Nur ein BDSM Traum

Kürzlich hatte ich einen sehr intensiven Traum. Der hatte irgendwie BDSM-Bezug und irgendwie auch wieder nicht. Da ich Träume meistens gerne mag und finde, dass sie manchmal recht nützlich sein können, möchte ich das Geträumte mit euch teilen und euch dazu ermuntern, Träume die ihr gerne teilen wollt, auch hier zu veröffentlichen.

Nur ein Traum…

Im Halbdunkel kann ich kaum etwas erkennen. Wo bin ich denn jetzt schon wieder gelandet? Dass alte Schlösser und Villen sowie Burgen des Öfteren in meinen Träumen vorkommen, bin ich ja schon gewohnt. Aber das Gebäude hier kenne ich noch nicht. Interessant, ich befinde mich in einem größeren Raum, in einem Treppenhaus. Es könnte eine Eingangshalle sein. Vorsichtig löse ich mich aus meiner sitzenden Haltung und begebe mich auf alle Viere, leise, ich weiß ja nicht ob ich hier willkommen bin. Es klirrt und scheppert. Verdutzt blicke ich nach unten und registriere die metallenen Fesseln an meinen Hand- und Fußgelenken, die mit goldfarbenen Ketten verbunden sind. Na prima! Ein BDSM-Traum, grinse ich in mich hinein. Und selbstverständlich bin ich nackt. Noch ein Grund mehr, nicht entdeckt zu werden.

Aber nur hier in der dunklen Ecke hinter diesem Schrank hocken zu bleiben ist ja auch langweilig. Und es ist ja nur ein Traum, soviel ist mir klar. Für gewöhnlich halte ich mich nämlich nicht nackt und in Ketten in fremden Häusern auf. Ich lausche aufmerksam ins Halbdunkel, doch nichts und niemand ist zu hören. So leise wie möglich fasse ich meine Ketten zusammen, damit sie nicht so laut rasseln und wage es, mich halb aufzurichten. Erneut suche ich den Raum ab, meine Augen gewöhnen sich so langsam an das Zwielicht. Donnerwetter! Was für ein tolles Gebäude!

Die Treppen sind dunkel vom Alter und aus massivem Holz errichtet, die Geländer wuchtig, aber kunstvoll geschnitzt und die Ecksäulen der Geländer mit eindrucksvollen Wächterfiguren verziert. Im großen Eingangsbereich stehen mehrere Schränke und Kommoden, teilweise Vitrinen. An den Wänden hängen seltsam anmutende Jagdtrophäen. Einen ausgestopften Elchkopf habe ich noch nie in echt gesehen! Rasch husche ich zur wuchtigen Eingangstür, die natürlich verschlossen ist. Natürlich. Ich muss lächeln. Ja, manche meiner Träume sind wirklich Stoff für die tollsten, aber auch kitschigsten Romane.

Betont gemütlich schlendere ich zum dicken Teppich, der mittig zwischen den beiden nach oben führenden Treppen ausgelegt ist. Dort stehen ein kleines Tischchen sowie zwei mächtige Ledersessel. Sehr einladend. Aber, mich auf einen der Sessel zu setzen, das traue ich mich dann doch nicht. Ich bin immer noch nackt und irgendwie mag ich das so nicht. Also lasse ich mich nun einfach mitten in dieser großen Eingangshalle auf dem fluffigen Teppich im Schneidersitz nieder und harre der Dinge, die da kommen. Könnte eine Förstervilla sein oder sowas…

Aber es geschieht... nichts! Keiner kommt. Im Haus ist absolute Stille. Nur gelegentlich hört man ein Knarzen, aber das Geräusch kenne ich, es ist das alte Holz, das immer noch arbeitet. Fast bin ich enttäuscht. Das scheint aber ein langweiliger Traum zu werden!

Nun gut. Eigentlich wollte ich ja schon immer mal auf dem Dachboden eines Schlosses oder eines alten Herrenhauses kramen gehen, das wäre doch jetzt die Gelegenheit! Mit einem Sprung bin ich auf den Beinen und ignoriere fortan das Geklimper meiner Ketten. Nur mit einer Hand halte ich sie gerade noch so fest, damit ich nicht darüber falle oder irgendwo hängen bleibe. Auf meinem Weg nach oben schenke ich den Gemälden, die im Aufgang hängen, kaum einen Blick. Es sind die üblichen Ölschinken, die man in so einer Umgebung erwarten würde. Träume sind manchmal so schön verlässlich. Die Treppen nehmen kein Ende, das muss ein enorm großes Haus sein! Vorbei an weiß gekalkten Wänden, weiteren Gemälden, ein Blick in abgehende Flure, mit Teppichen belegte Steinböden. Zimmertüren aus dunklem Holz, beschlagen mit geschwärztem Eisen. Ab und an gönne ich mir eine Pause, doch so angestrengt ich auch lausche, kein Laut ist zu hören.

Kann mir nur recht sein. Ich will meinen Weg gerade fortsetzen, das ist bestimmt schon das dritte Stockwerk oder so, da spüre ich einen Windzug mit frischer Luft. Irritiert halte ich inne. Ist jetzt jemand reingekommen? Oder ist da nur irgendwo ein Fenster offen? Schnuppernd hebe ich meine Nase in den Luftzug. Frische Luft, eindeutig, wie eine Wiese kurz nach einem Regenschauer. Würzig, feucht, erdig, intensiv. Einladend. Nach einem abschätzenden Blick auf die wenigen noch verbleibenden Treppenstufen bis nach oben, entschließe ich mich kurzerhand, einen kleinen Abstecher zu machen. Ich will wissen, wo dieser einladende Duft herkommt. Also folge ich dem Lüftchen und lande am Ende eines weiteren Flures an einer weiteren, mit Eisen beschlagenen Holztür, die ein vergittertes Guckfensterchen besitzt, welches offen steht. Sehnsüchtig blicke ich hindurch, in einen herrlichen Garten! Nun ja, eigentlich ist es eher eine große saftige Wiese, umrahmt von Schotterwegen, die zum schlendern einladen. Draußen scheint die Sonne. Ich seufze tief. Bestimmt ist diese Türe auch abgeschlossen.

Testhalber drücke ich dann doch noch die Klinke nach unten, und welche Überraschung, die Türe lässt sich problemlos nach außen öffnen! Glücklich und neugierig riskiere ich einen Blick nach draußen. Herrlich! Die Sonne scheint auf die saftige Wiese und es ist schön über sichtlich. Und es ist auch hier keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Vorsichtig überquere ich den Kiesweg bis zur Wiese, denn ich laufe barfuß und diese Kieselsteine sind ärgerlich spitz. Als ich endlich die saftige Wiese erreiche, laufe ich los, ich kann nicht anders. So lange, bis ich erschöpft bin, und eine Pause brauche.

Der Länge nach lasse ich mich in das duftende Gras fallen, drehe mich auf den Rücken und schaue in den blauen Himmel. Die Sonne wärmt mich durch und durch. Keine Ahnung, wie lange ich da so gelegen habe, es war einfach zu schön und ich habe das sehr genossen. Erst, als es mir fast schon zu heiß wird, erhebe ich mich wieder und schaue mich erneut prüfend um. Seltsamer Traum das! Kein anderer Mensch und kein Tier scheinen hier zu sein. Also, Zeit zum Kramen auf dem Speicher!

Trippelnd überquere ich die spitzen Kieselsteine und betrete das verlassene Haus. Die Türe schließe ich gewissenhaft wieder. Lauschend halte ich inne, aber da ist kein Laut. Gespannt mache ich mich wieder auf den Weg in Richtung Dachboden. Fast bin ich am Ziel, denn im nächsten Stockwerk führt nur noch eine kleine hölzerne Wendeltreppe in einer unscheinbaren Ecke weiter nach oben. Okay, jetzt hab ich Herzklopfen! Was wird mich da oben erwarten? Und bin ich wirklich alleine hier? Wieso bin ich in Ketten?

Meinen Atem anhaltend, lausche ich ein letztes Mal in das verlassene Haus. Versuche mich abzusichern, schnuppere, ob sich der Duft des Gebäudes irgendwie verändert hat. Aber da ist nichts. Aufatmend setze ich meinen Fuß auf die erste Stufe der Wendeltreppe. Das Holz ist alt, aber gepflegt, es fühlt sich fast weich an. Fest greife ich das Geländer, denn Wendeltreppen sind aufgrund meiner Höhenangst oft problematisch für mich zu überwinden. Aber hier geht es. Die Treppe ist nicht sehr hoch und die Stufen sind so angebracht, dass man nicht zwischen ihnen auf den Boden sehen kann. Ungefähr zur Hälfte habe ich die Wendeltreppe erklommen, da höre ich das Klappen einer schweren Holztür! Potzblitz! Das darf doch nicht wahr sein? Bin ich etwa doch nicht alleine? Oder nicht mehr?

Mit rasendem Puls und angehaltenem Atem horche ich stocksteif auf weitere Geräusche. Das war bestimmt die Eingangstüre! Ich höre das Rascheln von Bekleidung, eine Jacke oder ein Mantel wird ausgezogen. Jemand pfeift vergnügt vor sich hin. Drei Stockwerke trennen mich von jenem fröhlich vor sich hin pfeifenden Menschen. Eigentlich nichts, wovor man sich fürchten müsste, aber ich bin hier in diesem Haus nackt und in Ketten „aufgewacht“. Ist sie oder er mir wohlgesonnen? Auf jeden Fall ist es wohl ein/e BDSMler/in! Und es ist ja nur ein Traum…

Ob ich runter gehen soll? Testen, wie dieser Traum wohl weitergeht, wenn wir aufeinander treffen? Oder ob ich einfach nur nochmal nach unten schleiche und versuche, einen Blick auf die unbekannte Person zu erhaschen? Passieren kann mir ja nicht wirklich was. Oder?

Während ich noch fieberhaft überlege, scheint der Neuankömmling abgelegt zu haben. Ein erneutes Klappen einer Zimmertüre signalisiert mir, dass ich wohl nicht gesucht werde. Neugierig wäre ich ja schon, aber…

Ein letzter Blick auf den Eingang zum Speicher. Eine simple Klappe im Boden mit einem Drehknauf, unverschlossen. Ganz einfach, reinzukommen. Dann ein prüfender Blick zum Treppenhaus. Was tun? Sorgfältig nehme ich so leise wie möglich meine Ketten in meine Hände, damit sie nicht zu laut rasseln, wenn ich mich bewege. Seltsam, jetzt hören sie sich plötzlich viel lauter an, als vorher. Dann steige ich die Wendeltreppe wieder herunter und bewege mich wieder auf das schöne Treppenhaus zu. Wenn ich mich nicht zu nahe am Geländer halte, beim herunter Gehen, dann werde ich nicht gesehen, mache ich mir selber Mut.

Ich komme bis zum ersten Stockwerk, dann klappt wieder eine Zimmertüre und die unbekannte Person tritt aus einem Zimmer heraus in die Eingangshalle. Ich erstarre zur Salzsäure. Verflixt! Rasch ducke ich mich hinter dem wuchtigen Geländer und betrachte den Bewohner des Hauses, der suchend umhergeht. Eine sehr lange Peitsche in der Hand. Auweh! Da hätte ich mich mal lieber für den Dachboden entschieden!

Hübsch ist er ja, mit seinen dunkelbraunen Augen, hübsch geschwungenen dichten Augenbrauen und dem markanten Gesicht. Und ja, auch seine breiten Schultern und die gepflegte Kleidung gefallen mir irgendwie. Er hat auch einen schönen Mund, richtig hübsche Knutschelippen, die er im Moment geschürzt hat, da er wieder fröhlich vor sich hin pfeift, während er die Eingangshalle absucht und hinter und unter jedes Möbelstück schaut. Aber die lange Peitsche in seiner Hand irritiert mich doch sehr, und ich lege im Moment nicht wirklich Wert darauf, von ihm gefunden zu werden.

Er scheint der Suche langsam überdrüssig zu werden, denn er hat aufgehört zu pfeifen und auf seiner Stirn zeichnen sich leichte ärgerliche Falten ab. Sein Blick wandert nach oben ins Treppenhaus und ich werde noch ein bisschen kleiner. Plötzlich schallt seine Stimme durch die Eingangshalle: „Wo ist denn meine Neuerwerbung? Du wirst Dich doch nicht vor mir verstecken wollen?!

Nachdem ich mich von meinem Schreck erholt habe, denke ich bei mir: „Doch, ich denke, das ist genau das, was ich will!“ Aber ich gebe keinen Laut von mir und bemühe mich, trotz des Zitterns, das meinen Körper schüttelt, meine Ketten am Rasseln zu hindern. Sein Blick wandert wieder von oben, vom Treppenhaus, nach unten. Er geht entschlossen auf die Kellertüre zu (warum hatte ich die vorher nicht wahrgenommen?!). Diese ist wohl ebenfalls nicht abgeschlossen und er öffnet sie und lauscht ruhig in die kühle Stille hinunter. Plötzlich knackst es irgendwo da unten!

Er lächelt zufrieden, die störenden Fältchen auf seiner Stirn glätten sich und er betritt die Treppe, die zum Keller hinunter zu führen scheint. „Geduld meine Kleine, ich bin sofort bei Dir!“, ruft er fröhlich. Dann zieht er die Kellertüre hinter sich zu. Ich höre einen Schlüsselbund, dann wird das Türschloss klackend abgeschlossen. Ich bin schweißnass. Wie ist denn der drauf?! Nein, dem mag ich jetzt nicht begegnen. Auch wenn es nur ein Traum ist.

Da geh ich lieber auf den Dachboden und stöbere ein bisschen dort herum, bevor ich wieder aufwache. Leise, so leise wie es irgend geht, bewege ich mich wieder die Treppen hinauf. Ich bin schon im dritten Stock angekommen, die Wendeltreppe ist bereits in meiner Sichtweite, da höre ich, wie ganz unten die Kellertüre aufgeschlossen und energisch aufgeworfen wird. „Okay, wo steckst Du?!“, ruft er erbost von unten. Kein fröhliches Pfeifen mehr. „Ich zähle bis drei, wenn Du dann nicht hier vor mir auf dem Boden kniest, dann komme ich und hole Dich. Und dann wird unser erstes Aufeinandertreffen nicht ganz so harmonisch verlaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte!“, droht er. Du meine Güte!

Er unterstreicht seine Drohung durch einen lauten Knall mit der Peitsche, der mich dazu veranlasst, zusammen zu zucken und meine Augen zuzukneifen. Himmeldonnerwetter! Manche Träume sind wirklich sehr realistisch! „Eins!“, schallt es zu mir herauf.

Okay, Zeit, dass ich mich dünne mache. Leise, leise, aber deshalb leider auch sehr langsam und auf Zehenspitzen nähere ich mich wieder der Wendeltreppe. „Zwei!“, tönt es da unten ungeduldig, als ich die erste Stufe erklimme. Was bin ich froh, dass diese Treppe keinen Blick nach unten zulässt. So kann ich schnell nach oben huschen, die Falltür öffnen und auf dem Speicher verschwinden. Vielleicht finde ich oben ja noch etwas schweres, was ich darauf stellen kann, dann bin ich sicher. Abschließen lässt sich die Türe ja nicht.

Ein plötzliches Poltern lässt mich zusammenfahren. Was ist denn jetzt wieder los?! „Drei!“, schreit er erzürnt. Er scheint jetzt wirklich sauer zu sein. Und das Poltern? Er kommt die Treppen herauf! Ich unterdrücke einen Schreckensruf und setze mich wieder in Bewegung. Aber irgendwie hänge ich jetzt fest! Meine Ketten haben sich irgendwo im schmiedeeisernen und verschnörkelten Geländer oder Gestell der Treppe verfangen! Hektisch gehe ich wieder ein paar Stufen herunter und versuche, die Stelle zu finden um mich wieder zu befreien. Doch ein erneuter Knall der Peitsche, diesmal erschreckend nahe, lässt mich straucheln. Ich purzle die Treppe hinunter. Ein wildes Knäuel aus Haaren, Armen, Beinen und Ketten. Ich werde durch den Sturz förmlich eingewickelt in meine Ketten. Als der Sturz endlich stoppt, baumle ich hilflos kopfüber an der Treppe und irgendwie hat sich ein Stück der Kette zwischen meine Beine verirrt. Aber es ist durchaus nicht unangenehm. Es drückt ein bisschen, es reibt ein bisschen, weil mein Körper noch sachte hin und her schaukelt. Hm, eigentlich ganz schön so. Oh ja, eigentlich sogar sehr erregend! Ich bewege meine Hüften ein wenig vor und zurück, ja, das ist gut so… da höre ich Schritte…

Ich explodiere! Der Orgasmus überrollt mich. Ich wache auf, mit zusammengepressten Schenkeln und genieße die letzten mitreißenden Wellen. Nehme eine Hand zu Hilfe, weil ich das schöne Gefühl noch ein wenig hinausziehen will. Dann räkele ich mich wohlig in meinem Bett, verschränke die Arme hinter dem Kopf und lächle zufrieden vor mich hin. Es war ja alles nur ein Traum. Aber was für einer…!

 

Autorin Spätzle