Gedanken zu BDSM

Immer wieder kommen Schlagwörter auf, die jeder ein wenig anders interpretiert. Meine Ausführungen erheben keinen Anspruch darauf korrekt zu sein. Es sind einfach nur meine persönlichen Ansichten zu den Schlagwörtern Demut, Hingabe, Begehren, Nr. 1, Augenhöhe, Dominanz, Sühne und Vertrauen. Da ich sehr viele Themen beleuchte habe ich weiterführende und vertiefende Informationen jeweils für euch verlinkt.

Demut
Anscheinend wird diese von den meisten als Grundvoraussetzung dafür angesehen, eine oder auch ein guter Sub zu sein. Für mich bedeutet Demut, dass ich mich unterordne und diese Unterordnung ohne Widerstand akzeptiere. Demut ist etwas, das aus der Person selbst kommen muss, sie ist frei von Auflehnung. Für mich ist diese Art der Unterordnung in einem BDSM Kontext etwas sehr schönes, aber nichts, was zwingend dafür benötigt wird. Das Zusammensein von Dom und Sub kann dabei ausgehend von zwei Grundannahmen betrachtet werden. Die erste Grundannahme wäre, dass Dom und Sub zwei getrennte Systeme sind und das eine System das andere System bestimmt. Das entspricht aber nicht wirklich meinen BDSM. Für mich bilden Dom und Sub jeweils die Teilmenge eines größeren Ganzen, und in dieser akzeptiert ein/e Sub der/die demütig ist, den Willen des Doms auch wenn dies bedeutet, den eigenen Willen nicht erfüllt zu bekommen. Demut hat aber bei gesunden Beziehungen zwischen gesunden Menschen auch immer natürliche Grenzen.

Weitere interessante Einblicke zum Thema Demut: Sisa und Askantwort

Hingabe
Hingabe und Demut sind auf den ersten Blick sehr ähnlich, und beides wird ja gerne von den Doms als Grundeigenschaft einer Sub verlangt. Für mich ist Hingabe keine wirkliche Subeigenschaft, vielmehr ist es ein ganz normales Verhalten das auftritt, wenn man für etwas brennt. Für etwas brennen bedeutet, meine Handlungen mit Begeisterung zu vollziehen und voll hinter dem zu stehen, was ich erreichen will. Kurz: In dem Moment meiner Hingabe gehe ich in meiner Aufgabe völlig auf. Demut ist dagegen etwas, das ich akzeptiere. Ich sehe ein, dass ich klein bin. Bei der Hingabe sehe ich das, was ich mache als etwas Großes an, und davon werde ich ein Teil durch meinen hingebungsvolle Einsatz. Wenn ich also viele Stunden darin investiere, meiner Sub das perfekte Halsband herzustellen oder ich mein Handeln im Bett mal ganz in ihren Dienst stelle, damit sie einen Orgasmus nach dem anderen hat, dann gebe ich mich auch hin. Dies steht nicht im Widerspruch zu meiner Dominanz. Es zeigt nur, dass ich für das, was wir haben brenne und ich mich genau darauf fokussiere. Hingabe ist daher in meinen Augen die Fähigkeit, etwas im Hier und Jetzt mit voller Aufmerksamkeit zu tun und darin aufzugehen.

Weitere interessante Einblicke in dieses Thema: Reale Geschichte zur Hingabe, Forumsthema, FemDomsicht

Begehren
Ist Demut die Unterordnung und die Hingabe das Aufgehen in etwas, so ist Begehren der egoistische Anspruch, etwas besitzen zu wollen und sei es nur für einen flüchtigen Moment. Es ist gut zu begehren, denn ein solch zielgerichteter Wille ist stark und treibt uns an. Je mehr ich begehre, umso mehr muss ich leisten können. Dies ist ein Ansporn, aber gleichzeitig auch die Gefahr. Richtet sich mein Begehren auf zu viel, was ich eben nicht erreichen kann oder vernachlässige ich dadurch wichtige andere Sachen, so kann aus dem guten Ansporn ein tiefsitzender Frust werden.

Die Nummer 1 sein
Klar, die meisten Doms wollen immer die Nr. 1 sein, aber gerade in einer Liebesbeziehung steht dieser Status in meinen Augen auch umfassend der Sub zu, außer natürlich es wird offen eine polyamore Beziehung gelebt. Für mich bestimmt allein die Sub die Grenzen der BDSM-Beziehung, sie kann also auch festlegen, dass sie die einzige Sub sein will. Wenn mir die Grenzziehung nicht passt, muss ich das akzeptieren und es schlucken oder eben sagen, dann geht das mit mir leider nicht.

Wen ich partnerschaftlich liebe, der ist für mich unangefochten die Nr. 1. Es sollte niemanden geben, der vor dieser Person den Vorzug bekommt, nicht mal engste Blutsverwandte. Dies bedeutet für mich auch, dass meine Partnerin in keinem Bereich unserer Beziehung das Gefühl haben sollte, eben nicht die Nr. 1 zu sein. Ich habe schon verschiedene Beziehungsmodelle gelebt und manche waren monogam (=nur einen Sexual- und Liebespartner), andere polygam (= nur einen Liebes aber mehrere Sexualpartner), nie aber waren sie polyamor (=mehrere Sexual- und Liebespartner).

In den Beziehungen die polygam waren, war es aber immer klar, dass meine Partnerin auch sexuell durchgehend die erste und stärkste Bezugsperson sein muss. Zudem gab es immer vollkommen exklusive Bereiche, die der Liebesbeziehung vorbehalten waren. Einer dieser Bereiche war zum Beispiel die „normale“ Sexualität. Dieser Sex ist für mich etwas, das ich nur mit einer Partnerin genießen will, die ich liebe. Mein BDSM hingegen ist animalisch, und als Dom geht es mir um Macht, Kontrolle und Spaß. Aber auch in diesem Kontext muss die Partnerin immer das Gefühl haben, die erste Sub zu sein (außer natürlich, wenn ihr BDSM nicht wichtig ist und sie nur meint, ich solle mich da allein ausleben).

Wenn sie jemand ist, der mit mir zusammen eine weibliche Sub/Switcherin genießen mag, dann hat sie grundsätzlich das gleiche Recht an dieser Frau wie ich. Sie entscheidet mit und genau wie ich, kann sie sie jederzeit aus der Wohnung werfen wenn ihr danach ist. Selbst wenn ich mir allein eine Sub suchen durfte, so gingen für mich die Belange meiner Partnerin vor. Sie konnte ein Veto einlegen und Treffen fanden eben dann statt, wenn wir beide eh keine gemeinsamen Aktivitäten geplant hatten.

Liebe bedeutet, auch mal zurückstecken und Beziehungen benötigen faire und vor allem gangbare Kompromisse. Keine Kompromisse darf es aber bei der Wertschätzung, Loyalität und der Ehrlichkeit geben. Und wenn meine Partnerin meine Vertraute, Geliebte, Freundin und Sklavin ist, dann ist sie dies ohne Einschränkungen. Sie allein steht über anderen Vertrauten und Freunden (und falls polygam auch Subs) und an dieser Position darf niemand rütteln, genauso wie ich hoffentlich dann auch in allen Bereichen ihre erste Bezugsperson sein werde.

Augenhöhe
Ein schönes Wort, spiegelt es doch wieder, dass man sich in etwa auf derselben Ebene bewegt. Niemand schaut auf den anderen herunter oder muss zu ihm aufschauen. Dennoch kann auch eine Beziehung auf Augenhöhe geführt werden, die ein großes Machtgefälle beinhaltet. Gehe ich eine Beziehung ein, so ist dies eine zwischen einem Mann und einer Frau, sie kann, muss aber nicht die zusätzliche Komponente Dom/Sub bis hin zu Herr/Sklavin enthalten. Wenn meine gleichberechtigte Partnerin mir Rechte einräumt, so tut sie das hoffentlich nie aus einer Position der Schwäche heraus, sondern aus einer der Stärke. Wir entscheiden gemeinsam, dass für uns in einigen Bereichen ein Machtgefälle gilt, außerhalb dieser Bereiche bleiben wir aber gleichberechtigt. Die jeweiligen Rollen befriedigen unserer Bedürfnisse. Kann etwas, das der Bedürfnisbefriedigung beider dient, und auf das sich beide einlassen, und das von beiden beendet werden kann, ein Verlassen der Augenhöhe darstellen? Wenn Sub dann noch jederzeit äußern darf, was ihre Bedürfnisse sind und Dom diese Bedürfnisse nicht aus den Augen verliert, ist das nicht eine Augenhöhe? Fragen, die auch für mich nicht leicht zu beantworten sind.

Ich sehe die Augenhöhe als Metapher, sie zeigt nur den Stand, den ich genieße und nicht die Stärke, die in mir wohnt. Wenn ein Ritter sein Knie vor einem König gebeugt hat, tat er dies weil das eben sein Stand war. Wenn also ein edler Ritter sein Knie vor einem schwachen König beugt, wer ist dann der, der wirklich Stärke besitzt? In meinen Augen der Ritter und daher ist Augenhöhe eben nur etwas, das den Stand zeigt, nicht aber ein Ausdruck von Stärke oder selbst von Macht. Also ja, ein intensives Machtgefälle kann dazu führen, dass Partner nicht mehr auf einer Augenhöhe agieren. Dies führt aber ganz sicher nicht automatisch dazu, dass ein Partner deswegen schwach, unselbstständig oder gar zu einem reinen Objekt werden muss, im Gegenteil kann es sogar Ausdruck einer starken Emanzipation sein.

Weitere Ausführung zur Augenhöhe: Forumsthread und zur Emanzipation durch BDSM

Dominanz
Puh, immer dieser Eiertanz, was denn nun Dominanz ist. Dominanz bedeutet doch einfach nur der zu sein, der die Fähigkeit und den Willen hat, sich durchzusetzen. Demnach kommt es bei der Dominanz auf die eigenen und die Fähigkeiten der anderen beteiligten Parteien an. Gerade jene Menschen, die ihre Dominanz gerne betonen, scheinen mir im Kontext BDSM auch jene zu sein, die am liebsten extrem devote Personen suchen. Natürlich kann ein extrem dominanter Mensch eine sehr devote Person dominieren, aber bei so viel Dominanz muss er dies doch auch bei einer weit weniger devoten Person schaffen. Tja, und genau da sehe ich das Problem dieser selbsternannten naturdominanten Menschen. Ihre Suche nach möglichst ganz devoten Personen zeigt, dass sie meist einfach nicht dominant genug sind, mit einer selbstbewussten Sub die einen eigenen Kopf hat klarzukommen.

Weitere Ausführungen zur Dominanz: Gedanken zur Dominanz

Sühne
Ich hatte vor einiger Zeit das Thema, dass Sub um Bestrafung bitten kann. Damit ist nicht gemeint, dass Sub um eine SM Session bittet die als Strafe tituliert wird, aber eigentlich Spaß machen soll, sondern eben um eine wirkliche Strafe. So kann es vorkommen, dass Sub etwas getan hat und deswegen ein schlechtes Gewissen hat, mitunter sogar nachdem ihr Verhalten aus Sicht des Doms gesühnt ist oder eben vergeben wurde. In diesen Fällen kann eine Bestrafung durchaus sinnvoll sein, denn oftmals braucht das schlechte Gewissen einen adäquaten Ausgleich und dies kann eben eine, in den Augen des Doms mitunter sogar unverhältnismäßig harte, Strafe sein. Denn was ist schlimmer, ein schlechtes Gewissen das an einem nagt, oder eben einmalig ein schmerzliches oder anders negativ behaftetes Erlebnis, nachdem man sich frei von der Schuld fühlt. Sühne ist nämlich nicht nur etwas, das der Machtstellung dient, sondern kann eben auch sehr befreiend sein, wenn sie denn endlich erfolgt ist. Gesühntes Verhalten muss niemand vergessen, aber es sollte auch nicht gegen eine Person verwendet werden, mit der Sühne kommt nämlich auch die Absolution für das konkrete Verhalten. Vielleicht haben BDSMler hier sogar einen Vorteil zu einer normalen Beziehung. Sehr unpassendes Verhalten bei Sub kann, wenn es beide denn so wollen, auf einem Weg gesühnt werden, den andere Paare nicht beschreiten können. In dem Fall würde nichts ewig gären und nagen und nicht jeder hat die Fähigkeit, sich selbst oder auch dem Partner ohne Sühne zu verzeihen.

In meinen Augen gibt es noch einen zweiten Grund, als Sub um eine Strafe zu bitten, das ist die Loyalität zu dem eigenen Dom. Ich versuche fair und konsequent zu sein, aber diesen Anspruch kann ich sicher, besonders bei der Konsequenz, nie zu 100% erfüllen. Vielleicht bin ich einfach mal zu milde, weil ich ein vorhergehendes Fehlverhalten nicht auf dem Schirm habe oder gerade einfach unglaublich glücklich. Auch bin ich nicht allwissend und durchaus mal abgelenkt, somit werde ich nie jedes Fehlverhalten bemerken können. Was ist in solchen Fällen falsch an einem entsprechenden Hinweis? Wenn meine Sub mich darauf hinweist, ist das dann kein Angriff, sondern Hilfe und egal wie dominant man ist, Hilfe sollte man immer annehmen wenn es nötig ist. Wer natürlich Dom und Sub nicht als Team versteht, der wird eher dazu tendieren, dass solche Hinweise ein Angriff auf die eigene Dominanz darstellen.

Bei mir kann meine Sub also alles beichten und auch Strafen vorschlagen, ob ich auf den Vorschlag eingehe, ist dann ja allein meine Entscheidung. Entweder will sie die Strafe haben, damit danach ihr Gewissen beruhigt ist, oder eben aus Loyalität. Erstes finde ich legitim, zweitens finde ich einfach toll weil es mir zeigt, dass sie sich auch ihrer Verantwortung in unserer Beziehung bewusst ist.

Vertrauen
Vertrauen, eine ebenfalls beliebte Forderung von Doms an Subs. Für mich kann Vertrauen auf einem Gefühl oder auf Fakten beruhen. Vertrauen entsteht, wenn die betreffende Person davon überzeugt ist, dass etwas richtig ist. Vertrauen kann daher nicht vorausgesetzt werden, vielmehr muss es sich der Dom verdienen. Dieses gewinnt er, indem er sich öffnet und auch indem Fakten geliefert werden die zeigen, dass er sich redlich verhält und ganz sicher nicht, indem er Vertrauen von dem anderen verlangt. Wer das tut versteht nicht was Vertrauen bedeutet, und um welches Geschenk es sich dabei handelt, denn es ist eines, das so kostbar ist, dass man es nur ganz besonderen Menschen schenken darf. Aber Vertrauen ist beim BDSM keine Einbahnstraße, die nur von Sub zu Dom führt. Auch anders herum muss ich als Dom vertrauen können. Für mich ist es wichtig, dass ich darauf vertrauen kann, dass meine Sub ihrer Eigenverantwortung gerecht wird und ehrlich zu mir ist. Aber selbst das sind eben nur zwei Punkte von vielen, bei denen auch ich als Dom vertrauen muss.

Weitere Ausführung: Sisa und im Patenblog

Letzte Worte
Es wird wohl der letzte Blogartikel in diesem Jahr sein ;) Also scheut euch nicht, ihn fleißig zu kommentieren, auch wenn es mal ein paar Tage dauert mit der Freischaltung der Kommentare, verloren geht hier sicher nichts. Meine Motivation zu bloggen ist vor allem das Feedback, denn es sind meine Gedanken, die ich hier in Worte fasse und somit gibt es meist wenig neue Erkenntnisse beim Verfassen. Neue Perspektiven erhalte ich mitunter aber durch eure Sichtweisen, wenn ihr sie mir denn mitteilt ;)

Ich wünsche meinen Lesern eine schöne Weihnachtszeit im Kreise der Liebsten und einen guten Rutsch in ein hoffentlich erfolgreiches, gesundes und glückliches neues Jahr.

Liebe Grüße

Euer Gentledom


Kommentare:


Sarah schrieb am 08.02.2016


Hallo,

Ihre Gedanken zur Dominanz widerspiegeln zu 100 Prozent meine. Ein "wahrer"dominanter Mann scheut sich nicht vor einer dominanten bzw. starken Sub. Mir wurde im Forum gesagt, dass an mir nichts Devotes ist- im Gegenteil, dass ich dominant bin. Ich hingegen bin der Meinung, dass ich bisher keinem Mann begegnet bin, der mich dominieren konnte. Dass es diesen Mann aber gibt! Ich finde es schade, dass Doms von mir abgeschreckt sind, dass ich zu kompliziert bin, dass dir Arbeit, die sie in mich investieren müssten, nicht wert wäre.
Ich lese Ihren Blog sehr gerne.
Liebe Grüße, Sarah


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Ich denke auf jeden Topf passt ein Deckel :) Wünsch dir Glück und Erfolg bei deiner Suche :)

michael schrieb am 27.01.2016


Ist eigentlich kein kommentar!
Bin ,wie sagt mein Frau ,ein Normalo. Bin seit kurzem mit einer SUB zusammen,Liebe sie über alles!
Habe aber angst sie zuverletzen,obwohl sie mich drum bittet,hätte gern ein paar tips wie ich ihr gerecht werden kann ? Klar gibt es einige spielchen die mich interessieren ,aber hab angst ihr weh zu tuen!!


Antwort auf diesen Kommentar

Genau dafür ist diese Seite da, lies dir in Ruhe die ganzen Ratschläge und Erfahrungsberichte durch, das wird sicher helfen. Zudem haben wir noch das Forum wo es auch viel zu diesem Thema zu lesen gibt.

Lisanne schrieb am 27.01.2016


Hallo Gentledom,

nachdem ich diesen Beitrag gelesen habe und selbst immer wieder darüber nachgedacht habe, wie ich die verschiedenen Begriffe eigentlich sehe oder welche Erwartungen ich damit verbinde, muss ich jetzt auch etwas dazu schreiben und finde endlich die Zeit dazu. ;) Deshalb hier auch von mir Ansichten einer Sub zu einem Teil der Schlagworte:

Demut:
Das ist für mich etwas sehr Schönes. Ich finde auch, Demut lässt sich, wie Du das bei anderen Begriffen schon angedeutet hast, nicht nur auf den Bereich BDSM anwenden, sondern ist in meinen Augen eine innere Haltung, die auch andere Lebensbereiche berühren kann. Deswegen würde ich eher den Begriff ‚Akzeptanz’ als ‚Unterordnung’ wählen, wenn wir die Demut mal aus dem erotischen Kontext lösen.
Im Hinblick auf BDSM ist Demut für mich damit verbunden, meine Position innerhalb des Spiels zu akzeptieren, zu genießen und zu er-leben ... in dem Fall wohl schon eine Unterordnung. Für mich gehört dazu der wirklich aus tiefstem Herzen empfundene Wunsch, meinem Dom zu dienen und ihm Lust zu bereiten, auch wenn ich etwas tue, was ich in dem Moment gar nicht unbedingt mag – solang sich das innerhalb definierter Grenzen des Spiels bewegt. Ich ziehe einen Teil meiner Lust und auch ein Glücksempfinden aus dem Erleben, seine Bedürfnisse zu stillen. Trotzdem entstehen immer wieder Momente, in denen ich nicht einsehe, mich zu fügen, weil ich ja trotzdem meinen eigenen Kopf hab...dann muss Dom eben schauen, wie er das hinbekommt. ;)
Allerdings habe ich, wenn ich Anzeigen mancher Doms so lese, das Gefühl, hier wird die offen eingeforderte Demut (gern kombiniert mit ‚absoluter Tabulosigkeit’...) mit Selbstaufgabe verwechselt .... und an dieser Stelle läuft man in meinen Augen Gefahr, den Bereich einer gesunden Erotik/Lebensführung zu verlassen.

Hingabe:
Hm, ja – kann man eben auch völlig losgelöst vom BDSM-Kontext betrachten und in vielen Lebensbereichen finden. Hingabe heißt für mich, dass man bei den Dingen, die man tut, eine starke innere Beteiligung erlebt; einen starken, auch emotionalen, Antrieb hat und darin vollkommen aufgeht – das heißt also, in einer BDSM-Beziehung sind doch beide Partner mit Hingabe dabei, oder nicht? Und wenn Dom, wie in Deinem Beispiel, beschließt, sich vollkommen auf die Orgasmen von Sub zu konzentrieren, weil es ihm Lust bereitet, genau das in dem Moment zu tun – hat er gar nichts von seiner Dominanz verloren, war aber mit absoluter Hingabe bei der Sache. *lächel*
Ich glaube, was damit mitunter gemeint ist und so verwende ich den Begriff auch oft – Hingabe im Sinne von ‚ich gebe mich seiner Führung hin und gebe gleichzeitig die Kontrolle ab’ – wobei mir beim Schreiben gerade klar wird, dass sich hier verschiedene Aspekte vermischen und für mich eine starke Nähe von Hingabe und Demut entsteht – was nicht zwingend der Fall ist, aber für mein eigenes Erleben gilt. ‚Etwas im Hier und Jetzt mit voller Aufmerksamkeit zu tun’ – wäre im Übrigen auch eine sehr treffende Beschreibung für Achtsamkeit *frechgrins*

Augenhöhe:
Das ist ein ganz spannendes Thema und dieser Begriff wird ja auch ganz oft bemüht, wenn das eigene BDSM beschrieben wird oder zum Beispiel die passende Sub gesucht wird und oft ertappe ich mich dann dabei, an der Augenhöhe zu zweifeln, wenn ich lese, was dann alles von Sub erwartet wird und wie Dom wohl so sei...letztlich muss hier auch wieder jeder seinen Weg finden. Ich habe ja bisher nie eine Partnerschaft erlebt, die eine BDSM-Komponente (in meinem Fall wäre es wohl eindeutig der Wunsch nach D/s) enthält und ich frage mich da schon manchmal, wie man das wohl hinbekommen kann – aber Deine Beschreibung finde ich da sehr nachvollziehbar. In meiner Spielbeziehung kann ich sagen, dass ich tatsächlich Augenhöhe erlebe und das auch sehr schön finde. Wir haben definierte Rollen, die wir beide ausleben möchten und in diesen Stunden gibt es ein Machtgefälle, das wir Beide konkret so haben möchten – das allein ist aber nicht, was uns verbindet. Da hat sich eine Freundschaft entwickelt und unser Kontakt geht über die Spielstunden hinaus. Wir nehmen am Leben des anderen teil; können sehr schöne Gespräche führen, die gar nichts mit BDSM zu tun haben müssen; können viel miteinander lachen und nie habe ich dabei den Eindruck, mein Dom würde auf mich herabschauen...

Dominanz:
Hmmmm...bedeutet für mich, dass ich mich durchsetzen kann – auch, wenn es mal schwierig wird, dass ich Situationen nach meinen Vorstellungen gestalte, andere führe....deshalb schließen sich Dominanz und Devotion ja auch nicht aus, sondern können beide zum Tragen kommen – eben in unterschiedlichen Bereichen.
Was mir in letzter Zeit auffällt, ist, dass sich die ‚echten’ Doms...also die, die ‚wirklich ganz ehrlich’ dominant sind und nicht mit so ‚weichgespülten’ Begriffen wie Einfühlungsvermögen um die Ecke kommen (dann soll Sub nämlich ganz schnell weiterklicken, weil dominant und einfühlsam offenbar sich ausschließende Konzepte darstellen), sich als egoistisch und rigide bezeichnen...jetzt lasse ich den Egoismus mal weg, der könnte seine eigene Begriffsbestimmung bekommen, aber – rigide? Was soll mir das als Sub denn sagen? Nun sehe ich den Begriff berufsbedingt eventuell besonders ungünstig – aber rigide sein heißt zunächst mal, nicht flexibel auf sich verändernde Situationen reagieren zu können. Juchhu...sowas wünscht Sub sich natürlich...das wirkt dann auch ganz doll dominant.
Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es genügend Personen gibt, die es toll fänden, dominant zu sein – weil sie in ihrer Fantasie dann endlich bekommen, was sie schon immer wollten...aber in der Realität war dann nicht viel davon zu spüren – im ungünstigsten Fall konnte ich Aggressivität und Rücksichtslosigkeit erkennen, aber keine Dominanz. Ich durfte auch einen ‚Dom’ kennenlernen (über online gingen solche Erlebnisse nie hinaus, man kann mit der entsprechenden Aufmerksamkeit sehr viel zwischen den Zeilen lesen), der zwar einen ausgeprägten Sadismus zur Schau stellte, allerdings auch nicht den Hauch dominant wirkte...und schlichtweg nicht in der Lage war, mit mir umzugehen.

Ach...die anderen Begriffe lasse ich jetzt mal weg, sonst wird das zu lang. Insgesamt ist mir einmal mehr klar geworden, wie gut ich mich bei meinem Dom aufgehoben fühle und wie wichtig es mir mittlerweile geworden ist, meinen Bedürfnissen auch Raum zu geben. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, wie das in einer Partnerschaft wäre anstelle der Spielbeziehung, aber vielleicht kommt das ja auch mal...


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Hallo Lisanne,

vielen Dank für deine Ansichten und auch deine Beobachtungen aus der Szene. Ich bin echt froh keine suchende Sub zu sein, denn du bist nicht die erste und wirst wahrscheinlich auch leider nicht die letzte sein die an solche Doms geraten ist. Umso wichtiger ist es sich eben vorab selbst zu überlegen was man will und wo die eigenen Grenzen liegen. Aber wie es scheint hast du ja dann doch noch einen vernünftigen Dom gefunden :)

Liebe Grüße

Gentledom

hummel schrieb am 27.01.2016


Sehr interessant die vielen Sichtweisen und Deutungs- Möglichkeiten zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Auch wenn ich ein Neuling im Bereich BDSM bin so habe ich dennoch auch meine Sichtweise

Wenn sich die Kraft der Seele offenbart tut sie es durch Demut.
Demut ist das Licht der Seele das sich nach allen Seiten ausbreitet.
Der Demütige erkennt und akzeptiert aus freien Stücken, dass es etwas für ihn Unerreichbares, Höheres gibt.
Demut, Stolz und Stärke stehen in keinen Widerspruch zu einander, ganz im Gegenteil.
Im Momenten der Demut ergibt sich nicht die Frage der Augenhöhe, ich denke sie ist genau dann erreicht.

Liebe Grüße


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Vielen Dank für das Feedback, so etwas motiviert immer neue Artikel zu veröffentlichen :)

June schrieb am 24.01.2016


Hallihallo,

nachdem ich eine ganze Weile an diesem Artikel sass, mag ich ein paar Zeilen dazu hinterlassen. :)

Demut
Ist Demut wirklich auch eine Unterordnung? Ich empfinde es als zwei Aspekte, die gemeinsam auftreten können, aber nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen.
Demut ist für mich das Verneigen vor etwas oder jemandem, zu dem ich auf sehe. Es ist das allumfängliche Anerkennen von "Größe", welcher Natur auch immer. Gegenüber einem Menschen in direktem Umgang sehe ich es als ein Geschenk. Empfinde ich Demut, fühle ich mich zwar "klein", aber ordne mich nicht automatisch einem fremden Willen unter. Ebenso kann sich ein/e Sub in die Hand des Dom begeben und sich ganz seinem Willen unterordnen, auch ohne Demut zu empfinden.
Deinem letzten Satz in diesem Abschnitt "Demut hat aber bei gesunden Beziehungen zwischen gesunden Menschen auch immer natürliche Grenzen." würde ich nicht die Demut zuordnen, sondern die Unterwürfigkeit. Eine Unterordnung, die umschlägt in eine zu starke Unterwürfigkeit, bekommt leicht einen ungesunden Charakter. Hinter einer bewussten und gewollten Unterordnung ist Stärke, die bei der Unterwürfigkeit verloren geht.

Augenhöhe
Ist das Unterordnen nicht das bewusste und freiwillige Verlassen der Augenhöhe? In Phasen gelebten Machtgefälles können sich die Beteiligten eigentlich nicht auf Augenhöhe begegnen, sonst wäre jenes Gefälle aufgehoben. Augenhöhe steht für mich in engem Zusammenhang mit "Weisungsbefugnis", deshalb hinkt für mich Deine Ritter & König Metapher.

Deine Gedanken zu Hingabe, Begehren, Vertrauen: D'accord. :)

Liebe Grüsse
June


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Hallo June,

ein äußerst interessanter Blickwinkel bei der Demut! Bei der Augenhöhe werden wir nicht auf einen Nenner kommen da wir dies wohl unterschiedlich definieren, dennoch finde ich deine Gedanken interessant, Blickwinkel können eben unterschiedlich sein.

Liebe Grüße

Gentledom

blue-eye schrieb am 19.01.2016


Hallo Gentledom!
Ich bin neu hier und auf dem Gebiet BDSM eher noch ein "Grünschnabel" ;-)

Ich finde deine Ansichten und Gedanken sehr anregend. Ich stelle fest, dass ich lange noch nicht so reflektiert bin, wie andere hier. Aber ich bin froh über jeden Gedankenanstoß, denn letztlich öffnen diese wieder neue Türen zu sich selbst und das ist schließlich immer spannend!

Ich manchen deiner Ansichten kann ich dir spontan zustimmen, z.B. was die Nr. 1 in einer Liebesbeziehung betrifft. Hingegen in einer Spielbeziehung müsste ich mir erst eine Meinung bilden. Da fehlt dann wohl die Erfahrung...

Vertrauen und Eigenverantwortung ist, denke ich, unumgänglich, um sich aufeinander einzustellen und auch um sich fallen lassen zu können. Und dazu gehört ganz klar auch Ehrlichkeit. Ohne die gibt es kein Vertrauen.

bzgl. dem Punkt Dominanz habe ich auch aus deinen anderen Beiträgen den Eindruck, dass du da eine "gesunde" Einstellung hast. In diesem Punkt stimme ich dir voll zu.

Was alle übrigen Punkte betrifft, werde ich mir mehr Zeit nehmen, mir eine Meinung zu bilden und den Blog sicher noch öfter lesen, um in mich reinzuhören.

Zum Schluss möchte ich noch los werden:
Diese Seite ist eine echte Bereicherung! :-)

Fröhliche Grüße, Blue-eye


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Hallo Blue-eye,

ich hoffe du bist dann noch oft hier und meine Texte helfen dir, dich besser zu verstehen und dich zu finden :)

Liebe Grüße

Gentledom

Kalisha schrieb am 11.01.2016


Danke an Gentledom. Es ist schön zu lesen, dass ein Dom versteht, was Nummer 1 sein bedeutet. Ich kann mich all diesen Gedanken nur anschliessen und bin sehr dankbar, dass ich dies lesen konnte und weiss, dass es die Wahrheit ist.
Beste Grüsse, Kalisha


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Schön wenn meine Gedanken verstanden werden, wobei sie sicher nicht jeder auch teilen muss :)

Ek schrieb am 21.12.2015


vielen Dank an dich und für die Einsichten der Kommentatoren,

"vielen Dank", unter anderem kann das auch als Ausdrucksform von Demut gewertet werden.

Demut- Anerkennung
"Ich sehe ein, dass ich klein bin. " nein nicht klein, mit klein versucht man eine Größe zu beschreiben, klein im Gegensatz zu was? Vielleicht ist es zu verlockend, zu einfach diesen Begriff in Verbindung mit Demut zu verwenden.

Hingabe- man tut etwas mit Leidenschaft, Die Ausführung selbst, für jemanden oder für sich selbst. Bei einem selbst, schwingt etwas Eigennutz mit. Hingabe ist das Fundament und endet in der freiwillig bestimmten Selbstaufgabe.
Die Hingabe ist in dem Ausüben, ein Geschenk ohne Erwartung an ein bestimmtes Ergebnis.

Augenhöhe ist für mich ein Messpunkt in der Wertschätzung, dessen Ergebiss der Respekt oder die Akzeptanz des Gegenüber ausdrückt.
Mit meinem Handeln kann ich den Grad der Dankbarkeit ausdruck verleihen.

Dominanz, die extremste Form von Dominaz ist der Sadismuss und bei mir klingelt es immer wenn Personen ihre Dominanz betonen müssen, dies hinterlässt den faden Beigeschmack bei mir, das diese Person etwas zu kompensieren hat.
Je länger ich darüber Nachdenke, wäre der versöhnlichste Begriff als Ersatz für die Dominanz, die Führung.

Vertrauen, ja der wichtigest Punkt ist, das muss man sich verdienen. In dem ich jemanden vertraue zeichne ich auch ein Bild meiner Gedankenwelt
und gebe dem Gegenüber einen Freiraum sich darin mit seinem Handeln zu bewegen.
Ich denke, wenn jemand in einem D/S Verbindung die Aufforderung "Vertraue mir"
verwendet, hat der, der diesen Satz verwendet ein Kommunikationsproblem. Es spiegelt die Unsicherheit wieder, wie der andere reagieren könnte, was mir vielleicht nicht gefallen könnte.

Rückblickend auf den Blogeintrag und den Antworten dazu, bin ich der Überzeugung das wir alle das wichtigste erkannt haben.
Die Zeit, sich die Zeit zu nehmen seine Gedanken nieder zu schreiben zu teilen und sich mit Ansichten zu beschäftigen.
Sich selbst zu hinterfragen.

Ein frohes Fest allen und glückliche Feiertage, was auch immer mann oder frau darunter verstehen möchte ;)


Antwort auf diesen Kommentar

Vielen Dank für diese weitere Sichtweise :)

Annika schrieb am 20.12.2015


vielen Dank für deine Gedanken.

Für mich steht gar nicht zur Debatte, dass zwei Menschen, die in einer Beziehung miteinander sind (egal ob Liebes- oder Spielbeziehung) Teil EINES Systems sind. Durch die Verbindung mit einem Menschen schafft man etwas neues... sozusagen etwas zwischenmenschliches. Und für eine - wie du es nennst - gesunde Beziehung gehört es wohl, dass man sich gegenseitig in möglichst vielen Facetten und Eigenschaften sieht und annimmt. Wenn zu der Beziehung gehört, dass man sich als Sub und Dom begegnet, dann gehört eine demütige Haltung von Sub zu Dom in diese Beziehung mit hinein. Und wie bei so vielem muss man individuell entscheiden, wo die Grenze der Demut dann ist.

Beim Thema Hingabe will ich nur ergänzen, dass für mich bei diesem "ganz in etwas aufgehen" auch ein Ausblenden von allem anderen stattfindet. Ich vergesse alles was um mich herum stattfindet und bin nur noch in dem einen Moment. Es ist ein Aufblühen, ohne mich zu verlieren... ich habe das Gefühl mich völlig aufzulösen um dann zu bemerken, dass ich ganz intensiv bei mir bin. Das passiert, wenn ich Musik mache, ein Bild male oder wenn ich tanze... und auch in den Armen meines Liebsten.

Vertrauen und Verantwortung sind Themen, die für jeden und jede Beziehung sehr individuell sind. Ich denke das sind Begriffe, die durch die persönlichen Erfahrungen und so weiter sehr geprägt sind. Das schwierige ist, dass sie sich immer auf etwas beziehen. Verantwortung für was und wen, wofür und weswegen und wovor bin ich denn verantwortlich? Und die Fakten, aufgrund deren ich vertraue sind Taten. Man kann viel reden... was zählt ist die Handlung (also wenn mich das gelaber überzeugt hat). Und Vertrauen ist ein Gefühl. Das kann ich nicht durch logisches Denken erzeugen. Es ist da oder es ist nicht da und es braucht Zeit zu wachsen, weil es damit zusammenhängt, wie gut ich jemanden kenne.

Zu allem anderen sage ich jetzt mal nichts mehr. Sonst wird der Kommentar so lang ;) Wünsche eine fröhliche und ausgelassene Weihnachtszeit.


Antwort auf diesen Kommentar

Ich hätte nichts dagegen gehabt noch mehr von dir zu lesen ;) Vielen Dank für die interessanten Einblicke :)

Schallgewitter schrieb am 17.12.2015


Hach welche Freude, da beglückt uns der Gentledom noch einmal mit ein paar Gedankengängen in Zeilenform zum Jahresende. Dabei dachte ich schon ich bekomme erst im nächsten Jahr ein paar neue Zeilen von dir zu sehen. Das hier ist immerhin der eine Blog, den ich rein zeitlich gesehen am längsten von allen lese.

Die einzige Stelle die mir etwas seltsam anmutet ist die "polyamor" Stelle. Hau mich nicht wenn ich es total falsch verstehe, aber auch in polyamoren Beziehungen gibt es nur eine Nummer Eins. Es ist halt nur so das diese Eins nicht zwangsweise auch ein einziger Mensch sein muss.

Jetzt mal so von mir ich habe halt zwei Einsen (oder Einer?) keiner ist wichtiger als der Andere. Ich kann und könnte auch keinem meiner Männer den Vorzug geben weil ich sie beide gleich liebe, weil ich mir um beide gleich Sorgen mache wenn etwas ist, weil sie beide gleich stark mein Herz und meine Seele berühren. Wenn ich müsste würde ich für jeden der Beiden ohne zu Fragen ans Ende der Welt zu Fuß gehen. Die zwei sind einfach meine unangefochtene Eins unabhängig davon wie viele Menschen sie am Ende einzeln sind.
Sorry ich versuche was zu erklären das man eigentlich nicht erklären kann :/

Okay ähhhm das war jetzt für meine Verhältnisse echt viel Kitsch und Schmalz. Schieben wir das einfach auf erhöten Schokoladen Konsum oder die Jahreszeit ...

Fakt ist ich freue mich schon auf das was in Zukunft hier noch kommen mag, und wünsche dir ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr!


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Schall,

nun ich habe nie polyamor gelebt und sehe es rein mathematisch, für mich kann es immer nur eine Nr. 1 geben. Wenn ich zwei Partner hätte und einer will nach Peking ziehen und der andere nach Miami oder will eben bleiben, muss ich mich ja für einen entscheiden mit dem ich zusammen leben will. Auch bei anderen Dingen wird man sich in Extremsituationen entscheiden müssen aber es mag sehr gut sein, dass man im Alltag da sehr gleichberechtigte Partner an seiner Seite hat, keine Ahnung ich habe keine Erfahrung mit dieser Art der Beziehung.

So nun mache ich mich aber wieder über die Kekse her :)

 

Liebe Grüße

Gentledom

Corina schrieb am 17.12.2015


Hallo Mr. Gentle,

also zu erst einmal finde ich es sehr schön, dass du uns zum Jahresende doch noch mit einen deiner Gedankengänge verwöhnst.

Jetzt komm ich aber mal zu den vielen springenden Pünktchen.

Demut empfinde ich in der freien Natur. Dort merke ich am Deutlichsten, was ich doch eigentlich für ein kleiner Teil von diesem gewaltigen Ganzen bin. Ich fühle mich dabei aber nicht unwohl. Ich bin stolz darauf. Ich finde demütig zu sein, schließt den Stolz nicht aus. Auf eine Dom-Sub Beziehung bezogen sehe ich es genauso. Ich wäre in einer reinen Spielbeziehung nur ein kleiner Teil von seinem Leben und auch das sehe ich als einen Grund an Stolz darauf zu sein, dass er mir seine Zeit widmet. Im Allgemeinen noch mal. Ich bin auch demütig gegenüber glücklichen Momenten. Da ist es aber kein Stolz, sondern eher Freude, die ich aber nicht als selbstverständlich ansehe. Oder ist das Bescheidenheit? Gehört Bescheidenheit vielleicht auch ein wenig zur Demut dazu?

Hingabe. Ein großes Wort. Ich gebe mich dir hin.. Diese Worte hören sich sehr schön an aber es gibt da so einige Knackpunkte. Ich gebe dir recht, auch ich kann mich für ein Projekt (Bastel- oder Backwerk und Co.) begeistern und gebe alles dafür, achte auf Details bis es beendet ist. Danach bleibt nur noch die Freude, bis zur Übergabe. Ist es dann eher etwas Vergängliches, zeitlich begrenzt? Noch einmal... Ich gebe mich hin. Es klingt so selbstlos. Ich bin in mancher Hinsicht bescheiden, erwarte wenig aber selbstlos, nope, das bin ich nicht. ;)) Es sollte in einer gesunden Dom und Subbeziehung ein gegenseitiges Geben und Nehmen herrschen. Übrigens gehört gegenseitiges Vertrauen dazu.

Was mich interessiert, was fühlst du dabei, wenn du in deiner Hingabe (bei Bastelarbeiten) aufgehst? Oder ist diese Frage zu persönlich. Dann rüge mich. Ich kann es aushalten. :)

Begehren als einen egoistischen Anspruch anzusehen diese Ansicht teile ich nicht mit dir. Es gibt auch verschiedene Arten von Begehren. 1. Ich begehre etwas, weil es viel zu unerreichbar ist, als das es mir gefährlich werden könnte. Aber der Reiz ist trotzdem da.
2. Ich begehre etwas von ganzen Herzen und kämpfe mit fairen Mitteln darum. Hm, okay das klingt egoistisch aber manchmal muss man auch etwas gesunden Egoismus an den Tag legen. Aber als Wettbewerb sehe ich es dabei nicht an.

Ganz ehrlich, ich habe noch nie außer von Betrunkenen auf der Straße gehört, dass ich begehrenswert wäre. Liegt vielleicht daran, weil ich nichts wirklich Geheimnisvolles an mir habe. ;)) Das Gefühl habe ich aber schon von Ex-Partnern durch Körpersprache vermittelt bekommen.

Nummer 1, da habe ich nichts Nennenswertes hinzuzufügen.

Augenhöhe bedeutet nicht, man bewegt sich im selben Level, es ist nur eine anderes Wort für Respekt seinem Partner gegenüber zu empfinden. Außerdem akzeptiere ich, dass ich nicht alles weiß und stecke zurück, wenn ich falsch liege. Es sei denn ich würde ihn necken wollen. ;)) Es ist aber keine Einbahnstraße. Zitat von dir: " Wenn Sub dann noch jederzeit äußern darf, was ihre Bedürfnisse sind und Dom diese Bedürfnisse nicht aus den Augen verliert, ist das nicht eine Augenhöhe?" Yep, ist es, denn es zeigt den Respekt für einander. Diese Augenhöhe in einem intensiven Machtgefälle verlieren, Nein, das würde ich nicht so sehen. Was ist es dann? Tja, ich weiß es aber ich kann es noch nicht benennen. Das ist doch etwas, was nur beide Partner teilen und wichtig ist, dass sie sich beide nicht aus den Augen verlieren. ;)) Denn darin liegt die Herausforderung in einer Liebes- und Dom/Sub-Beziehung.

Habe ich eine Liebesbeziehung mit meinem Spielpartner, dann ist es Stärke ihm demütig von unten in die Augen zu blicken.

Dominanz.... Auf den "Eiertanz" lass ich mich von dir nicht aufs Parkett führen. ;))

Sühne... habe ich bisher noch nicht so erlebt. Ich gestehe mir aber Fehler auch gerne selber ein und entschuldige mich. Sühne wär dann also eine besondere Art der Entschuldigung, die nicht nur mit Worten beglichen werden kann. Was mir gerade durch den Kopf geht, ist es auch eine Sühne, wenn Sub den Fehler mit Absicht begeht und dann aber nur den Fehler und nicht die Absicht beichtet? Das würde ich eher als den Versuch ansehen eine Bestrafung zu forcieren.

Vertrauen.. Ich habe schon so oft geschrieben, dass Vertrauen nicht etwas ist, was ich einfach so verschenke. Ich schenke nur meinem Gegenüber die Möglichkeit mein Vertrauen zu gewinnen und da du ja schon so treffend meintest, es ist keine Einbahnstraße. Da stimme ich dir wieder zu. Vertrauen gegen Vertrauen. Sonst passt es nicht.

Vertrauen ist wie ein Generalschlüssel....

Ich weiß nicht, ob du in den Zeilen von mir, einige neue Aspekte finden kannst, dennoch finde ich, dein Blog hat es verdient nicht unkommentiert zu bleiben. ;)) Ganz ehrlich, ich bin auch ein wenig egoistisch. Ich freu mich nämlich schon auf neue "Gedankenergüsse".

Bis dahin wünsche ich dir auch besinnliche Festtage im Kreise deiner Lieben und Liebsten und rutsch gesund ins neue Jahr.

LG

Corina


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Muffinfee :)

wir müssen, außer bei der Auswahl von Muffins die für meinen Gaumen bestimmt sind, ja nicht immer einer Meinung sein ;) Wichtig ist es eine gemeinsame Diskussionsbasis zu finden oder aber den anderen zumindest zu verstehen.

Bei der Demut gehen wir von ganz unterschiedlichen Definitionen aus, ich kann deine durchaus verstehen, würde ihr aber eben nicht an den abweichenen Punkten folgen wollen.

Bei der Hingabe ist es wie beschrieben mich ganz auf etwas oder jemanden zu fokussieren und mich auf dieses einzulassen.

Tja beim Begehren werden wir nicht auf eine gemeinsame Definition kommen. Auch mit fairen Mitteln zu kämpfen wird sehr viel weiter gesponnen egoistisch sein. Ich ordne der Zielerreichung nämlich meinen Verhaltens- oder Moralkodex unter, weil es mir die Sache nicht wert ist diesen Kodex zu verraten. Je mehr ich etwas will, umso mehr bin ich bereit dafür zu geben, eben weil ich es will. Begehren hat häufig einen Preis und der Egoismus ist Teil dieser Rechnung.

Sühne ist für mich nur möglich wenn sie umfassend ist, man kann nicht ein halbe Wahrheit auftischen und denken wenn dies geklärt ist wäre alles gesühnt. Vielleicht führt eine solche Halbwahrheit sogar zu einem noch größeren Vertrauensverlust wenn es denn irgendwann ans Tageslicht kommen sollte.

So und nun kümmer dich wieder ein wenig um deinen kleinen Patienten ;)

 

Liebe Grüße

Gentledom

 

Krissi schrieb am 17.12.2015


Hallo GD!

Ich kann dir an sehr vielen Punkten zustimmen, aer das mit der Eigenverantwortung sehe ich anders. Ich will in einer Session fallen und loslassen und eben die Verantwortung abgeben um frei von allem zu sein. Wenn ich nun immer noch eine Eigenverantwortung im Hinterkopf hätte würde ich nicht fliegen können.

Liebe Grüße

Krissi


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Krissi,

 

ich kann durchaus verstehen was du meinst, aber ich glaube einfach auch du trägst während einer Session deinen Teil der Verantwortung. Kommt er mit eienr Kettensäge an sagst du hoffentlich nein ;) Aber auch ohne dieses Extrem gibt es viele Möglichkeiten seiner Verantwortung gerecht zu werden und dennoch den Kopf weitestgehend ausschalten zu können. In dem Fall muss man diese Arbeit nur gewissenhaft vorverlagern.

 

Wenn du dich fallenlassen willst musst du vorab die Grenzen des Spiels sehr klar definieren, du musst wissen was du deinem Körper und deiner Psyche zutrauen kannst und vor allem musst du einen gewissenhaften Partner finden, welcher einen Großteil der nötigen Verantwortung tragen und will und vor allem auch kann.

 

Also ich wünsche dir ganz viele wunderbare Flüge in deinen Sessions und auch, dass du immer aufgefangen wirst bevor es zu einem Absturz kommt.

 

Liebe Grüße

 

Gentledom

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