Da mein Anzeigentext von der Ultimo Bielefeld abgelehnt wurde schrieb ich eine Anfrage an die Redaktion, mit welcher ich den Hintergrund hinterfragen wollte:
Lieber Setzer,
Liebe Ultimoredaktion,
ich bin doch etwas verwundert. Die Ultimo gibt sich als liberales, weltoffenes Magazin und dennoch wird unter dem gleichen Verlagsdach eine sehr unterschiedliche Medienpolitik betrieben. Meine Anzeige wurde in Münster aufgenommen, in Bielefeld jedoch nicht. Das kann ich gut akzeptieren, jedoch die fehlende Begründung mir gegenüber und der Kommentar in dem Magazin haben bei mir einen sehr faden Nachgeschmack hinterlassen.
Anzeige:
Tageslichttauglicher 36jähriger sucht ebensolche tageslichttaugliche Frau zwischen 25 und 37 Jahren, die Freude daran hätte, sich ihren Popo (max. Größe 40) mit Massageöl einreiben zu lassen und auch gegen ausgiebige Fußmassagen nichts einzuwenden hat. pomassage-bielefeld@xxx.xx (Anmerkung Redakteur: Leute, wenn ihr das für glitischig bescheuert haltet: ihr habt keine Ahnung, wie viel Kontakt-Anzeigen wir diesmal gar nicht erst angenommen habe, vom devoten Haussklaven bis zum Kerl, der Frauen gerne ans Bett fesselt oder eine "mit zarten Händen" sucht ... wir sind nicht Hasppy Weekend, verteilt eure ekligen Säfte woanders! d.S.)
Ich kann vollkommen nachvollziehen, wenn die Rubrik nicht als Sexdateanzeigenrubrik missbraucht werden soll. Aber in dem Fall sind viele der Anzeigen deutliche Sexanzeigen, welche zum Teil sogar eine Gegenleistung versprechen (Oh mein Gott, was könnte da nur gemeint sein? Geld etwa? Eine Bekannte fragte beim Einsteller nach und ja welch unglaubliches Wunder, genau das war gemeint):
Anzeige aus der gleichen Ausgabe:
Ich, m, 42, schlank, gutaussehend, suche nette Sie, die sich mir hin und wieder zeigen möchte. Gegenleistung garantiert.
Anfrage Bekannte:
Ist denn mit Gegenleistung etwa ein kleines Taschengeld gemeint ;-)
Lieben GrußTina
Antwort Inserent, aus datenschutzrechtlichen Gründen anbei nur ein Textausschnitt:
…“als Gegenleistung wäre zum Beispiel ein Taschengeld denkbar“...,
Die Ultimo fördert überspitzt formuliert also die Prostitution, macht aber gleichzeitig Vorwürfe, dass andere Anzeigende „ekligen Säfte“ verteilen. Sorry, ich spritze die gleiche Art von Sperma ab, egal ob ich mir nun selbst einen runterhole, es beim Blümchensex passiert oder eben beim BDSM. Gleiches gilt auch für andere laut dem Verfasser „eklige Säfte“, was immer er damit auch meinen mag. Der Austausch von Körperflüssigkeiten kommt in den bravsten Beziehungen vor, zumindest ist das mein Kenntnisstand. Nur eine Hardcorelesbe dürfte vielleicht ein solches Vokabular verwenden.
Nun zu meiner Anzeige, in der ich nichts lesen kann von ficken, wixen oder was auch immer d.S. gemeint haben könnte. Wer sie liest, sollte aber schnell feststellen, dass ich mit dieser Anzeige die Intention verfolgt habe eine Liebesbeziehung und keinen ONS oder eine Affäre zu finden:
„Mit Frauen spielt man nicht, außer sie sind ans Bett gefesselt.“ Musst du über diesen Satz kurz lachen oder nachdenken? Wenn er für dich eine wahre Aussage enthält, würde ich mich über den Kontakt sehr freuen. Zu mir: Ich bin 32 Jahre alt, habe also die Studentenzeit hinter mich gebracht, bin kreativ, selbstbewusst, kommunikativ, intelligent, humorvoll, optimistisch, stehe mit beiden Beinen im Leben, bin spontan und dennoch ausgeglichen. Natürlich gibt es auch Schwächen wie eine gewisse Shoppingsucht und ein extremes Langschläfergen. Die Frau, die ich suche, ist selbstbewusst, klug, attraktiv und schlank, steht ebenfalls mit beiden Beinen im Leben, ist zwischen 21-34 Jahren alt und hat daneben eine gewisse devote Ader. Kontakt: gentledom[at]gentledom.de
Gerne kann ich die Anzeige erneut einreichen und diesen Umstand noch deutlicher hervorheben, aber eigentlich sollte es kein Roman werden und die allgemeinen Infos zu meiner Person deuten bereits grundsätzlich auf meine Intention hin. Würde ich einen „Fick“ suchen, wäre die Anzeige sicher anders gestaltet.
Weiterhin ist die Anzeige wirklich harmlos abgefasst, die in den Augen eines Extremspießers anstößigen Fragmente machen weniger als 10% des Textes aus und dürften folgende sein: „Mit Frauen spielt man nicht, außer sie sind ans Bett gefesselt.“ Hilfe, ja das ist wirklich ganz dolle böse, also so was, den Spruch habe ich ja noch nie in der Kneipe oder gar in einer Unicafete oder anderswo gehört… und natürlich das schlimmste aller möglichen Wortpaare: die „devote Ader“, jedoch eingeschränkt durch das vorgestellte Wort „gewisse“.
Eine devote Ader, das bringt natürlich jede Extremfeministen hinter dem Kamin hervor (alle anderen dürften nur müde lächeln). Aber ist es nicht auch das Recht einer Frau auf die hart erkämpfte und leider noch nicht vollkommen erfolgte Gleichbehandlung freiwillig zu eigenen Konditionen und in einem abgesteckten Rahmen zu verzichten? Eine Frau, die von anderen ein Verbot erhält, sich zu ihrer devoten Seite zu bekennen, wird folglich nun nicht mehr von der Männerwelt, sondern von jener Gruppe (häufig dann die eigenen Geschlechtsgenossinnen) bevormundet.
Emanzipation bedeutet Freiheit und Gleichheit ohne Abhängigkeit vom Gutdünken Dritter. Der freiwillige Verzicht auf Freiheiten, in einem gesunden Rahmen, ist Ausdruck einer modernen weltoffnen Gesellschaft.
Ich meine sogar in der Ultimo vor einiger Zeit etwas zum AGG gelesen zu haben.
Zur Erinnerung was das AGG ist. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz oder AGG trat 2006 in Kraft. Es bezweckt laut § 1 den Schutz vor Benachteiligungen aus Gründen der „Rasse“ oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Meine dominante Neigung fällt rechtlich unter die "sexuelle Identität" gem. § 19 I AGG.
Kurz gesagt: Das AGG unterstützt die Einhaltung des Gleichbehandlungsgrundsatzes, der schon im Grundgesetz festgehalten ist. Schließlich leitet er sich vom elementarsten Menschenrechtsprinzip, der Gleichheit aller Menschen in ihrem Anspruch auf Leben und Würde, ab. Das AGG ist also kein bloßes Schutzrecht für Minderheiten, sondern es stärkt die Grundrechte aller Menschen und ich denke dies wird auch von der Ultimoredaktion unterstützt.
Meine Suche damit als unpassend abzustempeln, andere sogar primär sexuelle Suchanzeigen zuzulassen, was das in diesem Sinne bedeutet ,überlasse ich dem Leser.
Weiterhin berichtete die Ultimo in der Vergangenheit durchaus positiv über meine Neigung, zum Beispiel in der Filmbesprechung von Wir leben SM Ist es also so, dass im Medium Film oder bei Buchbesprechungen die Neigung akzeptiert wird, da es schön abstrakt gehalten ist, in der Realität jedoch verwerflich wäre? Als Betreiber einer großen Aufklärungsseiten zu dem Thema BDSM helfe ich gerne dabei das ein oder andere Vorurteil aus der Welt zu räumen.
Ich bin sehr gespannt auf die Stellungnahme.
Besten Gruß und einen guten Start in die neue Woche
Gentledom
Reaktion
Bisher noch nicht erfolgt...
Noch keine Kommentare.