Sei frech, sei wild und wunderbar!

Im Netz liest man immer mal wieder eine Sub (ein Sub, Dom etc.) muss so und so sein oder es gibt folgende Subtypen. Dies kann gerade bei Anfängern dazu führen, dass sich Leute in eine solche Kategorie einordnen wollen, da es das ist, was am ehesten ihren Bedürfnissen entspricht und ihnen einen scheinbar sehr sicheren, strukturierten und bequemen Rahmen für ihre Neigung bietet. BDSM ist aber eine so bunte Welt, in der keine Schneeflocke exakt wie die andere ist. Es gibt nicht den oder die Typen an Sub/Dom, es gibt nur Vorlieben, Wünsche, Ängste, Hoffnungen, Lebenssituationen usw. und all diese Faktoren führen zu einem Grundbedürfnis, aber natürlich ist selbst dieses Grundbedürfnis nicht in Stein gemeißelt. Das Leben ändert sich, man selbst ändert sich und sehr viel hängt eben auch von der Partnerschaft ab, in welcher man sich befindet.

Wechselnde Vorlieben, gerade in neuen Konstellationen sind kein Zeichen für eine Unbeständigkeit der Person oder ihrer Neigung, sondern zeigen viel mehr, dass hier eine Offenheit dem neuen Partner gegenüber besteht. Sicher meine ich damit nicht, sich auf etwas einzulassen, dass einem absolut nicht liegt, aber in einer neuen Partnerschaft gibt es neue Dynamiken und diese können dazu führen, dass sich Vorlieben verändern.

Eine gewisse Flexibilität der Neigung ist daher kein Zeichen, unausgereift zu sein als BDSMler, sondern viel mehr steht es dafür, sich offen zu zeigen und nicht festgefahren zu sein in seiner Art BDSM zu leben. Menschen, die ihr BDSM nur so oder so praktizieren können, stellen in meinen Augen ihr BDSM über ihren Partner, was letztlich die Vermutung gewahr werden lässt, dass ein Partner auch deutlich leichter durch einen bdsmmäßig besser passenden Partner ersetzt werden kann. Die als eher kurz verschriene Haltbarkeit von BDSM Beziehungen dürfte auch damit zusammenhängen, dass bei der Partnersuche BDSM oft einen so dominanten Teil des Kennenlernens einnimmt, dass Vorlieben andere Bedürfnisse überdecken, was halt nur eine bestimmte Zeit gut gehen kann.

Wer an jemanden gerät, der sagt, BDSM gehe nur so oder so, der sollte im Hinterkopf behalten, BDSM geht für diesen Menschen nur so oder so. Solch ein Mensch stellt seine Bedürfnisse über alles andere oder folgt blind einer Ideologie, die in den häufigsten Fällen nicht mal die Eigene ist, sondern aus Büchern, Comics oder auch Webseiten adaptiert wurde. Natürlich kann man der Geschichte der O, dem Gor-Zyklus oder auch DEBRIS nacheifern, aber so etwas ist wie eine Korsage. Kauft man eine solche von der Stange, sitzt sie nie perfekt, das wäre nur der Fall, wenn diese ganz individuell auf die Person zugeschnitten wird. Übertragen heißt das also maximal dient der Schnitt als Vorlage und dann erfolgen die individuellen Anpassungen.

Jeder von uns hat Vorlieben und Bedürfnisse, einige davon werden auch so stark sein, dass man auf diese nicht (oder nur sehr schwer) verzichten könnte. Für mich kann ich sagen, dass dies nur wenige Punkte sind und diese beziehen sich stärker auf Tabus denn auf etwaige Bedürfnisse in einer Beziehung. Blicke ich auf meine BDSM-Beziehungen zurück, so stelle ich fest, dass es einen roten Faden gab (DS-Schwerpunkt). Sehr viel in diesen Beziehungen war aber von der jeweiligen Beziehungsdynamik (Vorlieben, Art der Beziehung und Tabus) abhängig und ich habe mich als ihr Dom schlussendlich auf sie und unser BDSM eingelassen. Sich einzulassen ist nicht nur die Aufgabe des devoten Parts, es ist ein gemeinsamer Tanz, in dem einer führen mag, aber beide im Takt ihrer Lust vibrieren.

An dieser Stelle an die Anfänger: Klärt für euch, was euch wichtig ist und scheut nicht, dies auch anzusprechen und einzufordern. Kommunikation und auch klare Grenzen dabei zu ziehen ist nicht nur auf der dominanten Seite sehr wichtig. Wie oft bekomme ich Mails von Subs, die sagen, ich bin so traurig, mein Dom will eine zweite Sub haben (oder hat sie bereits). Viele der Fälle wären wohl zu verhindern gewesen, wenn beim Kennenlernen das Thema auf den Tisch gekommen wäre. Natürlich ist es viel angenehmer, sich über die schönen/heißen/geilen Dinge auszutauschen, dabei etwaige Knackpunkte zu übergehen, führt jedoch nur dazu, dass man schneller zusammenkommt, es aber auch deutlich mehr Konfliktpotenzial und gebrochene Herzen gibt.

Also rede frei heraus, finde dein BDSM und sei dennoch offen für neue und positive Impulse, welche dir das Leben anbietet. Ich für meinen Teil kann sagen, als Dom lasse ich mich auf meine Sub ein und es geht niemals darum, mein BDSM auszuleben, sondern das unsere. Dazu gehört es für mich auch vorher zu schauen, ob nicht nur unser BDSM, sondern auch wir beide kompatibel sind. Vielleicht ist BDSM in dieser Hinsicht eine Art Selbsterfahrung, bei der man offen sein, aber auch Grenzen ziehen können muss.

Wie frech und wie wild du sein willst, das liegt ganz bei dir. Für jeden Grad an Wild- und Frechheit gibt es einen Dom, der dich so wie du bist, ganz wunderbar finden wird!


Kommentare:


Martin schrieb am 19.11.2020


Hallo Gentledom!

Mir hat es sehr geholfen, als ich das erste Mal Switcher gelesen und vor allem von ihnen etwas gelesen habe, bis dahin war ich immer am Zweifeln, ob ich ein echter Dom bin, da ich eben auch Dinge mag, die man eher dem Subspektrum zuordnet. Mir hat das Lesen und der Kontakt zu anderen Switchern geholfen meinen Platz und schlussendlich auch die richtige Partnerin zu finden.

Es war übrigens ein Text hier auf der Seite ;-)

Ein toller Beitrag wie ich finde!

Grüße vom

Martin


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Martin,

vielen Dank für dein liebes Feedback, es tut gut zu lesen, dass die Seite Leuten helfen konnte, dafür habe ich sie ins Leben gerufen und noch schöner wenn du nun in einer glücklichen und erfüllenden Beziehung bist.

Liebe Grüße

Gentle

Sprössling schrieb am 19.11.2020


Ich denke es ist nicht per se schlecht sich in eine oder mehrere Kategorien einordnen zu wollen. Für mich erleichtert das sogar das kennenlernen, wenn ich weiß worauf ich mich in etwa einstellen kann. Und für mein Gegenüber ist es doch auch hilfreich mich einem gewissen Typus zuordnen zu können. Das bedeutet ja nicht, dass ich neben der braven sub nicht auch frech und neckisch sein kann. Ebenso heißt es nicht, dass das für immer so in Stein gemeißelt sein muss. Aber ganz ehrlich, wir lernen doch immer nur die Momentaufnahme von jemanden kennen. Wer davon ausgeht, dass man sich nicht auch im Laufe der Zeit (ver)ändern kann, wäre mir ohnehin zu festgefahren.


Antwort auf diesen Kommentar

Genau für die Punkte Partnersuche und Austausch mit Leuten die zur gleichen Sub(Sub)Kultur gehören sind die Kategorien sinnvoll, wenn ich auf einem Profil lese Brat/Little, weiß ich, ok die Person wird nicht mit meiner Art BDSM zu betreiben harmonieren. Genauso kann ich aber auch einen Blogbeitrag von jemandem der Brat ist passend zuordnen und von einem Beitrag einer TPElerin zum gleichen Thema abgrenzen, manchmal aber nicht immer kommt es da eben auch auf den persönlichen Backround an. Witzigerweise hat mir eine Bekannte vorhin noch einen Link zu einer Diskussion geschickt, was dann ein Gentledom für eine Dom Art sein soll, persönlich finde ich ja, das dies nicht definiert ist, da der Begriff durch dieses Projekt populär wurde und nicht durch eine Gruppe homogener Doms.

Jules schrieb am 19.11.2020


Für mich hatte es den Nachteil, dass, sobald ich mich in eine Kategorie eingeordnet habe, ich sehr fixiert war auf die Vorstellungen und Erwartungen dieser Kategorie (zB Sub). Was mich letztlich weg von meiner eigentlichen, ursprünglichen Vorliebe gebracht hat.. ich glaube es ist auch ein Unterschied ob man BDSM erst irgendwann ausprobieren möchte weil man neugierig ist, oder ob man von Haus aus in den Bereich BDSM fällt aufgrund einer Vorliebe die von "Anfang an" da war. Bei ersterem würde eine Zuordnung in eine Kategorie vermutlich mehr Sinn machen..


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Jules,

ich würde BDSMler nicht in die Kategorien von Haus aus (oft auch einfach geborene BDSMler genannt) und solche die einfach nur neugierig sind einordnen wollen. Von daher habe ich an dem Punkt eine andere Ansicht, was aber stimmt ist eben, dass sich einige zu sehr darauf fixieren die eigene oder auch fremde Vorstellung zu erfüllen und dabei mitunter sogar gegen ihre Natur zu handeln beginnen.

Liebe Grüße Gentle

Astrid schrieb am 19.11.2020


Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass eine Sub bei dir wild und frech sein soll. Du machst auf mich eher dein Eindruck jemanden zu wollen, der sehr folgsam ist.


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Astrid,

ich genieße durchaus eher den Typ brave Sub, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht wild und auch frech sein kann, letzteres aber eventuell besser nicht gegenüber mir. Wild assoziere ich nicht mit ungehobelt oder aufmüpfig sondern mit Lebensfreude und Energie und so etwas schätze ich sehr. Auch komme ich ganz gut mit frechen Kommentaren klar, sofern sie eben nicht das gelebte Machtgefälle untergraben sollen. Wer aber gut über sich selbst lachen kann, der sollte auch lachen können, wenn Sub mal einen passenden und guten Spruch bringt. Dennoch ist mir Konsequenz wichtig, wenn Sub also über die Stränge schlägt, gibt es eben eine entsprechende Sanktion. Für mich steht das nicht im Widerspruch zu diesem Spruch deiner Namensvetterin Astrid Lindgren :)

Liebe Grüße Gentle

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