Das Kennenlernspiel ist nunmehr älter als 20 Jahre und daher wird es Zeit es in Rente zu schicken. Vorher teile ich aber gerne noch jenen die Lösung mit, die jene bisher nicht kennen.
1. Der Märchenwettbewerb
Ja, das ist die Wahrheit. Ich habe als Kind sehr viel gelesen, und wenn ich abends ins Bett gebracht worden bin, hat mir meine Mutter gerne Geschichten erzählt. Mit der Zeit war es aber so, dass wir uns dann mit dem Geschichtenerzählen abgewechselt haben: einmal sie, einmal ich. So kam ich dazu, dass ich sehr früh angefangen habe, Geschichten zu erfinden, und scheinbar hat es meiner Fantasie auch irgendwie nie wirklich geschadet.
2. Postbriefkasten 1
Eine ganz dreiste Lüge.
3. Fahrrad
Ja, als Kind habe ich mich wirklich lange Zeit geweigert, auf ein Fahrrad zu steigen. Mir war das einfach sehr suspekt, und ich bin ehrlich: Noch heute ist Fahrradfahren nichts, was mir große Freude bereitet. Was habe ich also getan? Ich bin zwar nicht Fahrrad gefahren, aber natürlich waren die anderen Freunde schon auf dem Fahrrad unterwegs, und ich habe die Füße in die Hand genommen und bin richtig hinterhergerannt. Bei der Anlage einer gewissen Grundkondidtion die ich später im Fußball und beim Tennis benötigte, war dies sicher durchaus förderlich. Also ein bisschen länger zu laufen hat mir, glaube ich, ebenfalls nicht geschadet.
4. Shoppingtour
Die Geschichte ist natürlich schon sehr, sehr alt. Als ich das Ganze aufgesetzt habe, war das ja schon vor 20 Jahren, und die Shopping-Geschichte war noch ein paar Jahre davor. Ich shoppe gerne, aber ich shoppe nicht mehr so intensiv, wie ich früher geshoppt habe, vor allem deshalb, weil Online-Shopping teilweise bequem ist und Nachhaltigkeit für mich ein wichtiger Faktor geworden ist. Von daher: Nein, die Geschichte ist nicht frei erfunden, aber spielte sich mit exakt verkehrten Rollen ab und meine damals beste Freundin warf das Handtuch, weil ich zu lange shoppen gewesen bin.
Oder kurz, war gelogen ;)
5. Ameisenurinallergie
Ja, das ist die Wahrheit, so ungewöhnlich, wie sich das anhören mag. Als Kind hatte ich irgendwann häufig einen Ausschlag, und dann wurden vom Kinderarzt die typischen Allergietests durchgeführt. Erst die eine Standardpalette, dann die andere, und bei beiden Tests kam keine Allergie heraus. Deswegen meinte der Kinderarzt zu meiner Mutter, dass sie mich doch bitte zwei Wochen lang überallhin begleiten sollte und sich überhaupt nicht einmischt, egal, was ich mache. Sie sollte einfach nur beobachten und notieren, was ich genau mache, damit man im Endeffekt eingrenzen kann, was das für eine Allergie sein könnte. Die Standardtests hatten nämlich überhaupt nicht funktioniert.
Dass meine Mutter mir dann nicht mehr von der Seite wich, fand ich natürlich am Anfang unglaublich nervig. Als ich dann aber merkte, dass meine Mutter nichts macht – fast egal, was ich anstelle – und auch nichts sagt, dachte ich: „Ja, die ist wohl doch ganz cool geworden.“ Danach war das Ganze schnell normal, und ich habe mich auch recht bald wieder so verhalten, wie ich mich sonst verhalten hätte, wenn sie nicht dabei gewesen wäre.
Ich hatte im Garten meiner Eltern einen kleinen eigenen Bereich, in dem ich gerne alle möglichen Tiere hatte. Und alle möglichen Tiere bedeutet wirklich alle möglichen Tiere, an die man als Kind herankommt. Also: Ich habe dort Raupen, Ameisen, Würmer, Schnecken und vieles mehr hineingesetzt, kurz alles, was ich finden und in meine Hoseentaschen stecken konnte. Denn ich hatte eine schöne rote Jeanshose mit ganz vielen Taschen außen dran, welche sich perfekt für solche Umsiedlungsaktionen eignete. Das Problem war nur: Ich habe Ameisen umgesetzt. Ich habe die Ameisen gefunden, sie in meine Taschen gesteckt und dann mitgenommen (ja damals wusste ich nicht, wie aussichtlos eine Umsiedlung ohne die Königin war). Ameisen mögen so eine Zwangsversetzung oder Zwangsumsiedlung nicht und wehren sich in der Regel zunächst mit einem Biss, was der Jeans natürlich nichts ausmacht. Das Zweite ist aber, dass sie urinieren. Mein Körper hat anscheinend zu viel von diesem Ameisenurin abbekommen und dadurch eine Allergie oder zumindest eine Überempfindlichkeit entwickelt.
Daher bitte nicht in einen Ameisenhaufen schubsen, das mögen weder die Ameisen noch ich.
6. Guter Maler, schlechter Gärtner
Es ist genau anders herum. Ich bin nämlich ein wirklich schlechter Maler und das wurde mir in der Schule sogar einmal sehr uncharmant von meiner Kunstlehrerin bestätigt. Das finde ich sehr schade, denn ich mag es, mich kreativ auszuleben, aber sowohl musikalisch als auch beim Malen habe ich überhaupt kein Talent. Gartenarbeit hingegen macht mir große Freude und Pflanzen gedeihen bei mir recht gut.
Deshalb ist auch diese Geschichte eine Lüge.
7. Zweisprachigkeit
Denjenigen, die mich angeschrieben haben, habe ich offen erzählt, wo meine familiären Wurzeln liegen. Das möchte ich jedoch nicht öffentlich im Internet teilen. Ich bin eine ziemlich bunte europäische Mischung und sehe mich deshalb vielleicht auch ein wenig mehr als Europäer denn ausschließlich als Deutscher. Dennoch haben sich meine Eltern damals bewusst dafür entschieden, dass ich einsprachig aufwachse. Das entsprach zu dieser Zeit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand. Man ging davon aus, dass Mehrsprachigkeit Kinder eher verwirren und ihre sprachliche Entwicklung erschweren würde. Diese Ansicht galt jedoch schon wenige Jahre später als überholt. Inzwischen weiß man, dass das frühe Erlernen mehrerer Sprachen zahlreiche Vorteile mit sich bringen kann und die kognitive Entwicklung sogar positiv unterstützt.
Also eine weitere dreiste Lüge.
8. Postbriefkasten 2
Ja, die Geschichte in Bezug auf den Postbriefkasten stimmt wirklich. Ich bin ehrlich, ich war damals schon ein wenig angefressen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Menschen, die feiern wollen, aber einen großen Böller in einen Postbriefkasten zu stecken, ist wirklich übertrieben, auch wenn man sehr alkoholisiert ist. Das ist tatsächlich passiert. Ob ich das heute noch genauso sehen oder machen würde, weiß ich nicht. Damals war es für mich jedoch in Ordnung, vor allem weil sich in diesem Kasten auch berufliche Korrespondenz von mir befand und ich sehr verärgert darüber war, dass jemand eine derart gedankenlose Aktion gemacht hat.
9. Kein Betrug
Ja, das stimmt noch immer, aber noch immer unterscheide ich zwischen Untreue und Betrug. Untreu war ich öfters, weil es aber das OK der Partnerin gab, war es eben kein Betrug. Auch wenn es schon ein ziemlich altes Thema ist, hat sich bei mir in den letzten zwanzig Jahren daran nichts geändert.
Ich überlege gerade, welche zwei Situationen mir dabei eingefallen sind, in denen es mir nicht leicht gefallen ist, richtig zu handeln. Die eine fällt mir sofort wieder ein. Ich war damals noch relativ frisch mit meiner späteren Lebensgefährtin zusammen und erhielt eine sehr spontane Einladung zu einem Dreier. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung damit. Das war eine sehr überraschende und in gewisser Weise auch absurde Situation, auf die ich hier nicht weiter im Detail eingehe, auch hier gab es mehr Inhalt wenn man mich persönlich gefragt hatte ;)
Die zweite Situation war ebenfalls in einer frühen Phase einer Beziehung. Meine damalige beste Freundin war frisch getrennt. Ich hatte früher einmal einen großen Crush auf sie, bin damals jedoch abgeblitzt und daraus ist letztlich eine Freundschaft geworden. Als sie sich getrennt hatte, wusste sie, dass ich zu diesem Zeitpunkt in einer Beziehung war. Sie wollte sich offenbar frei ausleben und hat mir vorgeschlagen, dass ich noch mit zu ihr komme. Wir waren vorher in Detmold etwas essen, wenn ich mich richtig erinnere. Zunächst dachte ich mir dabei nichts weiter, auch nicht als angeboten wurde, dass ich dort übernachten könne. Später kam jedoch der Vorschlag, dass wir gemeinsam im Bett schlafen und dabei intim werden könnten. Das hat mich sehr vor den Kopf gestoßen, gerade weil sie wusste, dass ich frisch vergeben war. Ich fand dieses Verhalten damals wirklich nicht in Ordnung. Wäre ich Single gewesen, hätte ich vermutlich anders reagiert, und wer weiß, wie sich die Freundschaft dann entwickelt hätte. In dieser Situation jedoch war für mich klar, dass das nicht geht. Die Freundschaft ist an diesem Abend zu Ende gegangen.
10. Vorbestraft wegen Demos
Politisch engagiert habe ich mich durchaus. Deshalb bin ich jedoch nie in Polizeigewahrsam genommen worden. Den Aufforderungen der Polizei bin ich in meinem Leben, auch wenn es nicht allzu oft vorkam, immer nachgekommen, selbst wenn ich nicht immer der Meinung war, dass sie rechtmäßig waren. Solche Dinge kann man im Nachhinein klären. Vorbestraft bin ich nicht und aktenkundig ebenfalls nicht. Andernfalls hätte ich das, was ich beruflich gemacht habe und auch heute noch mache, vermutlich nicht in dieser Form tun können.
Zum Abschluss gab es also nochmal eine Lüge.
Tja, ich wäre sehr neugierig was die Leser hier für Annahmen hatten, wer mag kann mir seine gerne schreiben! Sollte eine Neuauflage gewünscht sein, warum nicht, das ist schnell gemacht, wenn sich das viele Leser wünschen sollten. In dem Fall gerne anmerken, ob wieder so allgemein aus meinem Leben wie hier oder lieber mit einem BDSM Fokus (also BDSM Erlebnisse erlebt oder erfunden).