BDSM ohne SM?

Besonders Anfänger scheinen öfters von dem Gedanken, sexuell benutzt zu werden, wehrlos zu sein und konkret gesagt zu bekommen, was sie beim Sex zu tun oder zu lassen haben, fasziniert zu sein, körperliche Gewalt hingegen schreckt sie ab. Kann SM also ein Tabu und BDSM dennoch erfüllend sein?

In meinen Augen hat jeder andere Vorlieben und Tabus und welche Spielarten man sich wünscht, hängt eben erst einmal von den eigenen Sehnsüchten, aber auch Ängsten ab. BDSM selbst unterteilt sich bekanntlich in drei Bereiche und auch wenn SM den meisten Menschen der geläufigste zu sein scheint, so ist es eben nur ein Teil des Ganzen und nicht jeder BDSMler lebt alle Bereiche gleichermaßen oder überhaupt aus.
Ich selbst zähle mich zu den DSlern, also jenen, denen es nicht ums Hauen oder Fixieren, sondern um ein Machtgefälle geht.

SM ist für mich vor allem Mittel zum Zweck, macht meine Sub nicht das was ich will, ist SM ein Sanktionsmittel, um die Rollen und den Führungsanspruch deutlich zu manifestieren und sie passend zu erziehen.
Der Bereich SM kann aber nicht nur der Bestrafung, sondern auch der Belohnung oder dem Spannungsaufbau dienen. Auch in diesem Fall dient er der Erziehung, denn erziehen bedeutet beim besten Willen nicht nur schlechtes Verhalten zu sanktionieren, sondern eben auch gutes zu belohnen. In meinen Augen ist dieses in den meisten Fällen sogar langfristig der bessere Ansatz.

Ich glaube ein Paar, welches nur auf Bondage steht, wird gar kein Problem damit haben, auf SM zu verzichten, für ein Paar mit einem Hang zum Bereich DS (für diese) ist es hingegen nicht ganz so leicht. Um auf SM zu verzichten, müssen andere Sanktionsmittel gefunden werden oder aber es bedarf bei beiden gar keiner Sanktion.

Die Suche nach anderweitigen Sanktionsmitteln ist mir selbst noch gut aus einer Beziehung bekannt. Meine damalige Partnerin war sexuell extrem devot und zudem sehr masochistisch, demnach blieben mir damals nicht wirklich viele Möglichkeiten, sie zu bestrafen, wenn mir ein Verhalten nicht gefiel, was aber äußerst selten der Fall war.
Da Schmerz und Erniedrigung für sie eine Belohnung gewesen wären, fand ich nach einiger Zeit andere Sanktionsmöglichkeiten, zum Beispiel sie etwas essen zu lassen, was sie gar nicht mochte.

Es gibt auch devote Personen, denen es gar nicht so sehr darum geht, unterworfen zu werden, sondern die aus purer Lust dienen oder einfach gerne ein Sexualobjekt für einen anderen Menschen sind.
Jemand, der aus Lust dient und dies am besten auch noch mit großer eigener Lust, den muss man ebenfalls nicht wirklich bestrafen. Wenn ich meinen Willen also gar nicht erst durchsetzen muss, oder es sehr leicht ist, die passenden Knöpfe zu drücken, um zu diesem Ergebnis zu gelangen, dann ist ein Verzicht auf SM ohne Probleme möglich.

Wenn jemand also Lust daran hat, benutzt zu werden, aber den klassischen SM Bereich ablehnt, sollte er oder sie nur sehr genau bei der Partnerwahl darauf achten, wie sein Gegenüber tickt. Gleiches gilt natürlich auch im Umkehrschluss für einen Dom, der eine der Spielarten ablehnt bzw. unbedingt braucht.
Kommen zwei Menschen zusammen und ist einer Sub und der andere Dom, sagt dies nichts darüber aus, wie diese beiden harmonieren werden. Neben den zwischenmenschlichen Komponenten ist da eben auch die Neigung. Ist einer von beiden vor allem devot, der andere aber vor allem ein Sadist, werden sie nur sehr schwer zusammen glücklich werden können.

Für viele ist der Bereiche DS der Einstieg und sie finden erst mit der Zeit auch zu SM und/oder Bondage. Ähnlich war auch meine Entwicklung, zwar stehe ich noch immer primär auf das Benutzen und Erziehen, jedoch bin ich mit der Zeit auch für SM und Bondage offener geworden.
Es ist beides zwar ganz sicher kein Muss für eine Session oder eine Beziehung, wenn es passt aber eine durchaus schöne Ergänzung. Ist meine Partnerin masochistisch veranlagt, entwickle ich im Spiel große Freude daran „sadistisch“ zu sein.
Eine überschwängliche Lust auf Bondage im Sinne von künstlerischen Fixierungen hat dagegen noch keine Partnerin bei mir wecken können, hier war ich bisher immer pragmatisch ausgerichtet, es soll sicher in Bezug auf die Gesundheit sein, schnell gehen, ausbruchssicher und nicht unbequem sein.

So hat jeder seine Vorlieben und der eine mag es eben, den Partner stundenlang und kunstvoll zu verknoten, der nächste hat große Freude daran einen Po mittels Paddeel und Rohrstock zum Glühen zu bekommen, wieder andere mögen es, aus der Partnerin ein Dressurtier zu machen und manch einer hat eben Spaß daran, seine Sub als persönliche Sexsklavin zu benutzen.

BDSM ohne SM geht also und muss deswegen nicht in BDS umbenannt werden, vielleicht ist mein BDSM einfach bDSm und im Mittelpunkt steht das große DS, umringt von den beiden kleinen Komponenten BD und SM, auf die ich verzichten kann, aber sicher nicht muss.


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