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 index » Blogs » Clus BDSM » Ohne Nähe kein Gelingen: vom Absturz 

Ohne Nähe kein Gelingen: vom Absturz

Manchmal staune ich darüber, was so manche Einsteigerinnen (und nicht nur sie!) zu ertragen bereit sind, bevor sie sich auf sich selbst besinnen und zu einer erfüllenden Praxis finden.

Gerade las ich vom Erleben einer 18-Jährigen, die in ihren Sessions regelmäßig einen Absturz in die Leere erlebt: plötzlich sind die Gefühle weg, Worte verlieren jeglichen Sinn, lösen jedenfalls keine innere Resonanz mehr aus – inmitten äußerer Zweisamkeit bricht Einsamkeit auf, wie sie schlimmer nicht sein könnte und zu der sich die beiden Beteiligten ratlos verhalten, sofern überhaupt ein Austausch darüber stattfindet.

Nun: ich war mit 18 auch nicht in der Lage, meine Bedürfnisse zu erkennen und dem jeweiligen Mann gegenüber zu vertreten. Und da handelte es sich noch nicht um „dunkle Neigungen“, sondern um ganz gewöhnlichen Sex. Der ABSTURZ, der hier beschrieben wird, ist allerdings nicht ausschließlich jungen Menschen vorbehalten, sondern kann alle mehr oder weniger vehement treffen, die nicht im Einklang mit ihren Gefühlen agieren – und das ist im BDSM gar nicht so selten.

Der Schwung des Verlangens, das „Kopfkino“ endlich zu realisieren, trägt oft mitten hinein in eine Situation, die alles andere als „organisch gewachsen“ ist. Menschen lernen sich online kennen, wobei die Sicht auf das Gegenüber fast ausschließlich von der Suche dominiert ist: passt er oder sie zu den eigenen Fantasien? Ist er der Traum-Dom bzw. die Wunsch-Sub? Kann mit ihm / mit ihr gelingen, was ich ersehne??? Im Grunde sucht man den Schauspieler für die tragende Rolle im eigenen Lieblingsfilm. Das ist zwar eine Ehre für den dann Erwählten, doch nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für offene und ehrliche Kommunikation. Speziell dann nicht, wenn bereits von Beginn an oder in einem recht frühen Stadium „voll in der Rolle“ agiert wird – wenn sich die Partner in spe also nicht authentisch als ganze Personen verhalten und zeigen, sondern bereits ihr Bestes geben, um „gute Sub“ bzw. „toller Dom“ zu sein.

Insbesondere Anfänger/innen, verfangen sich so geradezu in den Ritualen des „Standardprogramms“, ziehen (um endlich Realität zu erleben) mit dem erstbesten Dom etwas durch, von dem sie glauben, DAS sei es jetzt, wobei es sich dann doch nur um ein bemühtes Theater-Spielen und „gut-sein-Wollen“ handelt. Keine wahrhaftige Kommunikation, kein wirklich spannendes Spiel, keine herzberührende Tiefe, kein freies Erforschen der Möglichkeiten – eben keine echte Begegnung der Seelen.

Jegliches Ritual ist dann nur eine hohle Geste – und wenn die Geilheit (die erotische und/oder die Erlebnisgeilheit) nachlässt, wird das auch deutlich gespürt. Sämtliche Zumutungen und selbst schmerzliche Behandlungen sind ohne Einbettung in eine psychisch-geistige und sehr PERSÖNLICHE Interaktion zwischen den Partnern völlig bedeutungslos – kein Wunder, dass es zum „Absturz“ kommt!

Wer zum Beispiel als Dom die Worte „Tu es für mich!“ gebraucht, sollte sich zuvor sicher sein, für Sub als Person bereits JEMAND zu sein, und als dieser jemand auch bedeutend! Und das, was verlangt wird, sollte auch etwas wirklich Gewolltes sein, nicht etwas, das Dom nur ansagt, weil es dazu gehört, bzw. weil Sub es vermutlich erwartet. Erst DANN kann sich die spezifische Psychologie zwischen den beiden Polen entfalten – nicht aber, wenn man bloß Sprüchlein aus einem Drehbuch aufsagt, das man nicht selber geschrieben hat.

Um die „zweite Wirklichkeit“ zu errichten und aufrecht zu erhalten, die es für gelingende Szenarien braucht, müssen die Partner einander nahe sein, was vor allem bedeutet:

• frei und offen über alles kommunizieren können (danach…später…), und zwar als GANZE Menschen, nicht nur in der jeweiligen Rolle;

• echtes Vertrauen haben (=so, dass du ihm PIN/TAN deines Bankkontos geben könntest ohne die geringsten Bedenken…);

• einander wirklich mögen – es muss nicht die große Liebe sein, aber Sympathie ist unverzichtbar.

Wenn dann noch die Bereitschaft hinzu kommt, das „Standardprogramm“, das in vielen Köpfen existiert, nach eigenem Gutdünken zu variieren, es mehr zu erforschen als bloß irgendwie „herunter zu spielen“, dann ist die Gefahr eines Absturzes gering, bzw, wenn es doch mal passiert, ist es wie eine versehentlich an falscher Stelle platzierte Strieme: nicht weiter wild!

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