Ja, ich bin überzeugt, dass man nahezu jedem, der sich aufgeschlossen dem Experiment hingibt, den viel gerühmten „Lustschmerz“ vermitteln kann. Schließlich praktizieren auch manche Sauna-Freunde das Auspeitschen mit Fichtenzweigen nach dem Schwitzen – und genießen es, obwohl es für unbedarfte Dritte durchaus nach „aua!“ aussehen kann.
Lernbar ist aus meiner Sicht allerdings wirklich nur „Lust-Schmerz“ – und nicht die nur bestimmten Menschen zugängliche Variante, bei der Bottom den Schmerz „als Schmerz“ und das eher heftig erleben will, also über die Grenze hinaus gegangen wird, wo noch „Erotisierung“ möglich ist.
Lustschmerz im gemeinten Sinn ist einerseits der, der z.B. bei relativ sanften Schlägen und gleichzeitiger/abwechselnder sexuellen Stimulation die Geilheit steigert. Weiter rechne ich auch jene „schlagende Behandlung“ dazu, bei der Geilheit nicht im Vordergrund steht, sondern die Schläge als „heftige Massage“ ankommen und dann nach einigem „Anwärmen“ gesteigert werden, wobei sich die Schmerzempfindungsschwelle ebenfalls anhebt. Was zu Beginn noch recht schmerzhaft empfunden worden wäre, ist auf einmal angenehm und wird „rauschhaft genossen“.
Diese Art Genuss kann jeder, der sich drauf einlässt, lernen. Denn es handelt sich um rein physiologische Vorgänge (Endorphinausschüttungen etc.), die von der Psyche nicht mehr brauchen als ein „Ja, das will ich probieren!“ und das Wissen, bzw. die Anweisung, dass maximale Entspannung der betroffenen Muskeln der Türöffner zum Genießen ist. Sich verspannen bedeutet mehr Schmerz, entspannt man sich, tritt der Massagecharakter in den Vordergrund.
Was nicht lernbar ist, ist das vielen masochistisch und/oder submissiv Geneigten vertraute Verlangen, „ganz unten“ zu sein, also mittels grenzwertiger Behandlungen über den Genusslevel hinaus geführt zu werden: in jene Gefilde, wo Bottom echtes Leid erlebt und vielen dunklen Gefühlen begegnet: Wut, Trotz, Verzweiflung, Tränen etc.
Ebenfalls nicht lernbar ist die (seltene) Fähigkeit weniger Masos, auch heftige Schmerzen locker in Geilheit zu wandeln, womöglich dadurch zum Orgasmus zu kommen. Diese Art der Neigung ist allerdings auch wirklich selten – ganz anders, als viele glauben, die meinen, Masochist sei jemand, der durch echten Schmerz ganz ohne weiteres Lust empfinden kann.