Sex ist nicht Liebe – und Liebe ist nicht Sex. Es kann zwischen zwei Menschen Begehren sein, ohne dass sie sich lieben müssen. Das ist eine Frage der „Trigger“, der zufälligen Auslöserreize, die eben mal Funken schlagen. Ob das, was darauf folgt, zu einer Liebe führt, muss sich erst zeigen. Es hängt davon ab, wie die beiden auf anderen Ebenen zueinander passen – ob sie einander weitgehender „beantworten“ als nur im Bett.
Liebe begehrt nicht, sondern verströmt sich aus dem Überfluss. Liebe ist nicht das Gefühl der Verliebtheit, das mit einem neuen „Begehrten“ verbunden ist – das verschwindet nach der „Hoch-Zeit“, die unterschiedlich lange dauern kann.
Was das Begehren begehrt? Lacan meinte: „das Begehren begehrt das Begehren des Anderen“ – und weißt damit auf die Absurdität des Verlangens hin: man will gefallen, begehrt werden, das Sehnen in den Augen des Geliebten sehen – quasi als käme man erst dadurch richtig auf die Welt. Dabei ist man doch immer schon bei sich, hat sich jeden Tag. Im Begehren ist der Andere also eine Art „Spiegel des Narziss“ – der ja im Mythos in verliebter Schau des eigenen Anblicks versteinerte.
Wir Menschen müssen nicht versteinern, sondern können uns im erotischen Akt (sei es Vanilla-Sex oder BDSMige Performance) vereinigen, den Tanz für zwei bis zur Ekstase tanzen – und dann ist es ‚rum… bis zum nächsten mal.
Das Begehren ist nichts, was wir im Griff haben, sondern etwas, von dem wir ergriffen werden. Deshalb verehrten frühere Gesellschaften es als Gottheiten. Sich dem Begehren überlassen war ein Akt der Demut oder auch des Gottes- bzw. Göttinnendienstes – zur Feier der Fruchtbarkeit in agrarischen Zeiten auch kollektiv in Gestalt von Orgien gefeiert.
Ich glaube, das Christentum hat damit Schluss gemacht. Seither soll man genau SAGEN können, was man begehrt, wenn man begehrt – und soll es gefälligst im Griff haben!