Grundsätzlich wird viel von Vertrauen in einer Dom-Sub Beziehung geredet, noch wichtiger für eine Beziehung ist aber das allgemeine Vertrauen in den Menschen und nicht in jene Rolle.
Mein Vertrauen in Frauen im Bezug auf eine Partnerschaft ist gerade ganz schön angekratzt. Ich habe noch nie in das Handy einer Partnerin geschaut oder ihr ernsthaft hinterher spioniert, aber ich frage mich gerade, ob dies wirklich immer klug war.
Ich habe mich in meiner Expartnerin sehr getäuscht. Sie tat immer übermoralisch und heute, einen Tag nach der endgültigen Trennung, redeten wir über das Scheitern der Beziehung. Ich vertrat den Standpunkt, dass der Punkt, an dem die Beziehung gekippt war, der war, an dem sie anfing, mehr als nur kleine Notlügen zu erzählen. Anfangs hat sie mir nur Dinge verschwiegen, später dann war sehr viel gespielt. Besonders im Bereich BDSM und Sex log sie wohl sehr oft und bei allem, was nun nicht explizit bestätigt oder widerrufen wurde, bin ich mir unsicher, was/wie es nun wirklich für sie war.
Sie stellte mich ihrem Freundeskreis nicht vor, weil es da eben noch einen anderen gab und erfand immer neue Gründe hierfür. Zwar hatten die beiden keinen Sex, aber eben eine sehr emotionale Bindung, in meinen Augen ist dies ein schlimmerer Betrug als fremdzugehen. Ich bin eben ein Gefühlsmensch. Auch tat sie so, als würden ihr leichte Schläge und Ohrfeigen, um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, sehr gefallen, nun weiß ich, sie hasste diese und einige andere Dinge auch. Andere Spielarten wie z.B. der Dominuskuss, auf den sie immer sehr heftig reagierte, waren für sie neutral. Zum Glück gab es aber auch genügend Spielarten, die ihr wirkliche Lust bereitet haben. Ebenfalls bei dem sexuellen Verkehr gab es zum Teil eine große Differenzen zwischen gezeigter und gefühlter Lust, ich will hierauf und auf die heftigeren Spielarten aber nicht eingehen, das würde an dieser Stelle sicher zu weit gehen. Je eine Lüge aus dem Bereich Alltag und BDSM sollten zur Verdeutlichung reichen.
Ich sagte mal zu ihr: "Ich kenne niemanden, der so intensiv auf BDSM reagiert wie du". Nun habe ich die Erklärung. Es war eben nur ein Spiel und sie wollte in diesem Spiel die Beste sein. Sie dachte, es gehört dazu, Lust zu spielen, dies sei Aufgabe einer Sklavin, um ihrem Herrn zu gefallen. Zum ersten Mal hat meine Mutter scheinbar in Bezug auf mich und mein BDSM recht gehabt: "XXX, die Frauen machen das nur, weil sie dich lieben, keiner Frau kann so etwas wirklich Spaß bereiten." Ich sage dann immer nur: "Warum habe ich dann häufig Affären, die Frauen lieben mich wohl kaum, aber wenn sie keinen Spaß hätten, würden sie gehen und mich schon gar nicht immer wieder gerne besuchen." Dennoch: Sollte es noch andere Personen geben, die an diesem Spiel mit mir keinen Spaß hatten, würde ich mich freuen, dies zu hören, so könnte ich mein Bild von dem, was und wie ich es mache, zurechtrücken.
Solange es kein Tabu ist, mache ich auch Dinge, die meiner Sub keinen Spaß bereiten. Von einer festen Sub habe ich bisher zum Beispiel immer erwartet, dass sie mein Sperma schluckt. Manche mochten es, andere fanden es neutral und andere hassten es. Wenn sie es mag, bereitet es mir große Freude, denn sie nimmt etwas von mir auf. Wenn sie es hasst, bereitet es mir auch große Freude, denn sie macht es wegen der Macht, die ich in dem Moment über sie habe und um mir zu gefallen. Die Option neutral, nunja, die mag ich persönlich am wenigsten, aber dennoch habe ich dabei meinen Spaß. Ein Beispiel: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Partnerin und komme beim Oralsex. Sie schluckt es und ich glaube, es war eine Belohnung für sie, ich streichele ihr nur zärtlich über die Wange und schenke ihr vielleicht noch ein Lächeln. Die andere Option ist, es war eine Strafe. Wüsste ich das, würde ich sie nun evtl. doppelt belohnen, für den Akt und für die Überwindung, die der Abschluss gekostet hat. Dom und Sub müssen unter dem Strich Freude haben, sonst klappt es nicht, nur muss Dom dafür auch ehrlich gesagt oder gezeigt bekommen, an was Sub Freude hat!
Wie aber soll ein Spiel klappen, wenn ich glaube, ich würde sie mit einer Handlung belohnen, in Wirklichkeit aber bestrafe ich sie damit? Dann ist es kein Wunder, wenn man sich immer weniger sehen will. Denn es könnte ja dazu kommen, dass wir spielen. Bestrafungen hätten abgearbeitet werden müssen und ja, auch das normale Spiel wäre in Teilen eine Bestrafung gewesen, da ich glaubte, sie mochte die Dinge, die sie eigentlich hasste, daher konnte sie auch keinen Spaß daran haben. Ein Teufelskreis, der leicht durch eine ehrliche Kommunikation beendet gewesen wäre.
Wir hatten gestern ein Gespräch mit einer neutralen dritten Person und sie sagte, der nächste Partner wird sicher kein BDSMler sein. Die Mediatorin fragte natürlich, warum sie sich sicher sei, immerhin wusste sie nicht einmal, ob sie nun diese Neigung hat oder nicht, und ob unsere Beziehung noch eine Chance hatte oder eben nicht. An ihre Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern, aber nun weiß ich, warum sie sich so sicher war. Nur sollte man dann nicht mehrfach einer Mediatorin gegenüber am Anfang äußern, man sieht noch eine Chance für die Beziehung, wenn es bereits jemand anderen gibt.
Nachdem ich nun zweimal emotional, aber dabei nicht körperlich betrogen wurde, sehe ich sehr viele Parallelen zwischen den Personen und den Umständen. Ich werde dazu sicher irgendwann mal etwas schreiben, aber nicht derzeit, wo jeder wüsste, um wen es geht. Ich denke, in einer neuen Partnerschaft werde ich extrem misstrauisch sein, wenn solche Situationen wieder auftauchen würden. Immerhin hatte ich diese nur mit den beiden erlebt und es scheint symptomatisch für eine solche Persönlichkeitsstruktur zu sein.
Mein Vertrauen ist derzeit sehr erschüttert, aber es wird auch wieder wachsen, auf ganz natürlichem Wege oder auch durch die Liebe zu einer Partnerin, welche diese ebenso erwidert.
Nur kann ich es immer noch nicht verstehen, wie ich mich so täuschen konnte und warum man eine Art Schlammschlacht ins Rollen bringt, wenn man eh schon jemand anderes für sich als Partner sieht… Normalerweise habe ich nach einer Beziehung eine gewisse Trauerzeit und kann mir keine Neue vorstellen. Durch die Lügen und den Betrug hat sich meine Trauerzeit auf die Länge eines Satzes begrenzt: "Es gab da immer noch jemand anderen."
Meine letzten Worte: Danke für deine Ehrlichkeit, also die nach der Partnerschaft.
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