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Als Sub Grenzen setzen

Immer wieder erscheinen in den einschlägigen Foren Berichte frustrierter und innerlich verletzter FemSubs, die von einem meist noch recht „fremden Dom“ mies und rücksichtslos behandelt wurden. In der Regel handelt es sich NICHT um Vergewaltigungen, sondern um Session-Erlebnisse, in denen Sub es versäumt hat, sich klar zu äußern, Grenzen zu setzen und deutlich (!) den Abbruch zu verlangen, wenn sie sich überfordert fühlt. Mir kommt immer das sprichwörtliche „Kaninchen vor der Schlange“ in den Sinn, wenn ich diese Schilderungen lese, denn allermeist hatte Sub jede Gelegenheit, sich weiteren „Behandlungen“ zu entziehen und zu gehen – tat es aber nicht.

Ich will hier nicht die Top-Seite diskutieren: dass da oft unsensible, rücksichtslose Männer die Unerfahrenheit einer Einsteigerin ausnutzen, ist ohne Frage wahr. Es hilft aber nicht weiter, nur über sie zu lästern, denn es wird sie immer geben. Sub ist im Gegenteil gefordert, sich über das eigene Verhalten Gedanken zu machen: Was ist da falsch gelaufen und wie lassen sich solche Flops verhindern?

Hier mal ein paar Punkte, deren Berücksichtigung sicher helfen würde:

Nicht dem eigenen Kopfkino aufsitzen!

In geilen Fantasien träumt Sub von der vollkommenen Überantwortung an Top: Sub will Machtlosigkeit erleben und der Willkür des dominanten Partners komplett ausgeliefert sein: „Seiner Lust dienen“, „benutzt werden“ und manches mehr erscheint in den feuchten Träumen als Gipfel submissiver Lust. Vom Top, der diese Wünsche erfüllen soll, wird erwartet, dass er seiner Verantwortung gerecht wird und sensibel und rücksichtsvoll die jeweiligen Grenzen auslotet – ganz so, als mache erotische Dominanz (oder der Wille dazu) schon einen vertrauenswürdigen Charakter. Welch ein Irrtum! Und nicht nur hierüber irrt so manche Einsteigersub, sie weiß üblicherweise auch noch nichts davon, wie sehr die feuchten Träume und das reale Erleben auseinander klaffen können. Das zu erforschen, ist ein risikoreiches Unternehmen, das nicht mal eben so mit XYZ erfolgreich zu bestehen ist, wenn nicht noch ein paar andere Voraussetzungen stimmen.

Kenne deinen Top!

Da man Menschen mit passender Neigung nur selten im eigenen Alltag findet, hat sich eine Dating-Kultur entwickelt, in der man nach ein paar Mails und Telefongesprächen sehr schnell zur Sache kommt. Man hat sich virtuell über das Nötigste ausgetauscht, nun braucht es nur noch einen kurzen „Schnuppertest“ beim Kaffee, um auch schon gleich loszulegen. Wer hat schon Lust, hunderte Kilometer zu fahren, um dann bloß ein bisschen zu plaudern und zu flirten, wie vorsichtige Zeitgenossen immer wieder raten?

Neugier und Erlebnisgeilheit führen oft genug dazu, warnende Bauchgefühle zu ignorieren, und manche gehen soweit, sich von Männern fesseln zu lassen, deren realen Namen sie nicht kennen – das ist Hochrisiko! Und zwar nicht, weil die abgedrehten Psychopathen unter SMlern dichter gesäht wären als unter Vanillas, sondern weil es Vertrauen braucht, um eine Session zu einem erfolgreichen „Tanz für zwei“ zu machen. Kein GETRÄUMTES Vertrauen, sondern eines, das auf Fakten beruht: das Gegenüber sollte mit seinen realen Daten und Umständen BEKANNT sein (denn nur so muss er um seinen Ruf fürchten), und die zwischenmenschliche Atmosphäre sollte es erlauben, alles sagen zu können, was Sub auf dem Herzen hat. Ein Top, der vom Start weg „Rollenverhalten abfordert“ (z.B. sofortigen Gehorsam) schafft kein Vertrauen, sondern verhindert, dass es entsteht!

Das viel besprochene Covern ist ebenfalls eine Vertrauen schaffende Maßnahme, wenn es mit einem „Neuen“ zur ersten Session kommen soll: zumindest sollte eine Person des Vertrauens wissen, wo man sich befindet – und der neue Partner sollte wissen, dass dem so ist.

Grenzen setzen, Stoppwort vereinbaren

Ja, ich kenne die vielen Diskussionen um den Sinn des Stoppworts: viele Paare verzichten darauf, umso mehr, je vertrauter sie miteinander sind. Für Menschen, die sich noch gar nicht oder kaum kennen, ist es jedoch in jedem Fall nützlich und dringlich zu empfehlen: es gibt Sub die Sicherheit, den Session-Kontext jederzeit unterbrechen zu können, und auch für Top ist es ausgesprochen hilfreich, zu wissen, dass Sub ein Stoppwort hat. Gibt es nämlich keines, können Äußerungen von Sub im „Eifer des Gefechts“ durchaus unterschiedlich interpretiert werden, wie aus den Berichten immer wieder hervor geht. Wird jedoch das Stoppwort ausgesprochen, besteht kein Zweifel über den Willen zum Abbruch der aktuellen Szene: Sub kündigt für diesen Moment den Konsens und ab jetzt wäre „weiter so“ eine Straftat. Dass ein Stoppwort nicht bedeuten muss, dass man sich gleich trennt, sondern nach einer Pause und neuer Verständigung auch „weiter spielen“ kann, liegt auf der Hand.

Verweigert ein Top die Vereinbarung eines Stoppworts mit verschwurbelten Hinweisen auf „Vertrauen“ und anderen Vorstellungen davon, wie eine „richtige Sub“ sich ihm auszuliefern habe, ist er das Vertrauen nicht wert und ich würde Abstand davon nehmen, mit ihm „zu spielen“. Denn ein verantwortungsvoller Dom weiß um Subs Unsicherheiten und wird sie nicht noch verstärken, sondern alles tun, damit sie Vertrauen fasst.

Neben dem Stoppwort kann auch eine Tabu-Liste als Teil des Konsenses vereinbart werden: Was Sub unter keinen Umständen wünscht, muss dann gar nicht erst befürchtet werden. Lernt man sich besser kennen und es entsteht Nähe und Vertrauen, wird vielleicht im Lauf der Zeit das eine oder andere „NoGo“ von der Liste gestrichen. Für Newbies und einander noch fremde Paare ist die Tabu-Liste jedoch sinnvoll und für eine tolle Session förderlich.

Höre auf dein Bauchgefühl und richte dich danach!

Nichts verpflichtet eine Sub dazu, auszuharren und alles zu ertragen, wenn sie bemerkt, dass es sie gar nicht mehr kickt, sondern nur eine Reihe negativer Gefühle erzeugt. Mir geht der Hut hoch, wenn ich immer wieder lese, wie sie schweigend und „auf Besserung hoffend“ alles Mögliche über sich ergehen lassen, um bloß nicht den Session-Verlauf zu stören und eine „gute Sub“ zu sein. Sie warten, dass „das Wunder“ irgendwie noch eintreten möge oder trauen sich einfach nicht, ehrlich zu kommunizieren, wie es ihnen geht, wenn sie sich überfordert fühlen. Ja, ich vermute, dass es sich des öfteren um Frauen handelt, die auch im Alltag nicht gerade Meisterin darin sind, sich abzugrenzen und auch mal NEIN zu sagen – in floppenden SM-Sessions werden sie aufs Äußerste gefordert, dieses Verhalten endlich zu verändern.

Man möge mich nicht falsch verstehen: oft genug hab‘ ich übers „Grenzwandern“ geschrieben, über Konfrontations-Sessions und über das Spiel mit den Schattenseiten der Psyche, in dem es gerade darauf ankommt, Sub zur Weißglut zu treiben und die Palette der dunklen Gefühle spüren zu lassen. Das aber ist nichts für die ersten paar Sessions einander noch fremder Partner! Man muss bereits eine gemeinsame Vertrauensbasis haben, um sich in diese brisanten Dimensionen ohne Schaden wagen zu können. Und dazu gehört vor allem das Gefühl, völlig angstfrei und locker miteinander ÜBER ALLES reden zu können – und ebenso die gewachsene Gewissheit, für den Top nicht nur Spielzeug für eine Session zu sein, sondern jemand, dessen Wohlergehen ihm wirklich wichtig ist.

In den ersten Sessions kommt es darauf an, einander erstmal kennen zu lernen, und je unerfahrener jemand im SM-Bereich ist, desto weniger sollte man gleich in die Vollen gehen. Es gibt keinen Kodex und keine Konvention, die es Sub verbieten würde, authentisch zu handeln und Sessions abzubrechen, zu unterbrechen oder sich Fortsetzungen zu verweigern, wenn die gerade gemachten Erfahrungen sich danach anfühlen. Reden ist hier Gold und Schweigen führt zu nichts als schlechten Gefühlen dabei und danach – oft tage- und wochenlang, bis das unangenehme Erlebnis verkraftet ist.

Ich wünsche allen Einsteiger-Subs Kraft, Klarheit und den Mut, sich nach dem eigenen Bauchgefühl zu richten!

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