Provokationen und Wettbewerb

Eigentlich ist es nicht untypisch, dass Sub, wenn sie Lust hat, Macht zu spüren (und/oder Grenzen auszuloten), den Dom provoziert. Manche Doms merken gar nicht, wie Sub damit eigentlich das Spiel manipuliert und selbst festlegt, wann und wie gespielt wird. Aber nicht nur Subs können provozieren, auch wir Doms können dies, nur habe ich mir über diesen Umstand bisher nie Gedanken gemacht.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich aber trotz meiner Position auch jemand, der ein Spiel ab und an durch Provokation lenkt. Ich mag die Kontrolle sehr und grundsätzlich genieße ich eine gut erzogene Sub, aber immer wäre das auch langweilig.
Meine Partnerin ist so erzogen worden, sich möglichst zu behaupten, bzw. sich durchzusetzen. Man könnte auch sagen, sie ist ab und an sehr frech, ich bekomme sie aber aus verschiedenen Gründen recht schnell in den Griff, wenn ich es denn will. Dies ist nicht verwunderlich, denn da sie devot ist, bereitet ihr das Übermannt werden und Dienen große Freude.
Ich weiß aber auch, dass meine Partnerin es hasst (es ist aber eben kein Tabu), wenn ich sie als Schlampe oder ähnliches bezeichne. „Wage“ ich diesen Affront dennoch, ist sie grundsätzlich kurz davor, mir die Augen auszukratzen. Genau das nutze ich ab und an aus, besonders wenn ich große Lust habe, wirklichen Widerstand und damit eine metakonsensuale (= Grundsätzlich ist das Verhalten erlaubt, auch wenn die Person es in diesem Moment nicht will) und eben keine schnelle/freiwillige Unterwerfung zu erreichen. Eine Sub sollte Respekt haben (und ein Dom sich diesen verdienen) und natürlich will sie sich nicht ihrem Dom gegenüber überlegen fühlen, sie will aufschauen und ihre Position genießen. Daher kann ein Herr sicher sehr viel von seiner Sub verlangen, echter Widerstand ist aber etwas, das nur schwerlich herauszukitzeln ist. Ich denke, dass ist auch einer der Gründe, warum ein Rapegame unter Vertrauten nie so intensiv, wie unter (Ent-)fremdeten ist. Zwar spreche ich mich bei BDSM immer gegen den Wettkampfgedanken aus, aber gestern bei einem Badmintonmatch merkte ich, dass dies nur in Teilen stimmt. Höher, schneller, weiter ist sicher nicht die richtige Einstellung, aber natürlich versucht man, gemeinsam bisher Unerreichtes zu erreichen und dabei die ein oder andere persönliche Grenze zu verschieben. Wenn es dem Partner aber nicht um das Dienen, sondern um das Unterwerfen geht, ist der Wettkampfgedanke gegeben. Sub will natürlich am Ende verlieren und von Dom überwältigt sein, aber leicht will sie es dem Dom auch nicht machen. Muss sie sich bei diesem Spiel zurückhalten, ist es aber keine richtige Niederlage, sondern mehr eine Art Rollenspiel mit festen Regeln. Ich persönlich mag es, mich gegenüber einer Frau körperlich durchzusetzen, dies aber nicht durch eine Gewaltorgie, sondern durch das Ausspielen einer gewissen körperlichen Überlegenheit. Auf einen ständigen Kampf habe ich wenig Lust. Besonders stark kommt die Überlegenheit darin zum Ausdruck, wenn man als Dom auf etwas verzichtet, was man Sub zugesteht. Ich räume einer Sub ab und an die Gelegenheit ein, mich zu übermannen, dabei darf sie dann ihren ganzen Körper einsetzen und ich beschränke mich nur auf einen Arm. Mit meiner Partnerin hatte ich so bei einem Fotoshooting ein sehr nettes Gerangel, bei dem sie am Ende immer am Boden war, womit die Fotos eben nicht so gestellt wie die üblichen erschienen. Etwas bildlicher und schöner hat es N. in ihrer Nacherzählung unserer beiden ersten Treffen beschrieben:


Szene 1
Wieder zu Hause bei ihm, necken wir uns gegenseitig. Da er mir körperlich bei weitem überlegen ist, ziehe ich natürlich immer den Kürzeren. So kommt es immer wieder vor, dass er mich beißt, mal stärker, so dass es richtig weh tut, mal weniger stark, was ich dann auch genieße. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich diesen Drang verspürt, ihn auch beißen zu wollen. Das war allerdings von Anfang an verboten und würde Konsequenzen haben, wenn ich mich nicht daran halten würde. Dieser Drang ist jetzt noch viel stärker und ich bin versucht, mich über sein Verbot hinwegzusetzen, egal, was das für Folgen haben würde. Doch eine innere Stimme warnt mich davor und redet auf mich ein, dass ich es bitter bereuen würde. Daher halte ich mich (noch) zurück und bringe ihn dazu, mir wenigstens die Chance zu geben, es zu versuchen. Wir machen aus, dass ich eine Minute Zeit habe. Wenn ich es schaffe, ihn in dieser Minute zu beißen, mein Glück, wenn nicht, Pech gehabt. Ich bin mir sicher, dass ich es schaffe, schließlich kann es doch nicht so schwierig sein, ihn irgendwo hin zu beißen. Aber wie schon bei vielen anderen Dingen, täusche ich mich auch hier. Ein Griff in meinen Nacken, er drückt mich nach unten und hält auch noch einen Arm fest. Keine Chance, ich kann seinem Griff nicht entkommen. Er wartet amüsiert, bis die Minute vorbei ist und lässt mich dann wieder los. „Unfaires Spiel“, denke ich mir, aber irgendwie werde ich es schon noch schaffen. Gut Ding will Weile haben. Während wir uns gegenseitig noch etwas necken, setze ich mich auf ihn und versuche, seine Hände festzuhalten oder ihn anderweitig zu ärgern. Er schaut sich das eine Zeit lang an und fordert mich schließlich mit einem Klapps auf meinen Po dazu auf, von ihm runter zu gehen. Ich schüttle den Kopf und er wiederholt seine Aufforderung in einem etwas ernsteren Ton mit dem Zusatz, dass es Ärger gäbe, wenn er mich runter werfen müsste. Jetzt will ich das auch testen, denn ich habe mir ja vorgenommen, nicht immer gleich klein beizugeben, wenn er etwas von mir verlangt. Es schadet sicher nicht, ihn ein bisschen zu provozieren, irgendwie muss ich ja auch herausfinden, ob er wirklich so konsequent ist, wie er immer behauptet. Und da es sich jetzt um keine bierernste Situation handelt, erscheint sie mir optimal für einen solchen Test. Also schüttle ich wieder meinen Kopf und bereite mich darauf vor, dass er mich gleich von sich wirft. Er richtet sich auf und ich versuche, mich an ihm fest zu klammern. Für ein paar Sekunden schaffe ich es, mich festzuhalten, aber der Erfolg währt nicht lange. Er schüttelt mich einfach ab wie ein lästiges Insekt und sobald ich auf dem Sofa liege, spüre ich auch schon seine Hand in meinem Nacken. Nach unten drückend, schleift er mich ins Schlafzimmer und drückt mich unsanft gegen den Schrank.


Szene 2
Das Telefon klingelt, als wir gemeinsam auf dem Sofa liegen und mal wieder kleine und eher spaßige Machtkämpfe austragen. Diesmal stört es mich auch nicht, dass er telefoniert, vielleicht weil die Situation eine vollkommen andere ist. Immerhin habe ich nun bessere Chancen ihn zu ärgern und ganz so ungestört und locker, wie am Tag zuvor, kann er sein Gespräch diesmal nicht führen, denn ich sehe es gar nicht ein, ihn nun in Ruhe zu lassen. Trotzdem hat er nicht gerade große Mühe, mich in Schach zu halten, was meinem Spaß an der Sache jedoch keinen Abbruch tut…
Ich bettle solange, bis er mir zwei Minuten gewährt, in denen ich versuchen darf, ihn zu beißen. Diesmal sollte das zu schaffen sein, denn immerhin telefoniert er ja noch und kann sich somit nur mit einem Arm wehren. Pustekuchen, auch jetzt bin ich chancenlos. Im Handumdrehen packt er mich am Nacken und drückt mich so nach unten, dass ich keine Möglichkeit finde, mich zu befreien. Nur einmal ist er kurz unaufmerksam und ich schaffe es, mich ein Stück zu drehen. Doch als er seinen Fehler bemerkt, wird sein Griff wieder fester und mir bleibt nichts anderes übrig, als zu warten bis die zwei Minuten vorüber sind.
Noch kann ich mich nicht mit meiner Niederlage abfinden und bitte und bettle um eine weitere Chance…


Ich finde, dies ist ein sehr schönes Beispiel vom Wettkampfgedanken, die Sub will sich mit mir ernsthaft messen und versucht alles zu gewinnen. Dadurch, dass ich auch mit nur einer Hand die Oberhand behalte, wird die Überlegenheit überdeutlich. Dies ist für mich auch unter dem Aspekt, dass ich gerne mal einen Dreier habe, nicht unwichtig. Irgendwie scheint es für Subs äußerst interessant zu sein, sich gegen den bösen Dom zu verbünden und zu sehen, ob man ihn gemeinsam übermannen kann. In dem Fall ist es sehr von Vorteil, jemanden auch jeweils einhändig in Schach halten zu können und die richtige Technik verhindert Verletzungen, die sonst leicht dabei entstehen könnten. Aber selbst wenn der Dom verliert, bricht er sich keinen Zacken aus der Krone, solange er in dem Wettkampf grundsätzlich überlegen ist.


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