit einer Affäre nicht ungeschützt verkehren (außer ich weiß, sie verkehrt so nur mit mir und die Affäre ist sehr dauerhaft), aber bei der ein oder anderen habe ich zumindest so getan, als würde ich es wollen und jene, die dagegen nichts gemacht haben – nun ja, vor diesen hatte ich danach auch nicht mehr wirklich Respekt und habe es entweder beendet oder aber sie so behandelt wie es in meinen Augen dann auch nötig ist.


Kommentare:


Blue schrieb am 01.08.2010


Moral

Der Artikel hat mich wirklich nachdenklich gemacht, habe ich mich doch öfters gefragt, ob es letztes Jahr die richtige Entscheidung war, alles "offen" zu legen oder ob ich meinem Partner nicht Schmerz hätte ersparen können... Es war eindeutig genau richtig. Generell wollte ich noch sagen: Tolle Einträge;-)


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo "Blue",
komisch sich hier nun mit Nicks anzusprechen wo man sich so gut kennt, aber wir wollen ja gegenseitige die Privatsphäre wahren ;-)
Es freut mich sehr wenn dir meine Artikel gefallen und wenn du auch eine Kommentarfunktion willst ruf einfach durch. Vielleicht bis bald mal wieder
Lieben Gruß

"Gentledom"

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