Ich hatte zweimal eine Spielbeziehung mit Cosplayerinnen. Für beide war jedoch die Verbindung von Cosplay und BDSM beziehungsweise Sexualität ein Tabu. Dabei sehe ich Cosplay nicht einfach als ein Rollenspiel im klassischen Sinn, etwa wie Lehrer und Schülerin, was mich überhaupt nicht reizt. Cosplay ist für viele eben mehr als ein Spiel. Es ist Ausdruck eines inneren Anteils, einer Persönlichkeit, die nicht „gespielt“, sondern gelebt wird, ähnlich wie ich den dominanten Teil in mir nicht als Maske empfinde, sondern als Teil meiner Identität.
Beim Cosplay entstehen oft autarke Charaktere, Persönlichkeitsfragmente oder alternative Selbstentwürfe, in die man schlüpfen kann. Dieser „Maskenmoment“ kann Hemmungen lösen und Möglichkeiten schaffen, in denen Dinge erlaubt sind, die man sich sonst nicht zugestehen würde. Die Figur schützt. Wer sich in einer Rolle bewegt, kann Sehnsüchte erkunden, ohne sich dabei nackt und überfordert zu fühlen. Gerade bei Themen wie Macht, Kontrolle oder Hingabe kann Cosplay ein geschützter Raum sein, in dem BDSM nicht nur möglich, sondern vielleicht sogar das erste Mal willkommen ist.
Eine unschuldige Prinzessin entführen, eine wilde Kriegerin bezwingen, ein ungezähmtes Raubtier zähmen, wenn das, was sich im Spiel vollzieht, im Charakter der Figur und ihrer Dynamik gefühlt wird, entsteht etwas Besonderes. Es ist dann kein „Spiel“ mehr, sondern eine Interaktion auf Basis innerer Realitäten. Und dennoch bleibt es ein Play, das auf Konsens basiert und seine eigenen Regeln hat.
Was ich mir persönlich nicht vorstellen kann, ist selbst ein Kostüm zu tragen. Nicht, weil ich es grundsätzlich ablehne, sondern weil ich keine Rolle fühlen kann, die nicht schon in mir verankert ist. Ich muss ich bleiben als Dom, der ich bin und auf das antwortet, was die andere Seite in ihrer Figur verkörpert. Wenn das Cosplay authentisch ist, dann kann sich sicher eine Dynamik entfalten, in der BDSM nicht nur funktioniert, sondern eine ganz neue Dimension gewinnt.
Viele Menschen nutzen Cosplay, um schwer auslebbare Aspekte ihrer Persönlichkeit zu erforschen: Stärke, Verletzlichkeit, Unterwerfung, Androgynität, Sadismus, Masochismus, Hedonismus. Die Verkleidung gibt einen sicheren Rahmen. Und besonders bei Tabus oder Machtfantasien wirkt diese fiktive Verkleidung wie ein Schutzschild. Es ist „nur eine Rolle“ aber gleichzeitig vielleicht der ehrlichste Ausdruck eines tiefen inneren Bedürfnisses.
Kurzum: Klassisches Rollenspiel reizt mich nicht. Aber eine Begegnung mit einer Cosplayerin, die ihren Charakter in ein BDSM Setting hinein entfaltet und bei der sich ihre Figur mit meinen Vorlieben als Dom in Einklang bringen ließe, das wäre nicht nur spannend, sondern wahrscheinlich zutiefst intensiv.