BDSM und Beziehung

BDSM und Elternsein - Teil II

Was kann komplizierter sein als zwei pubertierende Kinder und ein kleiner Hosenmatz?

Nur die Tatsache, dass man zwischenzeitlich und nach endlosen Fragen nach dem warum, wieso und weshalb die Tür zum BDSM geöffnet hat. Als meine eigenen Kinder kleiner waren, hab ich mich oft reden hören, dass alles besser, einfacher und wesentlich leichter zu handlen ist, wenn sie erst mal älter sind. Und als sie dann älter waren, habe ich mich gefragt, was mich bloß geritten hatte anzunehmen, dass es einfacher wird. Vielleicht darf man sich als Eltern zugute halten, dass man die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen hat und sich somit das Recht vorbehält, auch einfach mal im Irrtum zu sein. Abgesehen davon kann Wunschdenken auch herrlich beflügelnd wirken. „Rechne immer mit dem Unmöglichen und gehe niemals davon aus, dass deine Pläne nicht durchkreuzt werden“ ist seitdem der Leitfaden meiner Sexualität im BDSM-Kontext. Hatte man zuvor nur Schwierigkeiten, seinen Blümchensex auszuleben, erscheint einem die Aussicht auf ein erfüllendes Leben mit BDSM als beinahe unmögliches und unüberwindbares Problem.

Woher die Zeiten nehmen, wenn man so gut wie nie alleine ist? Wie soll man es in dem ganzen Chaos schaffen, so etwas wie eine D/S-Beziehung zu führen, wenn man nicht mal die Gelegenheit hat, sich in der Küche innig zu umarmen, ohne das es gleich drei Augenpaare mitkriegen, oder der gesamte Freundeskreis deines heranwachsenden Sohnes. Ganz zu schweigen von der Frage danach, wie man es am geschicktesten anstellt, die Schläge, nach denen man sich selbstredend sehnt, möglichst geräuschlos vom Partner zu erhalten. Fragen über Fragen, die dir zusätzlich zu den alltäglichen im Kopf herumfliegen und deren Beantwortung du meistenteils auf einen späteren Zeitpunkt verschiebst. Weil, egal wie du das Blatt drehst und wendest, du deine Wünsche mit den machbaren Möglichkeiten in einen halbwegs zufriedenstellenden Konsens bringen musst. Alles andere ist Wunschdenken. Und niemand fliegt gerne, wenn er immer befürchten muss auf den Hintern zu fallen!

Was, wenn das normale Familienleben sich durch die Neigung eines Partners ändert? Nicht jedem Paar ist es vergönnt, seine Neigung gleichzeitig zu entdecken. In manchen Beziehungen entdeckt entweder nur einer seine Lust am BDSM, oder es passiert zu unterschiedlichen Zeiten. In meinem Fall geschah das letztere. Mein Anfang war alles andere als normal. Als ich die Tür zum BDSM öffnete, war ich 42 Jahre alt, hatte eine 16-jährige Tochter, einen 14-jährigen Sohn und einen Nachzügler von 5 Jahren im Hause. Alle Altersstufen, die das Projekt „Leben mit BDSM“ zum Scheitern hätten bringen können, waren somit vorhanden. Aber bedingt durch Umstände, die meinen Mann und mich betrafen, hatte ich zunächst die Möglichkeit, außerhalb meiner häuslichen Umgebung die ersten Schritte zu unternehmen. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass es keine Probleme gab. Allerdings bezogen die sich nicht auf die fehlenden Freiräume, um BDSM auszuleben. Da ging es vielmehr um Fragen wie: „Warum trägst du das jetzt?“ und „Wieso gehst du eigentlich immer ohne Papa aus?“. Nachdem ich das einfallsreich habe klären können, stand zunächst meinem Drang nach sexueller Freiheit nichts mehr im Wege. Die eigentlichen Probleme stellten sich erst sehr viel später ein und zwar in dem Moment, als mir bewusst wurde, dass sich nicht nur mein Familienleben langsam einem Abgrund näherte, sondern auch meine bis dato einwandfrei funktionierende Ehe. Es ist ein Fehler zu glauben, dass BDSM einen nicht verändert. Zwar kann man es nicht gleich mit der wundersamen Auferstehung von Phönix aus der Asche vergleichen, aber dennoch bin ich von Monat zu Monat wie eine Blume erblüht. In den vielen Monaten, in denen ich meine neu entdeckte Leidenschaft auf vielerlei Weise ausprobieren konnte, entwickelte ich ein vollkommen anderes „Ich-Gefühl“. Mit der Frau, die ich war, bevor ich dir Tür zum BDSM öffnete, hatte ich nur noch selten wirklich etwas gemein.

Mein häufiges Weggehen (ohne Ehemann), die Blind Dates, meine himmelhoch jauchzenden und dann wiederum zu Tode betrübten Launen, meine rasanten äußerliche Veränderungen und nicht zuletzt auch mein latent vorhandenes schlechtes Gewissen meinem Mann und den Kindern gegenüber blieben weder ihnen noch meinem Mann verborgen. Zwar heißt es, die eigenen Eltern sind für die meisten Kinder eher so etwas wie Unisexpersonen und teilen ihr Bett nur deshalb, weil sie keine Lust haben, alleine zu schlafen. Doch ich glaube, dass das einer der größten Irrtümer ist. Das mag vielleicht für frühere Generationen gegolten haben. Die heutigen heranwachsenden Kinder und Jugendlichen wissen ganz genau, wie der Hase läuft. Mein Problem war nicht mein jüngstes Kind. Das schlief zu den Zeiten, zu denen ich mich für eine Veranstaltung umzog und war mit meinen Ausreden, wenn ich manches Wochenende mal nicht zu Hause war, immer zufrieden. Das eigentliche Problem waren die zwei Größeren. Wobei ich unbedingt feststellen möchte, dass Kinder, egal wie alt sie sind, schon immer über feine Antennen verfügt haben, um augenblicklich und mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks kleinste unterschwellige Probleme ihrer Eltern zu erkennen. Mein größter Trugschluss war zu glauben, dass Kinder und erst recht Heranwachsende sich mit einfachen Erklärungen abspeisen lassen. Sie nutzen ihre Ohren und Augen ohne dass wir es so richtig mitbekommen, um feinste Nuancen genauestens und präzise zu deuten. Im Prinzip kann so gut wie nichts vor ihnen geheim gehalten werden. Ihnen dennoch weiszumachen, dass man die High Heels und den schwarzen Lederrock nur anzieht, um mit seiner Freundin ins Kino zu gehen, ist absolut dumm. Es beleidigt nicht nur ihre, sondern auch die eigene Intelligenz. Abgesehen davon, dass es auch nicht das gegenseitige Vertrauensverhältnis fördert und die eigene Glaubwürdigkeit ad absurdum führt.


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