Immer noch erreichen mich gelegentlich E-Mails und private Nachrichten, in denen mir Menschen erzählen, welche Schwierigkeiten sie damit haben, die eigenen Fantasien zu akzeptieren und sich darüber klar zu werden: Ja, auch ich bin ein SMler und gerne würde ich dies und jenes mal ausprobieren!
Viele beschränken sich jahrelang aufs Surfen im Internet, lesen Webseiten und Bücher, verfolgen Forendiskussionen und blättern durch Profile – aber kein Mucks, keine Aktivität, kein „erster Schritt“ Richtung Realität folgt dem bloßen Konsumieren virtueller Inhalte.
Warum ist das wohl noch immer so? Viele „gestandene SMler“ klagen doch länger schon darüber, dass BDSM zur Modeerscheinung geworden sei: Jeder „Vanilla“ meine, wenn er mal ein bisschen Lust auf „Fesseln und Popo klatschen“ habe, wär‘ er schon ordentliches Mitglied bei den „Perversen“ und könne eine dicke Lippe riskieren, was denn nun der „einzig wahre BDSM“ sei.
Diese Klage halte ich für falsch und auch recht überheblich. Es ist doch gut, wenn die scharfe Abgrenzung zwischen „Nomalsex“ und BDSM verschwindet, die sowieso immer schon sehr willkürlich war. Denn viele praktizieren im Rahmen ihrer Erotik durchaus Elemente, die zu SM zu zählen sind, nennen es aber nicht so. Kreative Erotik ist ein weites Feld, auf dem zu surfen Freude macht. Experimente in die eine oder andere Richtung fallen dann umso leichter, je weniger soziale Verschubladungen damit verbunden sind: weder Glorifizierung noch Diskriminierung, sondern einfach Lust an der Sache – DAS wäre für mich der Idealfall!