Spielzimmerentstehung

Mein kleines Projekttagebuch in sechs Akten, und weil ich nun schon von recht vielen Bekannten auf Bilder angesprochen wurde, gibt es auch ein paar von diesen im Text, hätte ich die Neugier geahnt, hätte ich den Verlauf besser bildlich protokolliert.

 

Tag 1 (Freitag, 4 Stunden) Am Wochenende war es dann so weit, das Spielzimmer sollte in Angriff genommen werden. Lange Zeit habe ich nun überlegt, was ich aus meinem kleinsten Zimmer machen soll und auch, wenn mir derzeit noch die passende feste Partnerin fehlt, habe ich mich für ein Spielzimmer entschieden. Natürlich ist der Raum begrenzt, immerhin misst das Zimmer nur 3.10 x 4.60 Meter, dafür hat es aber wie alle anderen Räume auch eine Höhe von 3.70 Meter.  Aufräumen, aufräumen, messen und einkaufen wäre wohl die richtige Umschreibung, immerhin stand alles, was ich beim Umzug noch nicht verstaut hatte, in diesem Raum rum. Was auf jeden Fall nicht fehlen durfte, war ein Balken, immerhin hänge ich gerne Sachen auf, dies reicht von der Spreizstange über einen Sling oder Liebesschaukel hin bis zu einem ganzen Bondagebrett.
Geplant wurde somit erst mal nur ein Balken, als ich dann im BDSM-Paradies, ähm dem Baumarkt, angekommen war. Etwas enttäuscht musste ich feststellen, dass wirklich tragfähige Balken nur bis zu einer Länge von 3 Metern zu kaufen waren. Beim Einkaufen kamen mir dann aber noch andere Ideen wie ein Stehpranger, der auch gut in den Raum passen würde. Den Einkaufswagen vollgepackt ging es dann wieder in Richtung Heimat. (Kosten 55 Euro Baumaterial, 30 Euro Ausrüstung, die noch nicht vorhanden war, 60 Euro für Haken bereits vorab)

Tag 2 (Samstag, 8 Stunden) Zusammen mit meiner Hilfe machte ich mich auf den Weg zu einem Holzhändler, der eine sehr große Ausstellung hat und bekannt dafür ist, alles herstellen bzw. liefern zu können. Als ich das ganze Holz sah, entschied ich mich spontan für zwei Balken. Zwar war der Service unter aller Sau und zuerst hatte ich einen Balken mit Rissen, aber immerhin, nachdem ich nochmals 15 Minuten an der Kasse auf die Kassiererin gewartet hatte, während rund fünf Verkäufer in der Nähe herumstanden, konnte ich los. Wobei ich schon vorher hätte fahren können, die beiden Balken waren ja bereits im Auto verstaut und mein Name wurde nirgends notiert. Danach ging es wieder in "meinen" Baumarkt, denn ich hatte tags zuvor nur Befestigungen für einen Balken gekauft.
Zu Hause wurde dann alles genau und mehrfach vermessen, das Holz schwarz lackiert, zudem zwei Regale angebracht, den Pranger angefangen und die Löcher für die Balken gebohrt.
Ich hatte mich inzwischen entschieden die Balken mit einem Abstand von 1.70 anzubringen. Somit kann ich alles Mögliche an beiden anbringen. Zudem kann ich mir nun auf die Balken noch ein Hochbett und einen zusätzlichen Stauraum setzen. Also stehen mir mit etwas Überstand gut 6qm neue Nutzfläche zur Verfügung. Holzlieferung (links), zuschneiden und lackieren (rechts) (2 Bilder)

Lustige Einkaufsanekdote: Ich hatte gerade die Aussparungen mit der Stichsäge ins Holz gemacht, da fiel uns ein, dass wir eigentlich noch etwas aus dem Baumarkt bräuchten und so machten wir uns ein zweites Mal an diesem Tage auf dem Weg dorthin. Da die Mitarbeiter recht nett sind, packte ich den unfertigen Pranger ein, um ihn im Baumarkt mittig zersägen zu lassen (dort geht’s einfach viel sauberer).
An der Kasse angekommen sagte ich, dass die beiden Bretter nicht zum Einkauf gehören würden. Die Verkäuferin sah sich die Bretter an, schaute verwundert und sagte: „Das sieht aus wie ein Folterinstrument.“ Ich zuckte mit den Schultern, woraufhin sie weiterredete: „Schauen Sie doch mal, wenn man die Hände daran und den Kopf daran macht, dann wäre es doch wirklich ein Folterinstrument.“ Da (Ex-)Subbi zu dem Zeitpunkt um die Ecke kam, gab ich lieber keinen Kommentar ab. Ich denke, ihr war es schon peinlich genug, dass ich zwei Verkäufern zwecks besserer Beratung meine „Baupläne“ verraten hatte. (Kosten: 100 Euro Balken, 70 Euro Baumaterial)

Tag 3 (Sonntag, 8 Stunden) Passgenau, ja, der Balken war keinen Millimeter zu schmal, er passte genau zwischen die Wände, das Problem war nun nur, wie er in die Vorrichtung passen sollte. Kurz, es klappte nicht, auch nicht mit der Mithilfe einer lieben Bekannten, die uns zufällig mit Yestorties versorgt hatte und mit anpackte. Also Stichsäge raus und die Balken wurden um einen halben Zentimeter gekürzt. Nun sollte es klappen. Dass ich lange nichts mehr gebaut habe, merkte ich schnell an dem Pranger, den ich bauen wollte. Noch nie ist mir ein Möbelstück so misslungen. Ich vergaß selbst einfachste Dinge, wie die Unterlage eines Brettes unter das zu bohrende Holz, damit jenes nicht am Austrittsloch aufsplittert. Daneben gibt es keine Queerstreben zum Stabilisieren. Naja, egal, die Idee wurde in 5 Minuten im Baumarkt geboren und ohne Plan direkt machen kann eben auch in die Hose gehen. Sonntagabend (Bild) Der Fast Super-Gau war aber ein anderer. Der Verkäufer hatte mir Sechskantschrauben plus ein entsprechendes Set zum Anschrauben ebenjener verkauft. Ich packte also die 10 Größe aus, immerhin war es eine M10 Schraube und es passte nicht, der Kopf der Schraube war zu groß. Also die 12er ausprobiert und auch das wollte nicht. Laut meiner Messung muss es sich um einen 16er Kopf handeln.
Also telefonierten ich und (Ex-)Subbi rum, wer denn einen passenden Revolver dafür hätte. Natürlich hatte keiner in der Nähe so etwas zur Hand. Ich begleitete sie bei ihrer Raucherpause nach draußen und da kam mir die Idee, der Kreuzschlüssel vom PKW könnte passen. Gesagt, getan, holten wir diesen aus dem Auto und damit konnten die Schrauben festgezogen werden. Immerhin, nun "hingen" die Balken perfekt.

Tag 4 (Montag, 4 Stunden) Die Balken waren also angebracht und nun sollten auf diese Planken verlegt werden. Also wieder in den Baumarkt, inzwischen grüßten uns mehrere Mitarbeiter schon sehr freundlich und wir suchten und schaufelten zuerst alles, was wir bisher vergessen hatten, in den Einkaufswagen. Dummerweise erschienen mir die gängigen Hölzer nicht stabil genug und ich entschied mich für gehobelte 2,7cm Planken, wer will schon beim wilden Sex später gute 2,75 Meter tief auf den Boden stürzen?
Schwer beladen ging es wieder zur Kasse. Danach sollte es eigentlich direkt zum nächsten Einkaufsstopp gehen, das scheiterte aber an der Beladung des Autos und so ging es erst wieder nach Hause. Ein junger Nachbar half freundlicherweise beim Ausladen und schleppte die Pakete mit mir ins angehende Spielzimmer. Subbihelferlein auf dem Balken (Bild) (Ex-)Subbi wollte unbedingt die Bretter festbohren, scheiterte aber und da ich wenig Lust auf ein nicht festes Konstrukt hatte, löste ich sie ab. Ihre Aufgabe war es nun, auf die gerade Abschlusslinie zu achten. Ganz ehrlich, wie halten Subbis es so lange auf ihren Knien aus, für mich war es eine grauenvolle Arbeit dort oben die Dinger kniend festzuschrauben. Immerhin lernte ich mal wieder Herzklopfen kennen, da ich meiner eigenen Konstruktion zwar schon vertraute, den Planken aber noch nicht, und so gab's dann doch einen Adrenalinschub, als ich mein ganzes Gewicht auf einer nicht befestigte Planke ablegte und diese leicht knarschte.
Subbi war inzwischen langweilig und so strich sie die Unterseite mit Lack ein. Dummerweise vergaß sie ihre Aufgabe, und so sind die Bretter nun anfangs bündig und stehen am Ende gute fünf Zentimeter über. Ich hasse solche Ungenauigkeiten, aber wenn alles lackiert ist werde wohl nur ich es noch sehen.
Nun mussten nur noch der obere Bereich lackiert werden und natürlich brauche ich einen Fallschutz (Geländer), an dem ich auch gut fixieren kann. Eine Art sehr niedriges Eisengitter wäre hier ideal. Dumm nur, dass ich kein Schweißgerät habe.

Lustige Einkaufsanekdote: Eigentlich wollte ich ja das Hochbett mit speziellem Polstermaterial und Leder beziehen. Als ich nachgeschaut hatte, wie teuer allein das Polster war, schaute ich direkt nach passenden Matratzen und siehe da, ein großes schwedisches Möbelhaus aus der Region hatte die günstigsten im Lager.
Also hin und das Objekt der Begierde finden, natürlich war es nicht im Bettenbereich, sondern später bei den Sofas gelistet und die Verkäuferin vertauschte bei ihrer Wegbeschreibung links und rechts. Irgendwann war es dann doch gefunden und bezahlt, also ab an die Warenausgabe. Nachdem die Verkäuferin (welche mit dem Anstecker versehen war „Ich bin neu“) alles geprüft hatte, meinte sie: „Hier ist ihr Wagen und ihre Matratze.“ Ich schaute sie an und meinte: „Super, den Wagen kann ich wirklich gut gebrauchen, so einen wollte ich schon immer haben.“
Eine ältere Kollegin, die in der Nähe war, mischte sich daraufhin ein: „Ja, so ist das hier, alles was nicht festgemacht ist, darf der Kunde mitnehmen.“ Spitzbübisch antwortete ich: „Soweit ich das sehe sind auch die netten Verkäuferinnen nicht festgemacht, also die dürfte ich dann auch mitnehmen, oder?“Sie lachte und meinte: „Ja, auch diese dürfen sie mitnehmen, wir sind sehr kundenfreundlich.“
Leider passte dank der Einkäufe nur noch meine wartende weibliche Begleitung ins Auto, sonst hätte ich das Angebot vielleicht wahrgenommen… Wohnst du noch oder lebst du schon… (Kosten: Matratze 85 Euro, Baumaterial 80 Euro)

Tag 5 (Dienstag, 4 Stunden) Die Arbeit startete wie immer, der Baumarkt ruft. Lackfarbe und Bretter, das sollte diesmal ein günstiger Einkauf werden. Kurzfristig entschied ich mich dann aber doch noch um, anstelle von der Lackfarbe sollte es dann Teichfolie werden, die sich ähnlich wie Latex anfühlt, nur eben robuster ist. Dazu noch einige Bretter, Kleinkram und das wars auch schon. Zu Hause wurde dann direkt die Teichfolie auf die Bretter getackert, der Rest lackiert und ein paar Aufhängungen fürs Spielzeug gemacht. Einzig meinen Käfighalter riss das Gewicht wieder aus der Wand und so musste mit größeren Aufsätzen gearbeitet werden. An dem Tag wurde kein Bild gemacht (Bild) Am Abend dann die kleine Belohnung, ich habe das Spielzimmer zum ersten Mal ausprobiert und gleich gemerkt, wie schön es sein kann, nicht auf engem Raum zu spielen. (Kosten: 40 Euro)

Tag 6 (Mittwoch, 3 Stunden) Es fing an wie immer, der Weg zum Baumarkt ist aber zum Glück auch nicht sehr weit. Also zwei lange Bretter für mehr Ablagefläche, die passenden Halterungen und eben Halterungen, die eine Bettbegrenzung ermöglichen, damit Subbi nicht nachts aus dem Hochbett fällt.
Es kam, wie es kommen musste, Halterungen für die Ablage waren ausverkauft und die andere Halterung, die ich wollte, gibt es scheinbar so nicht zu kaufen. Ganz ehrlich, ich hatte keine Lust mehr auf noch einen Tag Spielzimmerbau, irgendwann ist genug.Die Lösung war relativ schnell gefunden, einfache Möbelfüße mit Gewinde, darauf einen Balken verbunden jeweils mit einer großen Schraube. Das größte Problem war dabei, relativ gerades Bauholz in der Länge 2 Meter zu finden.
Gut beladen ging es wieder heim. Bretter wurden lackiert, Löcher gebohrt und das Geländer zusammengesetzt. Nach weiteren drei Stunden Arbeit , wovon sicher mehr als eine Stunde Festschrauben war, beendete ich die Arbeiten. Natürlich, noch ist das Zimmer nicht fertig und einige Schönheitsmängel (Zuschnitte, zusätzliche Ablagefläche, Geländerlackierung, Leiter, Spiegelfixierung etc.) könnten noch beseitigt werden, jedoch das kommt dann irgendwann zwischendurch oder spätestens dann, wenn Pranger II und Andreaskreuz I zusammengebaut werden sollen. Untere Ansicht (Bild) obere Ansicht (Bild) Bis dahin werde ich das Zimmer höchstens etwas mehr dekorieren und vor allem eins damit machen: Es benutzen, wenn sich die passende Gelegenheit ergibt :-) (Kosten: 40 Euro)

Resümee Gesamtaufwand für das Spielzimmer: rund 550 Euro Baumaterial, davon mehr als 50% für Holz, hier kann man sicher auch am Material sparen. Planung, Einkauf, Bau: rund 55 Stunden (35 Stunden Erstellender und 20 Stunden Hilfskraft). Zwei geschickte und fixe Gesellen, die nicht so viele Pausen machen und einen Plan haben sollten, es an einem Wochenende schaffen zu können. Neu: Hochbett, tragende Balken, Regale, „Pranger“, diverse Wandfixierungen. Alt: Ketten, Hängekäfig, Bondagebrett, Spreizstangen, Sling, Spiegel, Liebesschaukel etc. waren bereits vorhanden. Verletzungen: Aufgerissener Socken, plus leicht aufgekratzter Fuß (welcher jedoch direkt selbst "fachmännisch" versorgt wurde), diverse kleine Schnittwunden plus zwei kleine Blasen an der rechten Hand. Ansonsten blieben Mensch und Maschinen heile, für jemanden mit einer akademischen Ausbildung hielten sich die Schäden, unter dem Aspekt Stichsäge, Schlagbohrer und Co, also in Grenzen :-) Spaßfaktor: Unbezahlbar


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