Was würdest du tun wenn…?

Nach dem kürzesten Beitrag wird nun wohl der längste Blogeintrag folgen ;).

Wie schon vor etwa zwei Jahren, habe ich eine kleine Umfrage gestartet, um zu sehen wie die BDSMler wirklich ticken und was es da mit diesem schönen Lippenbekenntnis SSC auf sich hat. Ich weiß, ich werde mir mit diesem Statement keine Freunde machen, aber es ist mir eine Herzensangelegenheit und es war eh nie mein Anliegen, einen Beliebtheitswettbewerb für BDSMler zu gewinnen. Dieser Artikel soll uns BDSMlern einen Spiegel vorhalten, dass hierauf nicht wenige (stink) sauer reagieren werden, ist mir durchaus bewusst.


Ach ja, viele von uns fordern ja, dass uns die Gesellschaft mehr Toleranz entgegenbringen soll, soweit ich weiß, ist Toleranz keine Einbahnstraße und es gab genau eine Szene, die diese zum
Thema hatte:

1. Anders sein
Du hast dieses Pärchen schon mal auf einem BDSM Stammtisch kennen gelernt und weißt, sie leben eine sehr intensive BDSM Beziehung. Du bist dir sicher, sie spielen immer SSC, also so, dass nur gemacht wird, was von beiden auch gewollt wird. Diesmal sitzen sie einige Tische entfernt in einem normalen und gut besuchten Café und scheinen, wie alle anderen Gäste hier, den schönen sonnigen Nachmittag zu genießen. Einige Minuten später siehst du, wie er sich erbost vor ihr aufbaut, sie bestimmt zwei Minuten streng mit den Augen fixiert und ihr dann eine heftige Ohrfeige verpasst. Danach hält er ihr seine Hand hin und sie küsst diese. Falls du bis dahin noch nicht eingeschritten bist: Einige Minuten später siehst du, wie er sich wieder vor ihr aufbaut und du bist dir sicher, die Szene wird sich wiederholen.

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 12.38% (13 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 12.38% (13 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 6.67% (7 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 16.19% (17 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 31.43% (33 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 20.95% (22 Stimmen)

Warum dieses Beispiel? Vor einigen Jahren saß ich an einem Nachmittag in einem Café und bekam mit, wie ein Mann eine Frau kräftig ohrfeigte. Es waren etwa 15 Personen im gesamten Café anwesend. Ich stand auf, ging zum Tisch, sah an der Hand des Mannes und der Frau den Ring der O, überlegte ganz kurz und gab dem Mann eine kräftige Ohrfeige. Danach sagte ich in etwa: „Ich weiß ihr beide lebt in einer Beziehung, in der das OK ist, da vorne sitzen aber zwei Kinder und die werden nicht verstehen, dass das bei euch einvernehmlich geschieht, sie sehen nur. wie ein Mann einer Frau Gewalt zufügt und keiner etwas unternimmt.” Der Mann war sichtlich perplex, seine Freundin hingegen wurde zur Furie. Sie fing an zu schimpfen und mich zu beleidigen, was gerade mir, der erkennt, dass sie BDSMler seien denn einfallen würde, ihren Freund zu schlagen.

Selbstjustiz ist immer gefährlich und so gut wie nie angebracht. Damals in diesem speziellen Fall empfand ich sie als angebracht, alternativ hätte ich die beiden anzeigen können und ja, ich sollte beim nächsten Mal (also wenn es nicht um die Prävention, also Verhinderung eines Angriffs geht) lieber mal die Ordnungsbehörden das machen lassen und die beiden nur deutlich zurechtweisen. Es war eine impulsive Handlung, moralisch finde ich sie zu rechtfertigen, aber ideal war sie nicht. Nichts zu tun, empfinde ich aber als noch schlechtere Alternative und es gutheißen, sorry ich kann das nicht verstehen. Im Forum gab es einen Thread zu sexuellem Missbrauch, jeder dort musste schreiben, wenn ich das mitbekomme, ich werde einschreiten. Es zuzulassen, dass Gewalt gegen Frauen öffentlich nicht sanktioniert wird, bedeutet ein Gesellschaftsklima nicht zu bekämpfen, welches Missbrauch fördert. Wer mir erklären will, warum das Verhalten beider in Ordnung ist (29%) soll dies versuchen, ich bin ganz Ohr...

Das Szenario war eindeutig, es handelte sich um ein 1. gut besuchtes 2. normales Café 3. am Nachmittag (dann sind da sicher auch Kinder) 4. und die Ohrfeige wird angekündigt und kann noch verhindert werden. Sorry, aber wer da nicht einschreitet (und sei es nur dadurch, die Kellner auf die Situation aufmerksam zu machen, damit sie es sehen müssen) der ist selber schuld, wenn BDSMler in der Gesellschaft komisch angeschaut werden. Noch schlimmer sind natürlich jene, die das Verhalten gut finden. Denkt ihr auch mal etwas weiter, als bis zu eurem Tellerrand? Wie kann man Toleranz erwarten, wenn man selber so intolerant ist? Ein BDSMler mag die Szene korrekt interpretieren, für jeden anderen ist das schlicht Gewalt gegen eine Person. Die eigene Freiheit hört da auf, wo sie die Freiheit der anderen verletzt und dieses Verhalten verletzt diverse Freiheiten.

Warum ich so ein Problem habe mit einem Dom, der (im normalen Raum) öffentlich mit seiner Sub spielt? Ganz einfach, ich weiß es ist keine Gewalt, die anderen wissen das aber nicht. Vielleicht bin ich nicht tolerant genug, aber wenn ich, vielleicht noch mit meinem kleinen Cousin, in einem Cafe sitze, will ich weder BDSMler beim Spielen, Swinger beim Vögeln, Muslime beim Beten, Nazis bei der Vorbereitung für den großen vaterländischen Krieg, Halbstarke mit einem voll aufgedrehtem Ghettoblaster, penetrante Drückerkolonnen beim Verkauf, usw. sehen/hören.


2. Alkohol
Du lernst ein nettes Paar auf einer BDSM Party kennen, er ist Sub und sie ist eine sadistische Domina. Als ihr euch über das Thema Steuern unterhaltet erfährst du, dass ihr Safeword Steuererklärung ist. Der Abend ist lustig und feuchtfröhlich, er trinkt deutlich zu viel und ist richtig betrunken, überschwänglich reizt er seine Partnerin immer, wieder bis ihr der Geduldsfaden reißt. Sie ist nicht betrunken, aber bereits gut angeheitert. Sie schnappt sich ihn, macht ihn direkt an der Theke fest und es folgt eine Prügelorgie. Er jammert, weint und fleht um Gnade, das Wort Steuererklärung fällt aber nicht, wobei du dir nicht sicher bist, ob er in seinem Zustand überhaupt daran denken kann, so betrunken wie er ist.
 

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 5.77% (6 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 7.69% (8 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 16.35% (17 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 4.81% (5 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 28.85% (30 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 36.54% (38 Stimmen)

In meinen Augen die Situation, die am schwersten zu beurteilen ist. Nirgends steht, dass sie unkontrolliert schlägt, die Schläge also an sich bereits eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Da man weiß, sie ist sehr sadistisch, sind solche Prügelorgien wohl durchaus nicht vollkommen untypisch, er wird wissen, auf was für eine Partnerin er sich da eingelassen hat. Ich kann nicht zu 100% sagen wie ich konkret reagieren würde, da es hier auf Feinheiten ankäme, was ich aber weiß, ich würde etwas tun, denn ich bin mir nicht sicher, ob er in einem bespielbaren Zustand ist. Vielleicht würde ich Gäste oder den Veranstalter fragen, ob das OK ist in der Hoffnung, sie kennen das Paar besser und könnten die Szene somit besser einschätzen. Vielleicht würde ich sie auch direkt ansprechen und ihr meine Einschätzung bzw. Unsicherheit mitteilen. Ich selbst spiele nur SSC, akzeptiere bei anderen aber die Spielart RACK*, daher passen alle drei Antworten nicht und hier würde ich eine vierte favorisieren: „Ich weiß nicht, ob das Verhalten noch akzeptabel ist, würde aber wegen meiner Unsicherheit aktiv einschreiten.” Ich bin eben kein Profi was die Konzeptionierung von Fragen anbelangt.

*RACK ist eine Abkürzung für "Risk-Aware Consensual Kink" oder auch "Risk-Accepted Consensual Kink". Dies bedeutet, dass einvernehmlich auch Handlungen vorgenommen werden können, die eben nicht vernünftig und sicher sind. Wenn beide das Risiko kennen, sollen sie sich auch dafür entscheiden können, das Risiko gemeinsam einzugehen. Später dazu mehr.


3. Versteigerung
Du bist auf einer BDSM Party, auf der Sklaven und Sklavinnen versteigert werden. Am Eingang bekommst du mit, dass alle Gäste die jünger sind, ihre Ausweise vorzeigen müssen. Das Highlight des Abends ist die Versteigerung einer 18 jährigen Jungfrau, sie wird seit einigen Monaten von einer lesbischen Domina ausgebildet und soll heute versteigert werden. Erlaubt ist mit ihr alles außer KV, Geschlechtsverkehr ohne Kondom und bleibende Spuren, das Safeword ist Mayday. Wird das Safeword gesagt, ohne dass die Tabus gebrochen wurden, erhalten die Erwerber ihr Geld zurück. Eine Gruppe von fünf Männern, im Alter von Anfang vierzig bis Ende sechzig, ersteigert die junge Frau. Sie ist sichtlich geschockt, scheint sich aber nach einem Wink ihrer Herrin in ihr Schicksal zu fügen.
 

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 12.5% (13 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 10.58% (11 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 6.73% (7 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 18.27% (19 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 31.73% (33 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 20.19% (21 Stimmen)

Ich finde es alles andere als gut, was mit der jungen Frau geschehen wird, aber es ist ihre Entscheidung. Ich habe keine Anhaltspunkte, dass unlauterer Druck auf sie ausgeübt wird. Sie ist volljährig, es gibt festgelegte Tabus und ein Safeword, ich habe keinen Anhaltspunkt, dass dies nicht SSC, also sicher und einvernehmlich ist. Würde sie mich fragen was ich davon halte, würde ich ihr deutlich davon abraten, denn sehr wahrscheinlich ist es der falsche Weg für sie, es ist aber der Weg, den sie selbst gewählt hat. Die einzige Möglichkeit, ihr zu helfen wäre es, sie selbst zu ersteigern, ich denke das wäre das, was ich mir überlegen würde. Vorliegend ist sie aber bereits ersteigert worden, also ist dieser Ausweg versperrt. Für mich bedeutet Toleranz auch, Entscheidungen anderer zu akzeptieren.


4. Gesundheit I
Auf einer Party gibt es eine Bondageperformance, gefesselt wird eine Frau, die ein enges Korsett trägt. Sie wird aufgehangen und der Schwerpunkt ihres Gewichts lastet auf ihrem Brustkorb. Du hast bei einem Bondageworkshop gelernt, dass diese Position wegen der Belastung von Brustkorb (Brustkorbatmung) gefährlich ist und siehst, dass durch das Korsett auch die Bauchatmung stark eingeschränkt ist. Drum herum stehen viele Leute und es werden Fotos gemacht, der Bondagekünstler scheint genau zu wissen, was er macht.
 

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 8.08% (8 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 9.09% (9 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 14.14% (14 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 22.22% (22 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 20.2% (20 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 26.26% (26 Stimmen)

Wenn ich gelernt habe, dass die Technik XY gefährlich ist und sie durch einen weiteren Umstand noch gefährlicher wird, dann sollte ich einschreiten, selbst wenn alle anderen meinen alles sei korrekt. Im schlimmsten Fall oute ich mich als jemand, der von Bondage keine Ahnung und vielleicht beim Workshop etwas falsch verstanden hat, im besten Fall verhindere ich einen Unfall. Wenn ich demnach beide Optionen abwäge, ist das Risiko des Nichttuns einfach zu groß. Ich würde sicher nicht auf die Bühne stürmen und die Frau befreien, aber ich würde den Künstler und auch den Veranstalter direkt auf dieses Problem ansprechen, eben auch mit dem Hinweis, wo die Risiken in meinen Augen liegen.


5. Gesundheit II
Du lernst ein Paar kennen, er ist ihr Herr und ein Sadist und beide mögen die härtere Gangart. Sie fängt an, ihren Dom immer wieder zu provozieren, dieser will aber eigentlich nur einen netten Abend mit einem guten Gespräch haben. Nach vielen Provokationen ist es ihm doch zu viel, er schnappt sie sich, macht sie an einem Balken fest und fängt an, sie extrem stark auszupeitschen. Sie jammert und stöhnt, irgendwann schluchzt sie nur noch leise und sackt völlig in sich zusammen.
 

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 13% (13 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 8% (8 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 9% (9 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 26% (26 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 28% (28 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 16% (16 Stimmen)

Sadisten, die die härtere Gangart mögen, wer das noch nie erlebt hat, wird nun vielleicht sagen: „Da muss man einschreiten, völlig in sich zusammensacken ist ein Hinweis auf einen Schock”. In der Regel ist das aber nur Zeichen der Erschöpfung, die in einer solchen Konstellation durchaus gewollt sein wird. Ohne andere Anhaltspunkte würde ich mich hier ganz sicher nicht einmischen.

Ich finde es interessant, wie wenige Personen dieses Verhalten als allgemein noch akzeptabel einstufen. Die einen mögen nicht verstehen, dass dies durchaus für andere normal und gewollt sein kann, die anderen scheinen nicht tolerant zu sein. Ich empfinde selbst nicht wenige BDSM Praktiken als abstoßend, aber meine persönliche Abneigung bedeutet nicht, dass ich solche Neigungen nicht akzeptiere, es wäre einfach nur nicht meins.


6. Metakonsens I
Dom und Sub leben in einer „24/7-TPE”-Beziehung. Sub hat Dom öffentlich unter Gleichgesinnten widersprochen. Dieser knebelt und fesselt sie und jeder in der Runde darf mit ihr ungeschützten Sex haben oder sie nach Belieben abstrafen. Die Sklavin selbst hat ihrem Dom mittels Sklavenvertrag alle Rechte übertragen und sieht für sich in den vollzogenen Handlungen keinen Tabubruch.
 

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 6.8% (7 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 9.71% (10 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 13.59% (14 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 9.71% (10 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 44.66% (46 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 15.53% (16 Stimmen)

Ich würde mit dem Kopf schütteln und die Leute machen lassen, sie sind erwachsen und die einen wollen es so, für die anderen ist es kein Tabubruch. Ungeschützter Verkehr mit einer nicht getesteten Gruppe ist mehr als nur dämlich aber jeder darf mit seinem Körper machen, was er oder sie will. Natürlich liegt hier ein Verstoß gegen den „Grundsatz” SSC vor, denn safe ist das sicher nicht, das Verhalten der Beteiligten entspricht dem Status RACK, welcher sich in der Szene in den letzten Jahren einer wachsenden Beliebtheit erfreut. Ich zähle mich zwar selbst zu den SSClern aber bin tolerant genug, BDSMler die nach dem Prinzip RACK spielen nicht zu stören. Dass es eben vom Willen aller Beteiligten gedeckt ist, kommt darin klar zum Ausdruck, dass sie es nicht als Tabubruch ansieht, sie sich nicht wehrt und sie kein allgemeingültiges Party-Safeword wie Mayday sagt.

Hier die Standardargumente von RACK-Spielern, warum sie nicht SSC spielen und welche ich, unter dem Aspekt der Eigenverantwortung, durchaus gut nachvollziehen kann:

Safe: Warum sollte etwas verwerflich sein, das einem objektiven Anspruch an Sicherheit zwar nicht genügt, wenn sich die Beteiligten jedoch einig sind, es trotzdem praktizieren zu wollen?

Sane: Warum sollte etwas verwerflich sein, das einem Anspruch an logische Vernunft zwar nicht genügt, wenn sich die Beteiligten dennoch einig sind, es trotzdem praktizieren zu wollen?

Safe/Sane: Wenn von generalisierten Ansprüchen an Sicherheit und Vernunft ausgegangen werden soll, wer definiert und begründet diese, da doch die Beurteilung solcher Kriterien in erheblichem Ausmaß subjektiv ist?

Consensual: Rack`s sprechen sich sehr deutlich für die Einvernehmlichkeit aus.

 

7. Metakonsens II
Sub erlaubt ihrem Dom, dass dieser auf der Party alles mit ihr machen kann was er will, sie verzichtet bewusst auf die Möglichkeit eines Ausstiegs mittels Safeword und erlaubt ihrem Dom bewusst, dass er ihre Tabus für diesen Zeitraum brechen darf. Vor der Party hast du dich mit ihr intensiv virtuell unterhalten und weißt, dass sie als Kind häufig mittels Analverkehr vergewaltigt wurde und es bis heute ein Tabu für sie ist. Ihr Dom weiß um die Hintergründe und dennoch hat er harten Analsex mit ihr, sie weint und fleht um Gnade, er reagiert aber nicht. Nach einiger Zeit ist sie nur noch apathisch.

Dom: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 6.8% (7 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 2.91% (3 Stimmen)
Dom: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 20.39% (21 Stimmen)
Sub: Ich finde es gut/akzeptabel wie es läuft 4.85% (5 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel, würde aber auch nicht einschreiten 16.5% (17 Stimmen)
Sub: Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten 48.54% (50 Stimmen)

Ich wäre vorliegend also gerade Zuschauer eines Metakonsens – Spiels, welches schief läuft. Ab wann das Spiel kippt ist schwer zu sagen, weinen und flehen muss noch nicht bedeuten, dass vorliegend die Einwilligung entzogen wurde. Der apathische Zustand ist aber ein recht sicheres Indiz für einen Schock und allerspätestens an dieser Stelle muss eingeschritten werden. Ich denke, ich würde früher einschreiten, dann aber auch nicht so energisch, sondern eher vermittelnd, bei einem apathischen Opfer (sehr wahrscheinlich hat sich der Dom vorliegend einer Vergewaltigung strafbar gemacht) würde ich die beiden trennen und versuchen, die Sub irgendwie aufzufangen. Sollte ich nach dem Abend wieder Kontakt zu ihr haben, würde ich ihr raten sich zu trennen, zu einer Strafanzeige würde ich ihr weder raten noch ihr diese ausreden. Nun kann sicher der Einwand kommen, aber in dem Szenario davor hast du dich doch deutlich für die Akzeptanz von Rackspielern positioniert. Das stimmt, RACK endet für mich jedoch da, wo das Strafgesetzbuch beginnt. Ich habe im Artikel zum Metakonsens erörtert, dass ein intensives metakonsensuales Spiel nach dem deutschen Recht in aller Regel strafbar ist. Vorliegend spricht das gesamte Szenario für eine strafbare Vergewaltigung und ich bin mir zudem sehr sicher, dass Sub keine bleibenden psychischen Schäden bei diesem Spiel haben wollte, beides sind Gründe, hier einzuschreiten, dies sehen auch 69% der Befragten so.


Einschätzung der Aussagefähigkeit
Der Datensatz ist nur begrenzt aussagefähig. Zum einen ist es wissenschaftlich noch keine repräsentative Umfrage, dafür werden mindestens 1.000 Befragte benötigt und zum anderen ist es eine Befragung eines speziellen BDSM Publikums. Hier auf der Seite sind ungewöhnlich viele Anfänger aktiv und es handelt sich um eine eher gemäßigte Seite, was die Ansichten anbelangt, dies zieht auch eher ein gemäßigtes Publikum an. Aus der Erfahrung heraus, wie sich Ergebnisse entwickeln, wenn die Umfragen auf anderen Plattformen verlinkt/erwähnt werden, gehe ich davon aus, dass das Ergebnis andernorts durchaus noch, zumindest wenn man sich meiner Bewertung anschließt, negativer ausfallen würde.

 

Bereitschaft Einzuschreiten
Zuerst einmal die gute Nachricht: Wir BDSMler sind total normal und gesellschaftskonform, auch bei uns gibt es Menschen die einschreiten würden und ebenso viele die nicht einschreiten. Auf Grundlage des Datensatzes von 718 Teilnehmern gibt es folgende Verteilung: Bei einem Verhalten was 547 Personen als allgemein nicht mehr als akzeptabel eingestuft haben wurde 278 mal eingeschritten, aber 269 mal fand keine, wie auch immer geartete, Einmischung statt. Rausreden kann sich niemand, denn ausdrücklich wurde erwähnt, dass man sich an die Veranstalter wenden konnte, niemand wäre gezwungen gewesen, direkt einzuschreiten und auch die Formulierung nicht akzeptabel war klar definiert („Nicht akzeptabel soll bedeuten, dass du es nicht nur für dich als nicht akzeptabel erachtest, sondern auch ganz allgemein.”). Persönliche Beziehungen, Schadensintensität und das persönliche Risiko dürften primär darüber entscheiden, ob und wie sich eingemischt wird. Wir BDSMler sind damit ein ganz normaler Teil der Gesellschaft.

 

Persönlichen Einsichten
Persönlich würde ich höchstens die Szene 5 selbst als aktiver Part erleben wollen und auch nur, wenn meine Partnerin extrem masochistisch ist und dieses Spiel braucht/genießt. Alle anderen Verhaltensweisen schließe ich für meine Art von BDSM kategorisch aus. Bei der Frage 2 und 5 hätte ich das Szenario noch besser ausgestalten müssen. Fehler in der Bewertung nehme ich hier gerne auf meine Kappe. Jede Szene, die ich als nicht nur für mich, sondern allgemein nicht akzeptabel gewertet habe, führte auch zu einem Eingreifen bei mir. Konkret waren es die Szenen 1, 2, 4 und 7. Was mir - nicht nur in dieser Umfrage - aufgefallen ist, Doms haben extremere Ansichten, sie sehen weniger Grenzen als Subs, die es zu schützen gilt. Bei der Szene 4 ist es relativ ausgeglichen. Bei den Szenarien 1, 2 und 7 liegt der prozentuale Anteil der Gutheißer oder jener, die es akzeptieren, doppelt so hoch wie bei den Subs. Wenn der dominante Part wenig Gespür für Grenzen hat, ist dies weitaus gefährlicher, als wenn diese beim devoten Part fehlen würden. Nicht wenige Abstürze und Unfälle beim BDSM mögen auf diesen Umstand zurückzuführen sein.

Die Szene zu kritisieren, ist für einen BDSMler immer heikel, wobei ich sehr viele erfahrene BDSMler kenne, die vieles sehr kritisch sehen, sich aber lieber im kleinen Kreis äußern. Wer neu in die Szene kommt, sieht oft erst mal nur eines: Endlich Menschen wie ich und fühlt sich verstanden. Ein Ort wo man sich selbst sein kann und verstanden wird, den muss man (doch) verteidigen! Auch Leute, für die BDSM eine Art Lebensinhalt ist, verteidigen die Szene und das zum Teil wider besseren Wissens. Warum? Nun auch sie fühlen sich als Teil dieser Subkultur und nach außen wird eine Familie eben immer verteidigt. Durch meine Webseite, die seit längerem die meistfrequentierte Aufklärungsseite und inzwischen wohl auch eine der Top10 BDSM Seiten (Das Projekt hat 2.000-2.500 Besucher pro Tag, Tendenz steigend) ist, bin ich, ohne es zu wollen, Teil der Szene geworden. Im Gegensatz zu anderen Webseitenbetreibern verdiene ich mit meiner Tätigkeit aber kein Geld, ich muss also keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Mitgliedern oder Käufern nehmen. Die Aufweichung von SSC, besonders unter dem Aspekt von RACK, halte ich für verständlich aber dennoch gefährlich, denn in meinen Augen sind nicht so viele BDSMler dazu fähig, verantwortungsbewusst im Sinne von RACK zu spielen. Sorry, das ist eben mein persönlicher Erfahrungswert.


Kommentare:


Hexxe schrieb am 17.10.2015


Nachtrag:
Entschuldige, die Alkoholszene habe ich irgendwie ganz aus den Augen verloren.

In der Szene, wenn es darum geht, dass Leute unter recht starkem Alkoholeinfluss mit Schmerzen spielen, würde ich hingegen auch sofort eingreifen. Das liegt einfach an meiner persönlichen Empfindung, dass das schmerzverhalten als auch die eigenen Grenzen sich bei so etwas stark verlagern. Nicht umsonst gibt es in diesem Zustand auch öfter Prügeleien oder irgendwelchen Betrug. Es ist natürlich nicht meine Aufgabe die Leute komplett vor sich selbst zu beschützen. Ich bleibe ja auch nicht bei jedem Betrunkenen auf der Straße bis er wieder nüchtern ist. Jedoch finde ich, dass in diesem Fall das Risiko für schlimme nicht als solche wahrgenommen und dadurch unbehandelte Verletzungen zu groß ist. Daher würde ich dazwischen gehen und ihn, wenn er weiter quengelt, ihr vorschlagen ihn resolut irgendwo zum schlafen zu schicken :D. Gibt ja zum Glück auch dann noch ungefährlichere Strafen.

liebe Grüße
Hexxe


Antwort auf diesen Kommentar

Hexxe schrieb am 16.10.2015


Huhu Gentledom,

erstmal danke für die interessante Umfrage. Es war für mich teilweise erschreckend zu sehen, wie viele Leute viele Geschehnisse akzeptieren würden.
Im Grunde sehe ich die Fälle genauso wie du. Die Dinge, die gefährlich und klar nicht mehr als gesund zu erkennen sind, würde ich aktiv unterbinden. Ungeschützen Sex, die Versteigerung wohl mit befremdetem Gefühl verfolgen und mich fragen, wieso diese Menschen sich hierfür entschieden haben.
Wie bereits oben in einem Kommentar erwähnt, habe auch ich möglich anwesende Kinder in dem Café nicht bedacht. Zusammen mit der für mich in dem Fall sehr bedeutenden Geste des Anschließenden Handkusses/ für mich persönlich ein Äquivalent zu miteinander kuscheln/sich anstrahlen/ sich küssen, habe ich die Situation soweit als akzeptabel bewertet, da für mich klar zu erkennen war, dass die beiden sich lieben. Bei Wiederholung der Szenerie würde ich jedoch eindeutig mal rüber gehen und fragen, ob sie nicht Angst hätten, ein falsches Bild im Café zu erzeugen und ob es wirklich nötig sei, die umliegende Bevölkerung so zu beunruhigen.
Leider lassen ja Umfragen meist nicht so konkrete Antworten und Fragestellungen zu, wie wir das gerne hätten.

Alles Liebe
Hexxe


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Hexxe,

 

das stimmt Umfragen können immer nur ein Spektrum abdecken wenn es um Verhalten und nicht ein schlichtes Zahlenwerk geht.

 

Liebe Grüße

 

Gentledom

Institoris schrieb am 10.12.2014


Für uns Tops ein ernüchterndes Ergebnis:

Es sind vor Allem Subs, die eingreifen würden.

Verantwortung und Zivilcourage sind offenbar anders verteilt, als es unserer Selbstinszenierung entspricht.


Antwort auf diesen Kommentar

Schön, dass auch dieser alte Beitrag noch gelesen wird.

Mel schrieb am 16.02.2014


Interessante Umfrage

Guten Tag,

eine wirklich interessante Umfrage, und auch selbst hab mir schon oft die Frage gestellt, wie tolerant die Szene wirklich ist (ich selbst geh lieber meinen eigenen Weg, d.h. in der Szene nicht allzu viel Erfahrung).
Ich finde Deine Umfragen im Allgemeinen sehr spannend, man merkt, du hast studiert :D, gut formuliert.
Aber nun zu dieser speziellen Umfrage, und zu meinen (wen interessierts, lol) Ergebnissen (auch wenn mir die teilweise schon wieder etwas entfallen sind oO):

Bei Szenario 1 habe ich glaub ich für "Nicht mehr akzeptabel, würde aber nicht einschreiten" gestimmt.
Warum?
Weil ich in Beziehungen anderer nicht gerne dreinrede. Ich selbst bin eigentlich sehr für Zivilcourage und gegen (uneinvernehmlicher) Gewalt aller Art. Aber ich kenne ja dieses Paar und würde wohl davon ausgehen, dass es für sie in Ordnung wäre. Vermutlich würde ich ihre Reaktion noch weiter beobachten; sollte ich ihren "Unwillen" bemerken, würd ich einschreiten.
Dass Kinder anwesend sein könnten habe ich ehrlich gesagt gar nicht bedacht - das wäre als Zusatzinfo ganz nett gewesen - denn ich war gar ncht so auf die Café-Situation, sondern mehr auf ihre psychische Reaktion versteift. Zumal ich mir auch die Frage gestellt habe, wo eine Art "öffentliches Zurschaustellen" anfängt und aufhört. Theoretisch können sich andere schon an einem Halsband, das man öffentlich trägt, stören (wie soll man sowas einem Kind erklären? "Och, sie spielen nur grad Hund und Herrchen ..." xD). Nach deinem Einwand bzgl. öffentliche Zurschaustellung von Gewalt und Kinder, stimme ich dir nun aber zu. Aktiv Eingreifen wäre tatsächlich mehr als angebracht.

Bei Szenario 2 hätte ich eingegriffen, und zwar vermutlich direkt in das Geschehen. Nichts gegen spaßig-fiese Aktionen, aber einem Sub, der offensichtlich komplett betrunken ist, so viel abzuverlangen, finde ich verantwortungslos. Zumal "Gnade" auch ein (von ihr nicht akzeptiertes) Codewort sein könnte.

Mit Szenario 3 allerdings habe ich schon ein seh viel größeres Problem.
Die 18jährige Jungfrau wird also seit ein paar Monaten abgerichtet. Bleibt die Frage: War sie bereits 18, als ihre Abrichtung begonnen hat?
Außerdem ist man, wie hier schon jemand schrieb, in diesem Alter noch leichter manipulierbar und es wäre in meinen Augen bereits im Verantwortungsbereich der Domme oder des Veranstalters gelegen, so ne Versteigerung gar nicht erst zuzulassen. (Ja, nennt mich prüde -.-).
Eingegriffen hätte ich aber nicht, weil ich auch gar nicht wüsste, wie. Blöde Situation.
Vermutlich hätt ich mir diese Männer erst mal ein wenig angeguckt.

Punt 7 war für mich klar,
aber bei Punkt 5 muss ich widersprechen:
"Sadisten, die die härtere Gangart mögen, wer das noch nie erlebt hat, wird nun vielleicht sagen: „Da muss man einschreiten, völlig in sich zusammensacken ist ein Hinweis auf einen Schock”. In der Regel ist das aber nur Zeichen der Erschöpfung, die in einer solchen Konstellation durchaus gewollt sein wird."

Woher weiß ich, ob es ein "in der Regel" ist?
Wenn das Stöhnen verstummt, und plötzlich Stille inkl. Zusammensacken herrscht, kann das sehr wohl ein Schock sein. Und das kann ja auch ein bisschen nach Apathie (wie in Punkt 7) aussehen. Da hätte ich ganz klar eingegriffen.
Wobei, wenn ich jetzt wiederum so nachdenke ... kommt es vermutlich darauf an, wie gut ich dieses Paar kenne. D.h., wenn ich weiß, dass es solche Situationen bei ihnen schon mal geben kann, würde ich mich wohl eher zurückhalten, als wenn ich die beiden nicht gut kenne.

Bei Punkt 4 wäre ich wohl dem Bondagekünstler gegenüber zu gutgläubig gewesen, weil ich vermutlich dächte, der hätte trotz des Workshops um einiges mehr Erfahrung als ich.

Bei Punkt 6 bin ich ganz bei dir. Wem's Spaß macht ...

Und Punkt 7 ist ohnehin klar. Wer DA noch für "gut/akzeptabel" gestimmt hat, erschüttert mich noch mehr, als bei Punkt 1.

So, Auszug aus meinen Prinzipien.
Die Umfrage macht es einem echt nicht leicht ;).

LG
Mel


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Mel,

da hast du ja ein altes Schätzelein ausgegraben, aber auch ich finde die Fragestellung und Kommentare immer noch sehr spannend.

Vielen Dank für deine Stellungnahme :)

Liebe Grüße

Gentledom

E schrieb am 30.10.2013


Umfrage Toleranz

Erst einmal vielen Dank das es diese Seite gibt. Umfragen mit vorabgefasste Antwortmöglichkeiten sind nicht gerade einfach.
Ich habe auf dem Gebiet fast keine Ahnung aus dem Grund versuche ich einmal zu schreiben warum ich mich für eine Antwort entschieden habe.
1. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
(weil ich denke eine solche Bestrafung gehört nicht in die Öffentlichkeit und könnte falsch Aufgefasst werden, ob ich die Ohrfeige nun gut oder nicht gut finde es stellt eine Belästigung dar, nebenbei stellt es eher ein Armutszeugnis für den Dom aus, fehlende Kreativität)
2. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
(hier ist die Dom in der Verantwortung, sie hat es zugelassen das er deutlich zu viel getrunken hat, bestrafen kann sie ihn wenn er nüchtern ist)
3. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
(sie erst 18 Jahre ist, es das erste Mal, entscheiden ist aber für mich folgende Passage "einigen Monaten .....ausgebildet", in dem Alter und durch die Dauer der Ausbildung würde ich schon von Beeinflussung reden, das sie einem solch drastischem Schritt zugestimmt hat. Auch wenn sie ein Safeword hat, dadurch weil du nicht geschrieben hast was für Konsequenzen die Sub zu erwarten hat)
4. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
(sehe ich wie du)
5. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
("in der Regel ist das aber nur Zeichen der Erschöpfung", was wenn es dieses mal nicht die Regel ist? und weil mir die Reaktion des Doms nach dem Auspeitschen fehlt)
6. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
( hier verletzt er in meinem Augen die Obhutspflicht, die Gesundheit muss immer an erster Stelle stehen, ob nun Rack oder nicht Rack, dein Einwand " sie sich nicht wehrt und sie kein allgemeingültiges Party-Safeword wie Mayday sagt" würde ich nicht gelten lassen, weil du die Reaktion der Sub nicht beschrieben hast)
7. Ich finde es nicht mehr akzeptabel und würde aktiv einschreiten
(Dom weiß um die Hintergründe, manchmal müssen auch Dom's vor ihrer eigenen Dummheit bewahrt werden)


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo E,

nun du hast keine Erfahrung und würdest bei jeder Konstellation einschreiten. Mir sind Leute lieber die einmal zu viel denn einmal zu wenig aktiv werden. Dennoch solltest du bedenken, dass jeder seine Gangart und seine eigenen Grenzen hat, was erwachsene und mündige Menschen ohne erkennbaren Zwang tun ist ihre Sache wenn dadurch niemand anders betroffen ist.

Liebe Grüße

Gentledom

Andrea schrieb am 15.04.2013


Kinder und allgemein meine Meinung

Ich kann deine Reaktion im ersten Szenario verstehen, würde aber nicht so handeln. Jeder muss selber wissen, wie er mit Kindern umgeht, aber ich bin der Meinung, dass man teilweise glaubt, Kinder zu sehr schützen zu müssen. Keiner würde einem Homosexuellen Pärchen heutzutage noch sagen, dass es in der Öffentlichkeit so etwas nicht zeigen darf, "wegen der Kinder". Ich weiß dass viele Leute BDSM für Kinder als nicht zu verstehen oder schwierig einstufen, teile diese Ansicht aber nicht. Wenn mein Kind dabei wäre, würde ich ihm erklären, dass es keine "echte" Gewalt ist. Ansonsten kann ich jeden verstehen der die Situation missversteht, finde aber die Missverständlichkeit der Situation allein ist noch kein Grund sie zu unterbinden oder zu verurteilen. Es ist aber meiner Meinung nach genauso unangebracht von dem Pärchen, deine Reaktion zu verurteilen; wer in der Öffentlichkeit spielt, muss damit rechnen Missverstanden zu werden, und darauf entsprechend reagieren.

Zur Situation 5 möchte ich noch anmerken, dass viele insbesondere Unerfahrene BDSMler wie sie hier auf der Seite glaube ich recht oft anzutreffen sind, die Situation möglicherweise eher wie die unter 7 einschätzen würden, ein Spiel was schief läuft. Daher kann ich mich nach deiner Erklärung deiner Meinung anschließen, hätte ohne sie aber anders geantwortet.
Ähnliches gilt umgekehrt bei der Situation 4. Was Gefährlich ist und was nicht, ist immer schwierig einzuschätzen, und grade wen man Unsicher ist, kann ich es verstehen, wenn man hofft, dass die Beteiligten hoffentlich wissen was sie tun. Ob das gut ist, ist eine andere Frage, wahrscheinlich wäre es wirklich besser, im Zweifelsfall einmal zu viel etwas zu sagen als zu wenig.
Zu 6 habe ich an anderer Stelle etwas geschrieben (http://www.gentledom.de/gblog/Blogartikel/Gentledoms-Blog/bdsm-und-die-verantwortungslosigkeit-102/).

Ansonsten: Schöne Szenarien die zum Nachdenken anregen.


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Andrea,

ich sehe für mich einen riesen Unterschied zwischen einvernehmlicher Gewalt und Liebkosungen welche öffentlich ausgetauscht werden. Dass nicht nur Mann und Frau sich küssen können sollten Kinder ruhig frühzeitig erfahren, Kinder werden aber, je nach Entwicklungsstand, schwer zwischen einvernehmlicher und nichteinvernehmlicher Gewalt unterscheiden können und das Erfahren von Gewalt dürfte, selbst wenn sie es verstehen sollten, zu einer gewissen Abstumpfung führen.

Liebe Grüße

Gentledom

Bittersweet schrieb am 03.04.2013


Veto

Hi Gentledom,
ich stimme dir in einigen Dingen zu in anderen würde ich anders reagieren.
Im ersten Fall zb. würde ich nur eingreifen wenn Kinder in der Nähe sind wenn nicht müssen die beiden damit rechnen sich vor der Polizei zu rechtfertigen aber das wäre dann nicht mein Ding (auch wenn es für mich persönlich gar nicht geht).
Bei zweiten finde ich betrunkene bei denen man nich sicher ist, ob sie bei Sinnen sind sollten nicht spielen. Finde deine Vorgehsnweise da sehr gut.
Die Versteigerung finde ich ehrlich abartig und da das Mädel erst 18 ist wäre ich mir da nich so sicher ob sie weiß was sie tut. Ob ich wirklich eingreifen würde und wie weiß ich nicht.

Im 6ten Fall muss ich wiedersprechen. Auch wenn sie nichts dagegen sagt was mich stört ist da Wort ungeschützt sorry aber da würde ich einschreiten!!!!!!!!!
Allein aus medizinischer sicht ist das sowas von dumm. Und wenn sie das so praktizieren würde es mich an ihrer inteligenz zweifeln lassen. Und jetzt mal ganz prakmatisch gesehen.
Sie gefährden damit ja vllt auch Partner die vllt nichts von diesen Praktiken wissen. Und wenn die sich da lustig mit irgenwelchen Krankheiten infizieren, kostet das auch einfach nen haufen Geld diese Menschen zu behandeln. (Auch wenn das vllt ne wenig sympatische Sichtweise ist)
Ich würde definitiv eingreifen!
Gut und das 7te ist wohl eh indiskutabel... und der gute Herr gehört für mich hiter Gitter und sie wahrscheinlich danach in Psychotherapeutische Behandlung und das ist dann schlicht weg eine Starftat wie du schon sagst...

So mal meinen Brei dazugegeben... Finde die Umfrage gut und hoffe du sammelst weiter interessante Daten ;)


Antwort auf diesen Kommentar

Ein Veto, puh zum Glück muss ich mich diesem nicht beugen ;) ich sehe es beim ungeschützten Sex wie beim Zigarettenkonsum. In erster Linie gefährdet sich jeder selber aber viele Raucher rauchen selbst in Gegenwart ihrer Kinder. Wenn ich also bei jeder Gesundheitsgefährdung einschreiten will, müsste ich bei sehr vielen Dingen dazwischen gehen. Nein für mich haben Menschen ein Recht dazu dumm zu sein, egal was ich davon halte... Ich habe nichts gegen Leute die eingreifen wollen wenn ungeschützter Gruppensex vollzogen wird, es sind für mich gut meinende Idealisten die eben verkennen, dass Menschen in einer freien Gesellschaft gesundheitsgefährdend handeln dürfen.

Anja schrieb am 25.03.2013


Ich hätte da mal eine Frage

Hallo Gentledom,

mein Kompliment, bei sechs deiner Antworten stehe ich voll hinter dir, bei zwei Ansichten muss ich sogar zugeben ich habe sie wegen deiner Antworten. Da du mir die Möglichkeit eröffnet hast mich selbst zu hinterfragen will ich auch dir diese Möglichkeit bieten. Das ist wirklich nicht böse gemeint aber ich kann deine Antwort beim Szenario 6 überhaupt nicht nachvollziehen, wie kannst du eine solche Situation noch als akzeptabel ansehen?

Liebe Grüße

Anja


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Anja,ich weiß doch, dass solch eine Frage nicht böse gemeint ist und ich gehöre ja auch zur absoluten Minderheit. Gerne will ich noch etwas mehr dazu schreiben warum ich nicht einschreiten würde und das Verhalten für mich akzeptabel ist. Die Umfrage hat den Begriff nicht akzeptabel definiert als: Nicht akzeptabel soll bedeuten, dass du es nicht nur für dich als nicht akzeptabel erachtest, sondern auch ganz allgemein. Für mich persönlich ist es nicht akzeptabel aber wenn sich erwachsene Menschen einer gewissen Gefahr aussetzen und dies auch so wollen ist es nicht mein Recht einzuschreiten, wohl aber mit dem Kopf zu schütteln. Ich bin für aktive Sterbehilfe, Menschen sollten über ihr eigenes Leben frei verfügen können. Ich habe kein Problem mit gefährlichen Extremsportarten, solange Krankenkassen und die Gesellschaft nicht für daraus resultierende Schäden aufkommen müssen... usw... Einschreiten würde ich nur unter einem Umstand in diesem Szenario, ich kenne eine Sub die mit einem der beteiligten Doms eine Beziehung führt bzw. mit ihm ungeschützten Verkehr har. In diesem Fall würde ich die Leute machen lassen, ihr aber persönlich meine Bedenken gegenüber äußern. Sie kann dann entscheiden was sie mit dieser Information macht. Hierzu enthält das Beispiel aber keinen Hinweis. Kurz: Ich finde es für mich persönlich nicht akzeptabel, wenn es aber Leute machen und alle sind bei klarem Verstand, erwachsen und wollen das so ist es eben so. Ungeschützter Verkehr ist in diesen Fällen dumm aber es ist die Freiheit eines jeden in diesem Kontext dumm zu sein. Würde ich es anders sehen müsste ich jedem der eine Zigarette in der Hand hat diese aus der Hand schlagen, Rauchen kann tödlich sein, ungeschützter Sex auch. Liebe GrüßeGentledom

Laura schrieb am 24.03.2013


Leider noch zu wenig Aufklärung

Hallo Gentledom!

Mich verwundert das Ergebnis in keinster Weise. Wer sich einige Zeit in der Szene bewegt hat erfährt einiges am eigenen Leib und vieles beim Austausch mit anderen Subs. Du solltest viel mehr über diese Missstände aufklären!

LG Laura


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Laura,

wenn ich nur über die Schattenseiten schreiben würde, würde das irgendwann niemand lesen wollen. Es gibt beim BDSM sehr viele wunderschöne Dinge die man erleben kann und es gibt sicher auch nicht wenige Missstände. Ich versuche in vielen Texten Denkanstöße zu geben und glaube so mehr erreichen zu können als mit Bloßstellungen. Die Seite habe ich ins Netz gestellt weil in kurzer Zeit zwei Bekanntinnen Opfer von Doms wurden, wovon eine vergewaltigt wurde. Sicherheit und Resepekt sind hier zentrale Themen und selbst die Geschichten werden danach ausgesucht.

Wenn du schlechte Erfahrungen gemacht hast könntest du vielleicht selbst darüber berichten und so andere warnen, bei den Interviews kann das jeder und wenn du ein gewisses Schreibtalent hast steht dir auch der offene Blog offen.

Liebe Grüße

Gentledom

Kessiana schrieb am 24.03.2013


Umfrage

Hallo Gentledom,

dein Beitrag hat mich gerade sehr nachdenklich gemacht. Für mich ist dieser Bereich noch komplett neu und ich habe keinerlei Erfahrung darin. Also darf ich vielleicht mir auch keine Meinung darüber bilden, aber trotzdem macht es mich nachdenklich.
Ich bin erschrocken, wie unterschiedlich die Situationen von Doms und Subs wahrgenommen werden. Dabei ist es doch gerade wichtig, dass Dom die Situation und auch seine Sub richtig einschätzen kann. Dom muss doch wissen, wo die Grenzen liegen und diese dann auch akzeptieren.
Außerdem fand ich es beunruhigend, wie viele es noch in Ordnung fanden oder nicht eingriffen, wenn im öffentlichen Raum "gespielt" wird. In der Situation war zwar vorgegeben, dass es sich um ein BDSM Paar handelt, aber das weiß man in der Realität doch nicht. Es könnte genauso gut eher ein Mann sein, der seine Frau misshandelt, mein erster Gedanke wäre nicht, dass es nur ein "Spiel" ist. Dadurch bekommt die Umwelt doch ein komplett verzerrtes Bild vermittelt. Versteht mich bitte nicht falsch, jeder soll das machen was ihm gefällt, aber trotzdem finde ich muss man auch auf andere Rücksicht nehmen. In diesem Fall finde ich einfach das körperliche Tätigkeiten wie z.B. eine Ohrfeige einfach in den privaten Bereich gehören.
Auch die Sache, dass gespielt wird, wenn Alkohol getrunken wurde, finde ich bedenklich. Alkohol senkt die Hemmschwellen und macht lockerer. Ich wäre meiner Sache nicht mehr sicher, wenn ich oder mein Dom was getrunken hätten. Ich muss doch darauf vertrauen, dass Dom noch alle seine Sinne beisammen hat und weis was er tut.
Natürlich sind das alles nur Antworten auf eine Umfrage, wer weiß schon, wie die Leute in der Realität reagieren würden. Ich befürchte jedoch, dass die Hemmschwelle dort einzugreifen noch höher läge...
Wie gesagt, soll das kein Angriff sein gegen andere sondern nur meine persönliche Meinung.

Kessiana


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Kessiana,

deine Meinung ist ebenso wertvoll wie die einer erfahrenen Person. Schön, dass du dich getraut hast etwas zu schreiben, das machen gemessen an den Lesern leider nur sehr sehr wenige. Beim ersten Szenario liegst du etwas falsch, es steht dort ja du kennst sie von einem BDSM Stammtisch und weißt sie leben in einer BDSM Beziehung. Mit der höheren Hemmschwelle gebe ich dir aber recht, in der konkreten Situation trauen sich in der Regel weniger einzugreifen als in einer fiktiven in der man keinen Druck hat. Zudem wurde die Umfrage auf eine Seite eingestellt die von eher moderaten BDSMlern besucht wird, auf anderen Seiten würden solche Umfragen durchaus noch negativer ausfallen können. Gerade eine Sub sollte sich ihren Dom daher sehr genau aussuchen, es gibt bereits hier viele die anders reagieren als es sich Subs wünschen und haben sie reale Macht wird das Verhalten nicht unbedingt besser.

Liebe Grüße

Gentledom

P.S.: Ich habe nicht mal den Ansatz eines Angriffs gesehen :)

Sequeller schrieb am 24.03.2013


Kudos, aber

Im Grunde teile ich alle Deine Einschätzungen und ganz besonders ziehe ich für den ersten Fall meinen Hut vor Dir.

Aber… warum verpackst Du Deine guten Absichten hinter so einen langen Blogeintrag? Mach es den Leuten doch nicht so kompliziert. Je mehr gesagt wird, um so mehr wird der Inhalt verwässert. Warum nicht eine Serie aus solchen Themen machen? Das hält alle Leute bei Interesse ;-)

D/Sequeller


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo D/Sequeller,

das hatte ich mir auch überlegt aber ich wollte dem Blog keinen so negativen Touch geben, denn dann wären immer wieder unschöne Themen auf den Tisch gekommen. Manches was mir am Herzen liegt werde ich dennoch sicher nochmals aufgreifen. Eigentlich ist es eine Serie, es gab schon mal eine ähnliche Umfrage und in ein zwei Jahren wird es sicher wieder eine geben.

Liebe Grüße

Gentledom

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