Frühlingsgefühle

Nun schreibe ich am 27.03.2013 einen Blogeintrag, den ich nicht veröffentlichen kann, weil ich euch ja noch am 01.04.2013, mit dem Blogeintrag "Mein zweites Outing" in den April schicken will. Naja, ich bin derzeit echt gespannt auf eure Reaktionen und schreibe einfach mal auf Vorrat.

Seitdem ich mein erstes Mal hatte, hatte ich noch nie eine so brave Zeit wie diese. Ich habe in den letzten Monaten so gut wie nicht gespielt und hatte entsprechend auch sehr wenig Sex. Dafür hatte ich in dieser Zeit recht viele Dates und irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde anständig. Ich muss es zugeben, früher bin ich mit etwa 80% der Frauen, mit denen ich mich getroffen habe, im Bett bzw. dem Spielzimmer gelandet. Natürlich lag das auch daran, dass durchaus einige Dates dies von beiden Seiten aus zum Ziel hatten. Inzwischen ist aus einem Verhältnis von 4/5 ein Verhältnis von 1/7 geworden. Warum ich das schreibe? Sicher nicht aus Egogründen, ich denke zu viel Freizügigkeit schreckt Frauen ganz sicher ab und 80% ist eine sehr hohe Zahl, aber ich stehe zu dem was ich tue und getan habe. Ich habe keine Frau belogen, um sie ins Bett zu bekommen und jede wusste, woran sie bei mir ist. Wenn ich es gewollt hätte, hätte ich wohl auch derzeit eine Quote von 60-80%, denn ich gebe es zu: ich jage noch immer gerne. Nur reizt mich der Jagderfolg einfach nicht mehr wirklich. Ich sehne mich nach einer Lebens- und eben nicht nur Sexpartnerin und das ist wohl der Grund, warum ich viele Chancen für reinen Spaß einfach nicht mehr nutze.

Mit Humor und einem gewissen Intellekt gesegnet, als Mittdreißiger, moralisch integer, finanziell unabhängig, ohne Ex-Frau und Kinder, mehreren akademischen Abschlüssen und (zumindest sehe ich das so) weitaus mehr Vorzügen als Nachteilen würde ich doch schon gerne mal das Gefühl genießen, angekommen zu sein. Noch höre ich meine biologische Uhr nicht so laut ticken, aber ich gehöre zu den Männern, die gerne eine Familie hätten. Außerdem will ich meine Kinder auch lange und aktiv in ihrem Leben begleiten dürfen. Also ein wenig schaue ich schon auf die Uhr :D.

So komme ich vom Höcksken aufs Stöcksken… es ist schon interessant, wie wenig Frauen inzwischen meine Neigung noch abschreckt. An dieser Stelle ein großes Danke Frau E. L. James! Eigentlich bekomme ich derzeit nur zwei Vorurteile immer wieder zu hören, „Du kannst sicher nicht treu sein“ und „Das ganze ist aber schon sehr extrem.“. Zum Glück kann ich mit diesen Vorurteilen sehr gut umgehen und BDSM ist in den meisten Fällen so oder so eher ein Randthema.

Vor fast einem Jahr habe ich in einem Blogbeitrag über das geschrieben, welche Eigenschaften des Partners mir in einer Beziehung (Der Punkt Liebe wird nicht auf der Position 1 auftauchen, da dies für mich keine Eigenschaft ist) wichtig sind und eine 15 Punkte umfassende Liste aufgestellt, die ich heute etwas modifizieren würde:

1. Loyalität und Ehrlichkeit
2. Positives Denken/Lebenseinstellung (NEU)
3. Ähnliche Wertvorstellungen (-1)
4. Warmherzigkeit und Einfühlungsvermögen (-1)
5. Familiensinn (-1)
6. Guter Sex (-1)
7. Selbstvertrauen und Selbstständigkeit (-1)
8. Konfliktfähigkeit (-1)
9. Attraktivität (-1)
10. Konversationsfähigkeit (0)
11. Passt zu meinem sozialen Umfeld, also Freunde und Familie (NEU dabei, dafür fällt „Passendes Elternhaus“ heraus)
12. Gemeinsame Hobbies/Interessen (0)
13. Humor (-4)
14. Gute Ausbildung (-2)
15. Devote Neigung (sexuell) und Offenheit in diesen Belangen (-2)
16. Allgemeinbildung (-5)
 
Was hat sich geändert? Nun, es sieht vielleicht nach großen Veränderungen aus, aber eigentlich ist es das nicht wirklich. Klar, ein neuer Punkt und dann noch auf der Nr. 2 ist ungewöhnlich, aber ich hatte dies damals einfach nicht auf dem Schirm. In der letzten Zeit habe ich aber immer wieder mit Menschen Kontakt gehabt, die sehr positiv aber auch sehr negativ denken und merke einfach, dass ich mit Personen die vorwiegend negativ denken keine Beziehung führen will. Auch habe ich mir dieses Mal länger Gedanken über die Wertigkeit gemacht und jeden einzelnen Punkt mit dem davor und dahinter abgecheckt. Ich bin zum Beispiel jemand, der sehr gerne und viel lacht. Wenn ich aber ernsthaft vor der Wahl stünde, passender Humor oder Konversationsfähigkeit, dann würde ich mich für letztere entscheiden. Ich rede viel und gerne und auf Dauer ist mir eine gute Unterhaltung einfach wichtiger als Situationskomiken. Ähnlich war es auch mit der Allgemeinbildung, ich schätze eine gute Allgemeinbildung sehr aber ist mir diese wirklich wichtiger als gemeinsame Hobbies oder die Kompatibilität mit dem eigenen sozialen Umfeld? Nachdem ich es hinterfragt habe, kam ich zu einem klaren Nein.

Wobei es eigentlich fast egal ist, ob eine Sache bei mir auf 1 oder 10 steht, denn die ersten zehn Punkte müssen eh alle gegeben sein, erst ab der Nummer 11 bin ich dazu bereit, auf einen oder vielleicht auch mehrere Punkte zu verzichten. Genauso wie das eben die Wertigkeiten bei einer dauerhaften Beziehung sind, ob es dazu kommt, das entscheiden aber doch ganz andere Faktoren.

Ich verliebe mich ohne eine Checkliste durchzugehen. Für das Verlieben kommt es bei mir z.B. viel mehr darauf an, ob ich sie für vertrauenswürdig halte, wir auf einer ähnlichen Wellenlänge sind, ihre Art meinen Intellekt wie auch meine Libido ansprecht und eben ihr Humor zu meinem passt. So können Dinge wie z.B. der Humor, der in einer Beziehung für mich nicht zu den Musthave`s zählt, beim Kennenlernen sehr wichtig sein.

Also dann ich bin gespannt auf den Frühling ;)


Kommentare:


Lucia licht schrieb am 09.10.2017


Ich antworte hier mal auf etwas ,was so schon Jahre zurückliegt nachdem gelesenen . Ich möchte sagen ,daß ich 7 kinder habe und immer verstanden habe ,daß an den Fußsohlen und im Gehirn eines jeden die beide Seiten von Spiritualität ,Lebenseinstellung und Sexualität ganz dicht beieinanderliegen . Mir ist deshalb der Weg den Sie gehen ein bewußter Weg in allen Lebenslagen , niemals ohne Respekkt , immer Achtsam ( für mich alles was ich bisher von BDSM verstanden habe auch ein Weg von Achtsamkeit ) ,der ist sowohl in Famieliendasein vorhanden , in Spiritualität und in jeder Art von Sexualität vorhanden , die Spielregeln , die Art des Seins , die bedingungslose Liebe , BDMS als Verstehehensform von bedingungsloser Liebe ,weil jeder das Leben anders versteht ? Meine absolute Achtsamkeit davor ,trotzdem zu dem gleichen Ergebniss zu kommen wie ich , eben nur durch den Weg unterscheidend . Die Regeln für eine Suche nach jemandem der zu einem paßt unterscheiden sich da wenig von meinen , wer ein König ist erntet eine Königin , wer eine Königin ist erntet einen König .Nicht ganz nur ein BDMS - Ausdruck , aber mein Wunsch an Sie .


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just me 1980 schrieb am 19.07.2014


Verstand vs Gefühl

Hi
Ich kann einfach nicht anders, als auch hier meinen Senf dazu zu geben. :D
Es ist bewundernswert wie klare Vorstellungen du hast.
Aus rein psychologischer Sicht (möchte nicht klugscheissen....obwohl, ...;) ) klingt es sehr sachlich und im ersten Moment könnte man glauben, du bist sehr festgefahren. Was jede Suche natürlich deutlich erschwert.
Andererseits, und das finde ich persönlich wichtiger, ist es schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die wirklich noch an diese "große Liebe" glauben. Mit allem was dazu gehört... In diesem Sinne, wünsch ich dir ein tolles Wochenende:) LG


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Danke :)

ChatNoir schrieb am 06.04.2013


Kopf oder Bauch?

Ich finde diese 15 Punkte wirklich gut und auch sehr schlüssig, ebenso die verschiedenen Wertigkeiten.
Aber wie Du ja schon selbst gesagt hast, verliebt man sich (leider oder zum Glück?) nicht nach einer Checkliste. Mir stellt sich jetzt die Frage, ob es wirklich möglich ist so gradlinig diese Punkte abzuhaken, wenn man sich verliebt hat und der Kopf doch irgendwo in den Wolken hängt. Und wenn das Herz höher schlägt, kann man - könntest Du - dann wirklich noch so rational sein und alles auf ein nettes kleines Intermezzo beschränken, weil einer der Punkte nicht gegeben ist?

Beste Grüße
Chat Noir


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Chat Noir,

ich denke ein Totalverzicht wäre mir bei den Punkten nicht möglich, Kompromisse ganz sicher schon. Wenn etwas ganz sicher nicht vorhanden wäre, ich nehme einfach mal als Beispiel den Familiensinn, würde ich einfach keine Zukunft sehen, da ich derzeit eine solche später einmal haben will. Es würde aber auch kein Intermezzo werden, wenn ich keine Perspektive sehe beschränke ich es direkt auf eine Affäre, sofern das beide so wollen, oder lasse die Finger davon. Liebe ist aber nicht rational und so kann ich hier bei allen Überlegungen nur von einer Theorie sprechen, ich habe wegen der Liebe schon einmal gegen ein Grundprinzip verstoßen und wurde vom Schicksal eines besseren belehrt, ob ich aus dieser Lehre klüger geworden bin, ich weiß es nicht.

Liebe Grüße

Gentledom

Fleur schrieb am 06.04.2013


Vergänglichkeit..

Zuerst möchte ich dir meinen tiefsten Respekt zu dieser erhrlichen Selbstdarstellung aussprechen!
Es ist bewundernswert wie offen du über dich selbst schreibst.
Nicht viele hätten den Mut hierzu!
Auch einzugestehen bzw. zu erkennen, dass die eigenen Anforderungen an eine Partnerin sich ändern können (ich hätte den Punkt der Allgemeinbildung nicht in solchem Maße herabgesetzt ;)), zeugt durchaus von Größe.

Ich wünsche dir unendlich viel Glück bei der Suche oder dem Gefunden werden!
Du wirst sicherlich deinen "Hafen" finden!

Als Abschluss und mit den herzlichten Grüßen noch ein kurzes Zitat aus "Der kleine Prinz":
Wenn du mich kennen lernen willst, musst du mich zähmen.


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Tja es ist eben die Frage, was passiert wenn man Eigenschaften wirklich gegeneinander aufwiegt. Mir selbst ist eine gute Allgemeinbildung sehr wichtig, aber ich glaube für eine Partnerschaft ist diese weitaus unwichtiger als ich im ersten Moment und ohne Reflexion gedacht habe.

felidae schrieb am 05.04.2013


Sehnsucht nach dem Frühling

Der erste Mann, der bewusst zugibt seine biologische Uhr ticken zu hören.

Chapeau!

Liebe Grüße von
felidae


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Hallo Kätzchen ;)

nun ich kann sehr vieles zugeben und auch dieses, dafür bin ich reflektiert genug und eben ein Familienmensch.

Liebe Grüße

Gentledom

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