Ich habe die letzten Monate ein wenig meine alten Beiträge gelesen und ja, ich stehe immer noch hinter jedem, vielleicht würde ich es heute etwas anders ausdrücken, aber es bleibt so wie es ist, denn es zeigt eben auch meine Entwicklung und dass BDSM dynamisch und nicht starr ist, ist in meinen Augen eine der wichtigsten Messages hier.
Auch wenn ich für mich in Anspruch nehme konsequent zu sein und zu führen, es gibt Situationen in denen bin ich Service-Dom und das steht für mich nicht im Widerspruch zu meinem üblichen Verhalten. Wenn ich mit jemandem in BDSM einsteige die Anfängerin ist, dann nehme ich mich bewusst zurück und lege meinen Fokus darauf, sie einzuführen und mit ihr herauszufinden, was ihr gefällt und was nicht. Dies kann, muss aber nicht als Service-Dom geschehen.
Wenn es aber als Service-Dom geschieht, dann bestimmt sie nicht wie sonst immer den Rahmen, sie bestimmt auch die Abläufe mit, die innerhalb des Rahmens vollzogen werden. Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mal nicht der bin der in diesem Rahmen allein bestimmt, sondern das Gemeinsame führt durchaus zu einer gewissen Leichtigkeit und auch mitunter Verspieltheit. Zwar bleibe ich Dom, aber eben einer der mehr begleitet und weniger lenkt. Denn mal ehrlich, wer kennt das Kopfkino wohl am besten, der „allwissende“ Dom oder eben die Frau die man ermutigt sich auszuprobieren. Natürlich hat das auch seine Grenzen. Ich werde für sie nicht in die devote Rolle schlüpfen und Spielarten die ich ablehne werde ich auch nicht plötzlich umsetzen, weil Sub so neugierig darauf ist. Meine Dominanz pausier damit nicht sondern wird einfach nur anders ausgeübt, weil sich eben auch mein Fokus auf darauf richtet einen positiven und prägenden Start ins BDSM zu ermöglichen.
In diesem Setting ist es oft leichter, Dinge auszutesten, die zunächst unbekannt, unangenehm oder als Tabu erscheinen. Denn beim gemeinsamen Ausprobieren, kann es jederzeit zu einem Abbruch kommen und selbst wenn dies nicht der Fall ist, etwas was beim Ausprobieren getestet wird ist danach nicht einfach erlaubt. Testen ist keine dauerhafte Einwilligung, sondern nur eine temporäre für den Zweck ein Gefühl für etwas zu bekommen. Danach kann es alles sein, eine Belohnung, eine Bestrafung, eine Grenze oder auch ein klares Tabu. Genau mit diesem Schritt beginnt dann die eigentliche typische Dynamik. Das gemeinsame Austesten führt dazu, dass unser Spielfeld immer klarer definiert wird und je klarer es definiert ist, umso mehr Führung erfolgt.
So schaffen wir zusammen und mitunter recht frei von Hierarchien die Basis für unsere spätere Dynamik, wir finden zuerst heraus was ihr gefällt, denn Belohnung ist eine mindestens genauso starke Motivation wie Bestrafung. Der Übergang passiert meist nicht abrupt, sondern fließend. Anfangs gebe ich bewusst mehr Raum für Mitbestimmung, weil das gemeinsame Erkunden im Vordergrund steht. Mit jedem Erlebnis, bei dem wir beide merken, dass es passt, verlagert sich der Schwerpunkt. Ich übernehme nach und nach mehr Führung, während sie sich zunehmend fallen lassen kann. So wächst unsere Hierarchie Stück für Stück, bis sie sich für uns beide natürlich anfühlt und beide beieinander angekommen sind.
Und selbst in klar hierarchischen Strukturen kann es dazu kommen, dass ich Sub einfach mal belohnen will. Weil sie sich überwunden hat, weil sie Geburtstag hat, weil sie einfach so toll ist, usw. Auch in diesem Fall kann ich ein Service Top sein, denn der Vorteil daran immer auch ein Reaktionsfetischist zu sein ist eben, dass es mich sehr kickt Lust zu erleben und womit nicht nur die eigene gemeint ist.
Vielleicht ist aber auch Service-Top eine vollkommen falsche Bezeichnung. Bei einer Anfängerin bin ich auch eher ein Spielkomplize oder auch Tourguide bei einer bunten und wilden Erkundungstour und bei einer festen Partnerin einfach mal Gönner oder eben Reaktionsfetischist. Wobei eigentlich pfeife ich auf solche Bezeichnungen und bleibe einfach der Gentledom.