Ich gerate immer wieder an deutlich ältere Doms, wobei ich diese selbst nicht suche. Recht bald wird dann aus meinem Dom eine Mentor- oder Vaterfigur. Wie kommt es zu dieser ungewollten Dynamik?
Ein Altersunterschied ist beim BDSM nicht untypisch, gerade bei der Konstellation älterer Dom und deutlich jünger Sub. Viele ältere Doms schreiben auch bewusst jüngere Subs an, womit eine jüngere Sub häufig in Kontakt mit ihnen gerät und junge suchende Doms sind meist nicht so zahlreich vorhanden. Unabhängig vom Altersaspekt ist es eh immer ratsam bei der Partnersuche im virtuellen Bereich selbst den ersten Schritt zu gehen, das wäre aber ein anderer Artikel.
Als älterer Dom und jüngere Sub ,die sich häufiger in diesen Situationen wiederfinden oder diese sogar bewusst forcieren, stellen sich dabei zwei wichtige Frage. Zum einen kann ich auch mit gleichaltrigen solche Beziehungen führen oder ist das nicht möglich und zum anderen was für eine Beziehung ist dies und wird hier etwas kompensiert.
Bei einer Liebesbeziehung spielt BDSM zwar oft eine wichtige Rolle, sollte aber nicht das alleinige Fundament der Partnerschaft sein. Gerade bei großem Altersunterschied wird die gemeinsame Lebensplanung schnell zur Herausforderung. Unterschiedliche Lebensphasen, Erwartungen und Bedürfnisse stellen erhebliche praktische Probleme dar. Eine reine BDSM-Dynamik kann eine Liebesbeziehung zwar bereichern, sollte sie aber nicht ersetzen und hier können Hormone einem schnell etwas vorgaukeln, was gar nicht wirklich vorhanden ist. Wenn der Dom als Vater- oder Mentorfigur fungiert, besteht die erhebliche Gefahr, dass unbewusste emotionale Muster, etwa der Wunsch nach Ersatzbindung, die Beziehung prägen. Das ist keine gute Basis für eine gesunde Beziehung.
Bei einer primär sexuellen BDSM-Beziehung steht die Lust, das Spiel und die einvernehmliche Dynamik im Vordergrund, weniger gemeinsame Lebensplanung oder emotionale Integration im Alltag. Hier ist die Altersdifferenz oft Teil der erotischen Rollenspiele und weniger ein belastender Faktor für eine gemeinsame Zukunft. Die Gefahr emotionaler Abhängigkeit ist in der Regel geringer, wenn alle Beteiligten ihre Rollen bewusst voneinander abgrenzen. Aufgrund der mit BDSM verbundenen Dynamiken, kann aber auch hier weit mehr passieren als eben nur die gemeinsame Zeit im Schlaf- oder Spielzimmer. Eine Mentor- oder Vaterfigurrolle ist auch hierbei für viele Subs bedeutsam, weil sie Schutz, Orientierung und Erfahrung vermittelt. Das kann gerade in Phasen persönlicher Unsicherheit sehr stabilisierend wirken, bringt aber auch Gefahren mit sich, wie eben, dass der Dom leichter manipulieren kann oder sich vor allem Sub doch ungewollt (und in der Regel auch mittelfristig unglücklich) verliebt.
Älter zu sein bedeutet eben nicht automatisch, in einer gesunden Machtposition zu sein. Tatsächlich bringt ein großer Altersunterschied häufig eine ungleiche Machtverteilung mit sich, die über die BDSM-Rollen hinausgehen kann. Der ältere Partner verfügt nicht nur über mehr Erfahrung in BDSM, sondern oft auch über mehr Lebenserfahrung, soziale Sicherheit, finanzielle Mittel und emotionale Kontrolle. Das kann leicht in eine einseitige Machtposition kippen, vor allem, wenn die Grenzen zwischen Fürsorge und Kontrolle verschwimmen.
Solche Machtgefälle sollten selbstkritisch hinterfragt werden, insbesondere wenn der ältere Dom die Rolle des Mentors einnimmt, besteht die Gefahr, dass der Sub nicht mehr als gleichwertiger Partner wahrgenommen wird. Wenn dein Dom für dich zum Ersatz für unerfüllte Vaterbilder wird, besteht die Gefahr, dass BDSM nicht mehr auf freiem Konsens und eigenverantwortlicher Selbstgestaltung basiert, sondern zu einer Art emotionaler Abhängigkeit oder Reinszenierung früherer Beziehungsmuster wird. Diese Dynamik wird spätestens dann sehr kritisch, wenn du die Verantwortung für dein eigenes Wachstum aus der Hand gibst und deinem Dom quasi die Rolle des „Retters“ überträgst, auch wenn dies meist unbewusst erfolgt.
Ein verantwortungsvoller Dom wird dich dazu ermutigen, selbstbewusst und eigenständig zu handeln, anstatt dich in einer fürsorglichen Rolle festzuhalten, die mehr Schutz als Herausforderung bietet. Genauso wie er dich ermutigen sollte mit anderen BDSMlern aufzunehmen und, wenn ihr „nur“ eine Spielbeziehung führt, keinesfalls davon abhalten darf, jemanden zu finden den du liebst.