Schamspiele sind im Rahmen von BDSM-Szenarien beliebte Praxis: Sub soll etwas tut, das ihr die Schamröte ins Gesicht treibt. Was das im einzelnen ist, ist von Person zu Person verschieden, doch gibt es ja recht allgemein verbreitete gesellschaftliche „Tabus“, die sich nutzen lassen. Spiele mit Entblößung, mit Sich-präsentieren-müssen, Dirty-Talk, ungewohnte geile Handlungen, die eine „anständiger Mensch“ gar nicht kennen darf, und vieles mehr.
Für mich geht es auf Sub-Seite bei Schamspielen vor allem um einen einzigen Punkt: eine innere Haltung finden, die das „automatische Schämen“ (dem man zunächst mal erziehungsbedingt ausgeliefert ist) aushebelt und Subs Willen unterstellt. Also: Sich beherrschen lernen – im Rahmen eines gewissen erotischen Wettkampfs, in dem Sub siegt, sobald sie über Doms Zumutung nur noch müde lächelt.
Schafft es Sub, immer mehr einschlägige Situationen souverän zu bestehen, stellt sich die Frage, was denn aus der „Lust am Schamspiel“ wird. Und JA, aus dem Blickwinkel der Neigung betrachtet, ist der Kick bald raus, sobald Sub nicht mehr wirklich zu irritieren ist. So manches Paar nutzt dann die Öffentlichkeit, um das Spiel auf Level 2 unter verschärften Bedingungen fortzusetzen, doch auch da ist es möglich, sich als Sub darüber klar zu werden, dass man erfolgreiche Unterhalterin des Publikums und nicht etwa beschämtes Opfer dominanter Zumutungen ist („Vergiss nicht, mit dem Hut rumzugehen!“).
Wie auch bei anderen verschwindenden Kicks ist das fürs SM-Erleben zwar eher abträglich, doch verschwindet mit der Brisanz auch das Sehnen nach solchen Spektakeln. Dem „Verlust“ steht ein Gewinn an Selbstbewusstsein gegenüber, der fürs reale Leben weit mehr einbringt als er im SM an möglicher Lust kostet.
Ein solcher Verlauf passt zu meiner These: Die Neigung in ihren jeweiligen Ausprägungen und spezifischen Sehnsüchten IST ein unbewusstes Streben nach Vollständigkeit, nach Unabhängigkeit von äußerer Bestätigung, nach Ganzheit und innerem Frieden.