Fantasiekonsum und Realität

Für viele ist der erste Einstieg in den Bereich BDSM der des Konsums von Fantasien, nicht aber das reale Ausleben. Frauen lesen Bücher wie Shades of Grey und Männer schauen sich vielleicht das eine oder andere Filmchen an. Dabei vergessen sie, dass solche Medien kommerzieller Natur sind, sie sind produziert worden, um zu gefallen. Die Produzenten sind also darauf bedacht, möglichst zielgruppenaffine Werke zu erstellen.

Der überwiegende Teil der Bücher scheint von Frauen gelesen zu werden, daher stehen ihre Wünsche hier im Mittelpunkt. Im Gegensatz dazu scheinen die meisten BDSM Pornos für Männer gedreht worden zu sein, also geht es hier um die Bedürfnisse des männlichen Klientels. Wer Konsument ist entscheidet selbst und wenn es ums >>>Kopfkino geht, ist sich jeder erst einmal selbst der Nächste, denn hier sollen die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Nur, je mehr jemand konsumiert, umso eher kann er oder sie irgendwann glauben, diese Werke seien ein Spiegelbild der Realität. Genau hier beginnen dann die Probleme

Vielleicht kommen so auch die ganzen >>>DummDoms zustande, hier wurden zu viele Pornos konsumiert, in denen die Frau ein reines Objekt ist und natürlich ohne Vorspiel sofort benutzbar zu sein scheint. Sie ist also ein Sexobjekt auf Abruf, Laptop an, Film ausgesucht und los geht es. Wird dieser Gedanke in die Realität übertragen, kennen wir das Ergebnis. Ebenso kann es aber auch auf devoter Seite zu einem Zerrbild der Realität kommen. Es wird ein ÜberDom erwartet und was viel gefährlicher ist, es wird eine Welt aus submissiven Fantasien aufgebaut, in denen der devote Part im Mittelpunkt steht und die Bedürfnisse des dominanten Mitspielers maximal im Hintergrund wahrgenommen werden. Natürlich ist es in der Fantasie schön, immer im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, gefesselt, erniedrigt, umsorgt, gequält, geschlagen und vorgeführt oder was auch immer zu werden, denn eines haben all diese Situationen gemein, alles dreht sich eigentlich um den oder die Sub. Für mich gibt es beim BDSM eine klare Rollenverteilung, ich bin dominant und will meine Lust befriedigen, erst an zweiter Stelle kommt die Lust des devoten Parts. Das dürfte auch der Realität entsprechen, denn warum sollte ein dominanter Part sich der Lust des Devoten unterordnen? Warum sollte ich dominant sein, wenn ich als lenkender Part nicht meine Bedürfnisse befriedigen kann?

Vor ein paar Wochen hatte ich eine nette Mail eines devoten Mannes im Postfach, er wollte einen Ratschlag, wie er mit seiner Ehefrau eine DS Beziehung führen könnte. Er schickte einen Link mit einer FemDom Story mit und schrieb: „Genau so will ich meiner Ehefrau dienen.” Meine erste Reaktion war, dieser Mann gibt vor dienen zu wollen, aber es geht ihm doch eigentlich nur um seine eigene Lust. Er will, dass seine Frau in jene Rolle der FemDom schlüpft und damit ist er doch eigentlich der, der selber bedient werden will. In der Story gab es auch Klinikspiele, unter anderem einen Einlauf. Ganz ehrlich, selbst unter den dominanten Frauen kenne ich so gut wie keine, die darauf steht ihrem Partner einen Einlauf zu verpassen. Konsumenten solcher Literatur und Filme machen den Fehler zu glauben, es sei eine Art Geschenk des Submissiven, solche Behandlungen über sich ergehen zu lassen. Das wäre es aber nur, wenn sie dem dominanten Part Freude bereiten und dem devoten Part eben nicht und er oder sie es wirklich zur Freude des Herrn oder der Herrin erträgt.

Wer führen will braucht Stärke, Einfühlungsvermögen und Intellekt und das sind keine Eigenschaften, die in BDSM Pornos in der Regel zu finden sind. Wer dienen will, muss sich unterordnen können und damit ist auch gemeint, die eigene Lust der des dominanten Parts unterzuordnen. Egal an welchem „Ende der Leine” man sich befindet, es bedarf Disziplin, Mühe, Integrität und Kommunikation.

Vorgefertigte Schemen sind bequem, aber der bequeme Weg ist selten der richtige. Jeder hat ganz individuelle Bedürfnisse und Veranlagungen, was Dienen also konkret bedeutet, kann nur einer wirklich sagen, der dem man dienen will. Und dafür muss dieser sich selbst sehr gut kennen. Ich werde daher niemandem sagen können, wie ein/e Sub konkret zu dienen hat, denn sich auf eine dominante Person einzulassen ist ein Akt, der wegen der Individualität von Dom und Sub nie reproduzierbar sein wird. Wer es schafft, sich von vorgefassten Bildern zu trennen (Fotos/Filme aus dem Netz, aber auch Romane, wie die Geschichte der O) und wer seine Bedürfnisse unter die des dominanten Parts stellt und aktiv versucht, diese fremden Bedürfnisse zu erforschen, der wird lernen, was Dienen wirklich bedeutet. Wer das versteht, der wird merken, dass Fragen wie die nach „Was macht eine perfekte Sub aus” eigentlich obsolet sind.

Eine devote Person, die diesen Schritt schafft, wird sicher nicht immer eine sofortige Befriedigung erfahren, dafür aber eine weitaus intensivere.

Ankündigung: Zum Thema Medien wird es am 27.02.2013, ab 19 Uhr im Forum (für dort angemeldete Nutzer) einen Themenabend mit dem Titel ">>>Wie beurteilt ihr den Einfluss der Medien auf BDSM?" geben. 


Kommentare:


gatita schrieb am 19.02.2021


Danke Gentle,
kleine Anmerkung: Unter Limits habe ich mich hier (vielleicht etwas irreführend) auf alles bezogen (weil für mich alles zusammenhängt). Sowohl absolute Tabus, als auch "nicht ganz sicher, im Augenblick aber eher nicht-Grenzen", als auch "können wir vielleicht später drüber reden"-Limits, als auch "unsicher, aber durchaus bereit es mal auszuprobieren"-Items bis zu "keine Ahnung, aber sehr interessiert" und "aber ja gerne doch" und "auf jeden Fall". ;-) ;-)

LG,
gatita


Antwort auf diesen Kommentar

gatita schrieb am 18.02.2021


Hallo Gentledom,
vorweg eins: Ich habe mich köstlich über einige Texte Deines Blogs amüsiert. Vielen Dank dafür. Dass ich gerade hier kommentiere, ist purer Zufall.
Ich habe noch nicht allzu viele Erfahrungen gesammelt (Covid ist da eindeutig kontraproduktiv), aber einiges ist mir bereits untergekommen. Sowohl positiv, als auch negativ. Whatever.
In diese Falle laufen anscheinend auch einige Doms. Bei Kontakten werde ich häufig/fast immer nach meinen Fantasien gefragt, aber bekomme seltener Antworten darauf, was Dom denn so mag oder welche Fantasien er hat. In einem extremen Fall hieß es sogar: Das spielt keine Rolle, ich muss nur wissen, was dir gefällt, damit ich weiß, was ich machen soll. Ähm... Hallo? Ich muss zugeben, dass mich das doch etwas (okay, ziemlich) verblüfft hat. Muss ich dem vielleicht ein Script schreiben? Das ist irgendwie abturnend.
Denn meiner Meinung nach sollte ich ihm nur einen von meinen Limits bestimmten Rahmen vorgeben, innerhalb dem er sich frei bewegen kann. Und ich finde es durchaus wichtig zu wissen, was ihm gefällt und wie ich ihm eine Freude bereiten kann. Meine bisherigen Partner fanden das auf jeden Fall ebenfalls gut. Scheint aber irgendwie wirklich nicht allgemein üblich zu sein, was bedauerlich ist, da sich beide Seiten meiner Ansicht nach um sehr erfüllende Erfahrungen bringen und sich in einen eher frustrierenden Käfig automatischer Handlungen einschließen.
Beste Grüße,
gatita


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo gatita,

 

noch sinniger als Limits sind in meinen Augen Positivlisten, da ist es nicht so schlimm, wenn Sub mal einen Punkt vergisst, denn er kann einfach nachträglich ergänzt werden. Ein Tabu das man nicht auf dem Schirm und welches dann gebrochen wurde, wiegt da deutlich schwerer.

 

Bleib wie du bist und lass dich von Flirtkontakten nicht in eine Richtung drängen, die nicht zu dir passt, denn deine Einstellung scheint eine sehr vernünftige zu sein.

 

Liebe Grüße

 

Gentle

 

Mehr zu den Positivlisten:

gentledom.de/gblog/Blogartikel/Gentledoms-Blog/sind-tabulisten-beim-kennenlernen-wirklich-sinnvoll-686/

gentledom.de/gblog/Blogartikel/Gentledoms-Blog/sinnige-und-unsinnige-tabus-337/

dreamer schrieb am 15.12.2013


super

eben, da fühlt frau sich nicht mehr als frau sondern als stück fleisch...ist es eigendlich üblich das frau schreibt wie es von statten geht? finde ich persönlich zu langweilig wo bleibt der überraschungseffekt?
haben dom´s keine eigenen phantasien?
finde es nicht spassig an allererster stelle steht der mensch den man nicht als gummipuppe sehen sollte
manche männer sollten besser zu einer professionellen gehen ..schmunzel


Antwort auf diesen Kommentar

Jeder ist anders ;) ich für meinen Teil bin gerne kreativ und meine Fantasien entstehen eh meist spontan und oft währenddessen :)

Sookie schrieb am 03.03.2013


Ich finde das Thema schwierig.
Weil wenn man in Clubs geht dann ist es so das man da Leute sieht da einfach nur das extreme am Sm ausleben. Verleih, nackt durch Club rennen und bedienen, Züchtigung, Rapegames etc.
Und das da viele sagen: Das ist Sm und so muss es sein und nicht anders ist klar. Gerade das soetwas Anfänger denken ist die logische Konsequenz.Und das man damit dann anfängt wieder mit richtig und falsch und du bist nicht devot wenn du das nicht machst.. sowieso.
Und das finde ich irgendwie schade. Das man so das von damals das eigentliche dienen und verwöhnen einfach vergisst und das es nur noch ums Posen und Zeigen geht.
Ja wenn man es mag. Aber das ist nicht nur SM und wenn man das nicht macht heißt es nicht das man nicht devot ist. Und es ist schwierig. Da den Filter zu setzen und Leute zu finden die nicht so abgedreht sind ist schwer.
Das nur zur weiblichen Seite der Subs. Auch da gibt es Kopfkino und Leute die als Hure ausgebildet werden sollen. Die Welt ist ja nicht nur schwarz und weiß.
Aber ich finde die männliche Seite der Szene schwieriger.


Antwort auf diesen Kommentar

Man sollte sich einfach nicht reinreden lassen, egal in welchem Bereich :) kritisch hinterfragen ist gut aber nicht gegen seine eigentlichen Überzeugungen zu handeln und keine Sorge es gibt auch ganz "normale" BDSMler :)

Mistress Donna schrieb am 24.02.2013


Fabelhaft geschrieben

Hallo Gentledom,
ich kann mich dem was du geschrieben hast nur anschließen. Viele Subs haben vor allem ihr eigene Kopfkino das befriedigt werden soll und das sind meist jene die viel Fantasie konsumiert haben oder Studiogänger sind. Wie das bei weiblichen Subs ist kann ich nicht sagen, ich denke aber ähnlich nur gibt es da sicher weniger Studiogänger. Mein Kompliment, auch als dominante Frau lese ich sehr gerne deinen Blog.
Liebe Grüße
Mistress Donna


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Donna,
vielen Dank für dein Statement und das liebe Kompliment. Es ist immer gut auch Feedback aus der Praxis zu bekommen, über devote Männer und dominante Frauen kann ich ja nicht wirklich auf eigene Spielerfahrungswerte zurückgreifen.
Beste Grüße
Gentledom

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