Am Samstag war ich auf der Junge Hiebe Party, einer BDSM Party für Personen bis 35 Jahre. Dort gehörte ich also zum eindeutig älteren Teil des Publikums, sehr viele Besucher waren Anfang bis Mitte zwanzig. Die Karten hatte ich eigentlich für mich und meine Ex gekauft und weil sie bereits bezahlt waren, fuhr ich mit einer netten Bekannten hin. Da ich mich nicht wirklich in der Szene bewege, kannte ich dort nicht gerade viele Leute, nur meine Begleitung und zwei weitere weibliche Subs.
Grundsätzlich war es eigentlich ein recht schöner Abend, aber ich habe gemerkt, als Single bringt mir eine solche Veranstaltung nicht wirklich etwas. Auch wenn das Studio, in dem die Feier stattfand, ideenreich eingerichtet war, habe ich keinen Reiz daran, mir solche Dinge oder auch die spielenden Personen nur anzuschauen. Und auf einer Party, auf der fast nur Paare sind, lernt mein kaum eine potentielle Partnerin kennen und mit jemandem, den ich gar nicht kenne, öffentlich zu spielen, wenn das überhaupt denn geklappt hätte, ist nicht so mein Fall. Bevor ich öffentlich auch einen Teil meiner Intimität präsentiere, will ich die Person schon etwas besser kennen als von einem netten Gespräch an der Bar. Ein Ergebnis für mich war, dass ich mich zum Voyeur nicht zu eignen scheine.
Ich fand das meiste, was ich gesehen habe, eher langweilig. Beim Zuschauen fehlte mir oft schon ganz grundlegend die Abwechslung zwischen Nähe und Distanz, ich sah eigentlich nie einen aktiven Part, der seinen oder seine Sub zärtlich küsste, über die Wange streichelte oder lobte und auch Sex schien öffentlich tabu zu sein. Vielleicht lag es aber auch an den Umständen.
Viele der „jungen“ Leute werden selten bis nie die Möglichkeit haben, so viele wirklich gute SM-Möbel zur Verfügung zu haben. Da will man vielleicht auch einfach alles austesten und ist evtl. viel zu aufgeregt, um das Spiel um Distanz und Nähe zu genießen. Oder ich sah zu wenig und habe jene Szenen einfach verpasst.
Auf den (zugegeben nicht vielen) Parties, auf denen ich bisher war, lag der Altersdurchschnitt eher bei 35 denn bei geschätzten 23 Jahren. Auffällig fand ich dort, dass zwar zum Teil viel härter gespielt und Sexualität etwas offener ausgelebt wurde, aber danach die Person meist auch aufgefangen wurde und es zwischendurch aufbauende Worte oder Gesten für Sub gab. Auf der Junge Hiebe Party hörte ich nur einmal etwas lautere Schreie, als einer Sub Nadeln in die Brüste gestochen wurden. Gerade für unerfahrene Paare dürfte die Party etwas sehr Schönes sein. Ich denke, bis auf die Nadelszene gab es nichts, was einen Anfänger wirklich schockieren könnte, und es war eine sehr lockere und entspannte Atmosphäre mit einer total leckeren Mousse au Chocolate.
Kurz, für mich war es ein schöner Abend mit vielen netten Leuten und ich habe auch endlich jemanden real kennen gelernt, mit dem ich beruflich und privat sicher schon weit mehr als 15 Stunden am Telefon verbracht habe. Dass sie inzwischen mit dem Inhaber des Studios liiert ist, der ein echt netter Kerl zu sein scheint, freut mich sehr für sie und auch, dass ich vom Innenausstatter des Studios, den ich bereits anderweitig kannte, eingeladen wurde, zusammen einen Stahlkäfig nach meinen Vorstellungen zu bauen. Dennoch hätte ich diesen Abend auch in einer ganz normalen Lokalität haben können, zumindest bei mir war BDSM nicht gerade das Hauptthema meiner Gespräche. Rückblickend kann ich es mir gut vorstellen, wieder auf die Party zu gehen, dann aber mit einer Begleitung, mit der ich dort auch spielen werde ;-)
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