BDSM und Alkohol

Am Wochenende (wobei der Artikel nun lange in der Schublade lag) hatte ich eine interessante Unterhaltung über SSC, Alkohol und Sessions, wie es scheint habe ich das Thema hier auf der Webseite aber irgendwie nie angeschnitten. Grundsätzlich obliegt es der Verantwortung zwei erwachsener Menschen was sie miteinander machen wollen oder eben auch nicht. Daher kann ich nur meine ganz persönliche Meinung dazu äußern.

Da in meinen Augen Sub und Dom Verantwortung in einer Session haben würde ich die beiden Seiten in Bezug auf den Alkohol auch nicht unterscheiden wollen. Zwar schwingt der Dom die Peitsche aber Sub ist es deren Körper diese ertragen muss. Unter Alkohol fallen auf beiden Seiten Hemmungen und auf Domseite wird es irgendwann ein Problem mit dem Augenmaß geben, was sowohl Treffsicherheit als auch Angemessenheit anbelangt. Jedoch ist eine alkoholisierte Sub nicht weniger gefährlich, sie wird Gefahren übersehen und vielleicht nicht zur richtigen Zeit die Reißleine (Safeword) ziehen.

Für mich sollte mein geistiger und körperlicher Zustand der Aktivität angepasst sein. Es gibt einen Alkoholpegel bei dem ich nicht mehr mit dem Auto fahren würde (so ab 0,2 Promille) und einen ab dem ich nicht mehr aufs Fahrrad steigen würde (kein Plan aber schon eher 0,8 Promille). In beiden Fällen nehme ich am Straßenverkehr teil, nur eben in einer sehr unterschiedlichen Art und Weise.

Ähnlich sehe ich dies auch bei einer Session, wenn ich mit einer Sub nur ein wenig Sex und evtl Spanking (Hand auf Po) haben will gelten ganz andere Maßstäbe als wenn ich mit ihr Atemreduktions-, intensive Erniedrigungsspiele oder eine harte SM Session hätte. Wer in Foren oder auf Webseiten etwas zu BDSM und Alkohol liest findet zu 80% die Meinung, das geht überhaupt nicht zusammen. Mir persönlich ist Sicherheit beim BDSM sehr wichtig und dennoch gehöre ich nicht zu der Fraktion welche Alkohol im Kontext BDSM sofort verteufelt. Ich trinke sehr selten alkoholische Getränke, in den letzten sechs Monaten war es ein kleines Glas Caipi und ein Weinglas Holunderfruchtwein (6 Prozent), bei beiden Anlässen habe ich auch gespielt. War das nun unvorsichtig? Ich denke nicht, ich hatte mich noch sehr gut unter Kontrolle und in dem jeweiligen Spiel habe ich keine gefährlichen und mir nicht auch sehr bekannten Spielarten versucht, es waren beides mal physisch und psychisch eher harmlose Sessions. Mein Promillewert dürfte bei der Art und Menge des Alkohols und zum jeweiligen Zeitpunkt der Session bei maximal 0,2 Promille gelegen haben.

Trotz meines Spiels unter dem Einfluss von Alkohol sehe ich das Thema sehr kritisch. Denn nicht nur Alkohol kann zu einem suboptimalen Zustand von Körper und Geist führen sondern auch Medikamente, Schlafmangel und andere Faktoren, achja Geilheit vernebelt auch in Teilen den Geist, also wer nun sagt, während einer Session muss man immer zu 100% fit sein, der sollte diesen Begriff ernsthaft und kritisch hinterfragen.

Wenn wirklich so viele Menschen in der Szene Alkohol und Sessions kategorisch ausschließen, warum gab es dann auf jeder BDSM Party (auf der ich war) Alkohol? Immerhin die Veranstaltungen die ich besucht habe verzichteten (bis auf eine Fetischparty aber da wurde nicht wirklich gespielt) auf harten Alkohol, es gab jeweils nur Bier, Sekt und Wein und das Barpersonal hat betrunkenen Gästen keinen weiteren Alkohol ausgeschenkt. Mir ist ein gesundes ehrliches Mittelmaß lieber als die vielen virtuellen Lippenbekenntnisse, das ist auch der Grund warum ich offen dazu stehe: Ja ich habe schon unter Alkohol und auch unter dem nicht weniger gefährlichen Einfluss von Schlafmangel gespielt (nur eben dann eine angepasste Spielweise).

Was meint ihr zu BDSM und Alkohol? Über Kommentare würde ich mich sehr freuen, auch gerne längere da ich, oder noch lieber jemand anders, das Thema für einen Artikel bei den Schlagworten aufgreifen könnte.


Kommentare:


Corina schrieb am 01.03.2015


Hallo Mr. Gentle,

ach ja der liebe Alkohol. Für mich geht die Rechnung BDSM + zu tief ins Glas geschaut= Spass in einer Session nicht auf. Ich halte es mal allgemein und gehe mal von dem Maximumzustand aus. Unter Alkoholeinfluß ist das Reaktionsvermögen vermindert, darum sollte man sich ja auch nicht mehr hinter das Steuer seines Wagens setzen, wie sollte es dann bei einer Session anders sein. Wie könnte es sich noch um ein verantwortungsvolles Spiel beiderseits handeln, wenn beide eigentlich nicht mehr so genau wissen, was sie da überhaupt veranstalten? Dazu kommt, man kann für sich selber nicht mehr einschätzen, was zu weit geht. Das Erinnerungsvermögen ist stark angegriffen, da wird sich Sub noch kaum an ihr Safeword erinnern und Dom verwechselt ihre Grenzen mit ihren tatsächlichen Tabus, Hemmungen werden abgelegt. Sicher, der eine verträgt mehr und hat immer noch alles "unter Kontrolle" aber abgesehen von dem gesundheitlichen Risiko, der Alkohol nimmt einem doch die Chance alles zu fühlen und zu spüren, jeden Augenblick wahrzunehmen, jedes Gefühl zu empfinden. Okay, das war jetzt etwas übertrieben, wie gesagt ich ging vom Höchstmaß des Alkoholkonsums aus. Vielleicht wäre ja ein Test auf "Tauglichkeit" gar nicht mal so schlecht. So in etwa: Auf einem Bein stehen, Augen zu und dann mit dem Zeigefinger seine Nasenspitze berühren. So kann man dann feststellen, ob derjenige noch "spieltauglich" ist oder nicht. Dazu noch allgemeine Fragen stellen.

Naja, ich finde, man kann auch ohne Alkohol Spass haben. Ich amüsiere mich durchaus auch mit 0 Promille. sogar noch mehr, da meine Erinnerung an bestimmte Momente dann ungetrübt sind. ;))

Liebe Grüße
Corina


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Eine gute Einstellung wie ich finde :)

Sonea schrieb am 25.07.2013


Ich will nicht sagen das ich dagegen bin....

Guten Morgen GentleDom,

ich will nicht sagen das ich dagegen bin, aber auch nicht dafür. Da ich selbst keinen Alkohol anrühre erwarte ich von dem Partner ebenso das er auf nüchteren Magen mit mir spielt, deshalb bekommt er ja mein Vertrauen, in dem Sinne das ich mich darauf verlassen kann, dass er weis was er tut. Würde er etwas trinken, müsste er ohne Spiel auskommen an dem Abend, das soll weder Druck ausüben sein noch ein Ultimatum, aber ich steige auch bei keinem ins Auto der etwas getrunken hat und sei es ein Weizen-Cola. Ich denke es sieht soweiso jeder anderes und man kann ewig lang darüber diskutieren, am Ende muss jeder selbst wissen was er tut und mit der Konzequens leben.

Was den Rausch der Sinne angeht, denke ich sind beide im selben Rauschstatium und da überschreiten sicher beide die Grenzen um ein paar wenige Schritte, da der Körper in dem Moment anders reagiert und empfindet.


Meine Meinung zu diesem Thema, ich wünsche noch einen angenehmen Tag.

morgentliche Grüße

Sonea


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Jeder sollte seine Grenzen kennen, kommunizieren und auf deren Einhaltung achten. Also ich kann dich das sehr gut verstehen.

JCD schrieb am 06.05.2013


Vorsicht ohne Übertreibung

Ich käme nie auf die Idee, sturzbetrunken (egal ob ich, meine Partnerin oder wir beide) auch nur irgendetwas zu machen, das tatsächlich oder sprichwörtlich "ins Auge gehen" könnte.

Wobei Alkohol bei mir jetzt auch keine großartig negativen Auswirkungen hat, außer dass mir etwas schwindelig wird und/oder mir irgendwann schlecht wird. Es birgt also nicht die Gefahr dass ich mich "vergesse". Die Gefahr wäre mir nur einfach zu groß, dass ich sie aus Versehen verletze (oder verletzt werde).

Alkohol in Maßen ist dagegen für mich nicht nur akzeptabel, sondern bei uns auch durchaus öfter mal im Spiel: Einen Wein nebenbei würde ich mir jedenfalls nicht nehmen lassen.

Also betrinkend: Definitiv nicht. Genießend, in Maßen: Völlig okay.


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Hallo JCD,da sind wir wohl einer Meinung ;)Beste GrüßeGentledom

S schrieb am 03.05.2013


Abhänigig des Alkoholpegels,,

Hallo Gentledom!

Ich schließe Bdsm und Alkohol nicht kategorisch aus - im Blick sollte nur der Grad der Betrunkenheit und die Härte des Spieles stehen. Die "gefährliche" und enthemmende Wirkung des Alkohols kann auch etwas reizvolles haben. Wenn man bereits nüchtern seine egoistische Ader auslebt ist es dennoch ein Unterschied als wenn man einen gewissen Alkoholpegel erreicht hat - man denkt mit Sicherheit weniger darüber nach und nimmt sich das, was man möchte. Natürlich kann es schief gehen, aber das kann es immer, auch unalkoholisiert. Man sollte nicht vergessen, dass man seine Selbstkontrolle, sowie -beherrschung nicht zwingender Maßen mit dem 6 Bier um die Ecke bringt. Mal etwas fester zugreifen, seinen Impulsen nachgeben - erfordert meiner Meinung nach nicht unbedingt Alkohol, auch wenn es nur leichtes anschickern ist. Was die verschiedenen Rollen angeht - betrunkener dom ( noch vollkommen im Stande seine Handlungen korrekt einzuschätzen?) oder betrunkene sub ( noch in der Lage einzuschätzen, was zu weit geht und sich dementsprechend zur Wehr setzen zu können?) - beide sollten noch fähig sein die eigenen Grenzen wahrzunehmen und die des anderen zu respektieren.

Liebste Grüße!


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Danke für den Beitrag :)

EpisodE II schrieb am 30.04.2013


Dagegen - weil es Mist ist!

Dont Drink and Drive oder wie war das?

Jede Art von Aufputschmittel kann die Handlungsfähigkeit und Redaktionszeit reduzieren. Zum anderen kommt auch dazu, dass die Überschätzung steigt. Wenn man normalen Sex haben will, ist es ja nicht weiter schlimm im Rausch zu sein, doch wenn ich z.B. die Gerte schwinge, dann möchte ich schon Herr meiner gesamten Sinne sein. Der Drang es dann noch weiter, schneller, höher zu machen, ist doch viel schneller dann da.

Ich will vielleicht auch mal etwas von mir erzählen dazu. Ich hatte mal eine kurze Affäre, wir haben gern ziemlich viel Rotwein getrunken und dann natürlich darüber sind wir immer wieder im Bett gelandet. Wie es so sein sollte, hatten wir nicht nur einmal Sex an dem Tag und es ist doch so, je öfter man Sex hat, desto schwieriger ist es für den Mann noch einmal zu kommen. BDSM hatte für mich zu dem Zeitpunkt noch kein Gesicht, aber fest zupacken und dominierend in Ansätzen war ich gern schon früher. Doch was ist passiert? Während wir so schön im Gange waren, zog ich sie natürlich an den Haaren und der Sex war schon so recht hart. Im vollem schwange ziehe ich so fest, das auf einmal eine nicht unerhebliche Strähne in meiner Hand liegt. Na dann war das Glück perfekt! Sie lag da und hat geheult wie ein Schoßhündchen und ich realisierte es nicht so schnell, denn der Wein war in mir gut zu Geltung gekommen. Es hat erheblich lange gedauert, bis ich mir der Sachlage klar war und das ich sie wieder beruhigt hatte. Seitdem habe ich voll besoffen oder auch sehr angetrunken weniger Sex.

Und jetzt stelle dir das beim spielen vor? Nein danke! Drinken kann man und dann Finger weg von BDSM, Sex kann man haben aber dann bitte nur in einem Rahmen, der der Situation angemessen ist.

Lieben Gruß Epi :-)


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Sehe ich anders, es kommt auf die Selbstkontrolle und auch die Art des eigenen BDSM Spiels an. Ich für meinen Teil habe in 13 Jahren noch keine Partnerin verletzt und traue es mir zu einen Großteil meines BDSM auch noch nach 1-2 Gläsern Sekt (entspricht bei meiner Statur 0,15-0,35 Promille), zumindest wenn nicht auf nüchternen Magen, zu praktizieren. Es ist eben die Frage, welches Risiko geht man ein und welches nicht. Da ich in den letzten zehn Jahren eh nur 1-5 mal im Jahr überhaupt Alkohol getrunken habe und ich die Situationen an denen ich in der Zeit wirklich betrunken war (jenseits von 0,5 Promille) an einer Hand abzählen kann, sehe ich es sehr entspannt. Mein Alkoholkonsum kommt meiner Sexualität nicht in den Weg :)

Wäre ich jemand mit einer stark sadistischen Ader und würde diese Seite intensiv ausleben, würde ich aber auch die Finger vom Rohrstock lassen wenn ich angeschickert bin. Als jemand der Gewalt mit Bedacht einsetzt und keine gefährlichen Bondages macht traue ich mir ein wenig Alkohol bei einer Session zu. Wie du geschrieben hast, jeder Art von Rausch ist gefährlich, viele beschreiben ihr BDSM als einen Rausch der Sinne, dürfen diese Menschen dann auch nicht mehr spielen? Ich denke nicht, sonst hätten wir bald keine BDSMler mehr :)

R schrieb am 29.04.2013


Es kommt darauf an

Hallo Gentledom,

meine Meinung ist generell, eine Spielparty ist definitiv nicht der richtige Ort dafür um sich untern Tisch zu trinken. Das sind Stammtische besser geeignet. Ich denke aber, ein bis zwei Gläser Wein, Sekt oder Bier sind im Rahmen des Vertretbaren.

Auf der anderen Seite kann ich nachvollziehen, wenn subs sagen, dass sie nur spielen, wenn der Dom nichts getrunken hat.
Ein Bekannter von mir hat eine Narbe am Allerwertesten, weil seine Spielpartnerin auf beinahe nüchternen Magen (Sie wollte ihr neues Korsett ausführen) ein Bier getrunken und sich mit ihrer Kraft beim Schwingen ihres Rohrstocks verschätzt hatte.

Ich denke daher, nichts ist zu 100 Prozent sicher (insbesondere wenn Menschen involviert sind), so dass Spielen unter einen bestimmten Einfluss, sei es Alkohol, Medikamente oder was auch immer, eine Sache ist, die jeder für sich selber und von Fall zu Fall mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes entscheiden sollte.

Gruß

R.


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Hallo R,dass sich niemand unter den Tisch trinken soll versteht sich allgemein und insbesondere im Kontext BDSM. Interessant sind die Graustufen. Auf jeden Fall vielen Dank für deinen Beitrag.Liebe GrüßeGentledom

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