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Die Kunst der Lust - Die erste Nacht

Schwülheiße Luft lag in den engen Gassen der Stadt. Menschenmassen trieben schlaflos durch die Nacht. Es roch nach Schweiß und kaum eine Seele fand ruhe in dem sündigen Moloch, aus dem es kein entrinnen zu geben schien.

Das flackernde Licht der Laternen fiel durch das Fenster des Wagens auf Josefine, die auf einer mit dunkelrotem Leder ausgekleideten Bank saß. Die Augen der Frau waren mit einem roten Seidentuch verbunden, welches hinter ihren leicht gelockten, brünetten Haaren verknotet war. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und glänzten auf ihren offenliegenden Brüsten.

Ihr einziges Kleidungsstück war ein schwarzer Kapuzenumhang aus besticktem Tuch, welcher sie nur auf den ersten Blick bekleidete. Sie fühlte den Blick ihres Meister, der ihr gegenübersaß und ihre halböffentliche Entblößung betrachtete. Heute Nacht würde er sie weiterreichen wie einen Besitz, denn man nach belieben Benutzen, Handeln, Tauschen und Verpfänden konnte.

Sie wusste nicht, was sie erwartete. Sie hatte sich hergerichtet, wie es sich für eine gehorsame Sklavin gehörte. Sie hatte ihre Lippen mit jenem, feuchten, dunkelroten Glanz versehen, wie er Männern das Wasser im Mund zusammen laufen ließ. Sie hatte ihren Körper rasiert, so dass kein Haar, mehr unterhalb ihres Halses befand. Sie war bereit für ihren Meister. Sie war bereit sich jeder Demütigung und jeder Fantasie hinzugeben, genau so, wie er es von ihr erwartete.

Feuchtigkeit sammelte sich zwischen ihren Schenkeln. Die Hitze trieb ihr den Schweiß aus den Poren. Die Feuchtigkeit sammelte sich in ihrer Pospalte und ließ sie unruhig auf der Bank hin und her gleiten. Um den Umhang nicht vorzeitig zu beflecken und dafür eine Züchtigung mit der Peitsche oder Schlimmeres zu erhalten, hatte sie sich mit ihrem nackten Hintern auf den harten Lederbezug gesetzt.

Sie spürte, wie das harte Leder gegen ihr Brandmal drückte. Wie lange war es her, dass ihr Meister ihr mit dem glühenden Brandeisen sein Wappen auf die rechte Pobacke gebrannt hatte? Der lodernde Schmerz war für Josefine noch immer allgegenwertig, wie sie sich hilflos in den Fesseln gewunden hatte, welche sie während des öffentlichen Rituals gebrandmarkt wurde. Noch immer war es ein schwarzes Zeichen auf ihrer sonst makellosen, leicht gebräunten Haut. Sie trug es voller Stolz und streichelte es manchmal sogar, wenn sie alleine im Bad vor dem Spiegel stand.

Das Brandmal stand nicht nur für Schmerz und Besitz, es stand auch für die Zugehörigkeit. Ihr Herr und Meister hatte sie als die Seine angenommen, und so wie dieses Zeichen niemals mehr verschwinden würde, würde auch ihre Verbindung niemals mehr verschwinden. Josefine fühlte, wie ein warmes, zufriedenes Gefühl ihr Herz jedes Mal umschmeichelte, wenn sie daran dachte. Ja, sie war eine Sklavin, doch sie war eine Sklavin aus freiem Willen. Sie hatte bisher die Prüfungen ihres Meisters bestanden und würde auch diese bestehen.

Der Wagen hielt vor der von Fackeln erhellten Fassade eines alten Hauses. Die weißen Kalksteine der Mauer waren grob behauen. Die Fenster des dreistöckigen Gebäudes waren mit Holzbalken verschlossen. Eine steinerne Treppe führte an der rechten Seite hinauf in den zweiten Stock, wo eine angelehnte Tür wohl schon auf den Besuch wartete.

„Wir sind angekommen Josefine“, sprach ihr Meister in ruhigem Tonfall. Sein ergrauter Kinnbart und seine kantige Miene regten sich kaum, während er fortfuhr: „In diesem Haus wirst du 6 Tage und 7 Nächte verweilen, in denen der dortige Herr über dich bestimmen und dich prüfen wird, so wie ich es mit dir getan habe. In dieser Zeit, bis zu meiner Wiederkehr wirst du ihm dienen als würdest du mir dienen. Er darf deinen Körper benutzen, wie er es für richtig hält. Er folgt meinen Wünschen und wird ein ganz besonderes Bild von dir malen. Hast du das verstanden?“

„Ja, Herr“, sprach sie leicht zitternder Stimme. Wollte er sie tatsächlich 7 Tage lang alleine lassen?

„Es gibt noch einen weiteren Punkt.“ Er erhob seine Stimme mit einer unterschwelligen Drohung, welche ihr tief ins Mark glitt. Sie wusste nicht was nun kommen würde, doch sie wusste, dass es wichtig war. „Jetzt sind deine Augen verbunden, doch auch in deiner Zeit in diesem Haus, darfst du niemals den Hausherren oder das Bild, welches er von dir anfertigt, ansehen. Wenn du keine Binde trägst, dann halte deine Augen geschlossen. Er wird dir sagen, wenn du sie öffnen darfst. Vergiss dies nicht, denn sonst könnte deine Strafe schlimmer sein, als du sie dir in denen schlimmsten Träumen vorstellen magst.“

„Ja, Herr!“, antwortete sie hastig. Sie spürte das dieser seltsamen Bedingung fast ein magischer Zauber anhaftete, welcher in der kommenden Woche noch eine große Bedeutung erlangen würde.

„Führ sie jetzt die Stiegen hoch an die Tür!“, befahl er dem Fahrer, der Josefine die Hand reichte und erstaunt auf ihren kaum verborgenen, nackten Körper blickte, welcher sich ihm nun unter dem Cape darbot.

Josefine erfühlte die raue Hand des Fahrers und stieg, dem leichten Zug folgend, aus. Sie konnte nichts von dem altertümlichen Bauwerk erkennen, doch ihre in hochhackigen, schwarzen Stiefeln steckenden Füße trugen sie recht unsicher über die steinernen Stufen, so dass sie für den Halt dankbar war, den ihr der unbekannte Mann bot.

Sie konnte seinen männlichen Duft vernehmen, welcher in der schwülen Abendluft nur all zu deutlich an ihre Nase drang. Das leichte Vibrieren seiner Finger verriet ihr die Erregung des Mannes, der ihren nackten Körper an die Schwelle führen sollte. Sie genoss heimlich das Gefühl von dem Fremden begehrt zu werden, dem es jedoch verboten war, sie zu berühren. Es war wohl ein anderer, der dieses Privileg haben würde. Dieser Gedanke erregte und verängstigte sie zugleich.

Er entließ ihre Hand an der Eingangstür im zweiten Stockwerk. Ihre feingliedrigen Finger ertasteten den hölzernen Türrahmen und sie hörte, wie der Fahrer wieder die Stiegen hinunter ging. Noch einmal holte sie tief Luft und wartete sehnsüchtig, ob ihr Meister sie doch zurückrufen würde. Seid ihrem Übergang in seinen Besitz war sie noch nie so lange von ihm getrennt gewesen. Aber er rief nicht nach ihr. Im Gegenteil. Kurz nach dem der Fahrer unten angekommen war, hörte sie, wie der Wagen wegfuhr.

 

***

 

Jetzt war sie allein. Blind in eine fremde Welt gestoßen. Einem Herrn ausgeliefert, den sie weder kannte noch vertraute. Allein der Wunsch ihres Meisters ließ sie ihren Fuß über die Schwelle treten. Sie überlegte ihre Anwesenheit durch einen Laut kundzutun, doch dies gehörte sich nicht für eine Sklavin. So wartete sie nur einen Schritt von der Tür entfernt, auf eine Stimme, die ihr weitere Anweisungen gab. Gedämpft hörte sie die Geräusche der Stadt, welche nun wie der Kanon einer anderen Welt erklangen. Einer Welt, die sie längst hinter sich gelassen hatte, während sie zeitlos in eine Neue eintauchte.

„Ich habe dich erwartet. Schließ die Tür hinter dir und tritt vor.“ Eine sanfte und zugleich eisig klare Stimme riss sie aus ihrer Gedankenwelt.

Josefine zuckte zusammen, doch dann tat sie gehorsam, was man ihr aufgetragen hatte. Sie ertastete den Türgriff hinter sich und schloss die altertümliche Tür. Es war, als hätte sie nun auch das Tor zu jener vertrauten Welt unwiederbringlich geschlossen. Mit einem Mal war sie in einer Stille gefangen. Kein Geräusch drang von draußen ein. Auch der Geruch hatte sich geändert. Der Gestank der großen, verkommenen Stadt, welche in der nächtlichen, schwülen Sommerhitze verging, war verschwunden. Sie vernahm nun den zarten und doch schweren Duft von Jasmin, welcher sich mit anderen Düften mischte, welche sie nicht kannte.

„Stopp!“

Josefine hielt gehorsam und wartete auf den nächsten Befehl. Sie spürte die Blicke des Fremden auf ihr, doch konnte sie seine Schritte nicht vernehmen. Er schien sie zu begutachten. Schien sie zu bewerten, zu beurteilen und maß zu nehmen. Sie glaubte seinen Atem zu spüren, der kühlend über ihre Wange streichelte. Der Hauch des Unbekannten wanderte tiefer über ihren Hals und sie glaubte das Pulsieren ihrer Halsschlagader zu vernehmen, welche sich an ihrer Kehle im Kerzenlicht abzeichnete.

Ihr Herz schlug jetzt schneller und sie hatte mühe ruhig in ihren Stiefletten stehen zu bleiben. Er fühlte sich so nahe an, so unglaublich nahe und intim. Sie glaubte, seine Hand über ihre perfekt geformten Brüsten zu spüren. Er berührte sie nicht und doch glaubte sie, diese ganz nahe zu fühlen.

Ein feuchter Glanz bildete sich in ihrer offenliegenden Lustspalte, welche sich seinen Blicken ungehindert offenbarte. Seine Anwesenheit erregte sie, ohne dass sie es genau beschreiben konnte. Er tauchte sie in ein Chaos, aus welchem es für sie kein Entrinnen gab.

Dann griff er nach ihr und schlug ihre Kapuze zurück. Sie spürte seinen Atem an ihrem gelockten Haar, welches das Licht der Kerzen fing. Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Dann löste er den Verschluss ihres Umhangs und entblößte sie vollkommen.

Sie erschauderte und konnte das Pochen ihres eigenen Herzens erspüren. Sie wusste, dass sie dem Unbekannten vollkommen ausgeliefert war, und der Gedanke ängstigte und verführte sie zu gleich.

„Dreh dich nach rechts. Nach drei Schritten wirst du eine Stiege finden, die dich hinauf in meine Werkstatt führt. Geh sie vorsichtig hinauf.“

Wie hypnotisiert folgte sie seinen Anweisungen blind. Schritt für Schritt stieg sie die hölzerne Stiege hinauf, wobei ein leichtes Knarren zu hören war. Dann stand sie im obersten Stockwerk des Gebäudes. Durch ihre verbundenen Augen konnte sie nicht erkennen, dass dieses Stockwerk nur einen einzigen Raum besaß. Vier Stützpfeiler aus Kalkstein ragten bis an die hölzerne Decke. Die Fenster, welche von Außen durch die geschlossenen Balken angezeigt wurden, waren in Wirklichkeit zugemauert. Es war ein geschlossener Raum, aus dem die Treppe nach unten der einzige Ausgang war.

Josefine wurde fast überwältigt von der schwülen Hitze. Die Luft staute sich, und kein Luftzug war da, der ihrem nackten Leib Kühlung versprach. Wieder erhellten Dutzende Kerzen den Raum und tauchten ihn in ein warmes Licht. Ihr Spiel aus Licht und Schatten zeichnete reizvolle Muster auf ihre schweißnasse Haut, welche die Farbe von Honig angenommen hatte.

„Du weißt, warum du hier bist?“, fragte der unbekannte Maler, welcher plötzlich wie ein Geist neben ihr aufgetaucht war, ohne dass sie ihn kommen hörte.

„Um von Euch gemalt zu werden, Herr“, sprach sie mit zitternder Stimme. Es war keine wirkliche Angst, die sie beherrschte, nur die Ungewissheit und die dadurch hervorgerufene innere Unruhe und Erregung.

„Und du hast von deinem Meister Anweisungen erhalten?“

„Ja, ich soll ich 6 Tage und 7 Nächte zu Willen sein, Herr.“

„Und was noch?“, harkte er nach.

„Ich darf Euch niemals ansehen, oder das Bild, welches Ihr von mir malt, Herr.“

„Gut.“ Seine Stimme klang warm und melodisch. Josefine hätte zu gerne gesehen, wer dieser Mann war, dem sie zu Willen sein sollte, doch wann immer sie ihren Kopf suchend in die Richtung seiner Stimme streckte, blickte sie nur in die unendliche Dunkelheit, welche durch ihre Augenbinde hervorgerufen wurde. „Ich habe noch etwas vorzubereiten. In einer Minute darfst du das Tuch von denen Augen nehmen und dich umsehen. Dieser Raum wird deine neue Heimat. In fünf Minuten wirst du die Augenbinde wieder sorgfältig anlegen und ich werde wieder hoch kommen. Hast du das verstanden?“

„Ja Herr!“, tönte sie unbefriedigt. Gerne hätte sie die gegebene Zeit für einen einzigen Blick auf den Unbekannten geopfert, welcher sie noch immer nicht berührt hatte. Sie ertappte sich bei dem Verlangen, seine Hände auf ihrem Leib zu fühlen.

In ihrem Geist zählte sie, bis eine Minute rum war. Dann griff sie die Augenbinde und zog sich diese vom Kopf. Das gedämpfte Licht der Kerzen tat ihren Augen nicht weh, doch dauerte es einige Momente, bis sie das surreale Bild der Künstlerwerkstatt verinnerlicht hatte.

Das Licht der Kerzen schien sich auf ein Zentrum zu fokussieren, in dem auf dem Boden einige Schafsfelle lagen. Auch eine Staffelei und eine sargähnliche Kiste aus Ebenholz befanden sich in dem hellen Zentrum des Raums, der von den vier Stützsäulen umschlossen wurde. An jeder der Säulen befand sich ein Widderschädel, welcher sie mit seinen leeren Augenhöhlen anstarrte. Die Schädel bestanden nur noch aus Hörnern und Knochen, und doch fühlte sie eine allgegenwertige Kraft, welche sie noch immer umgab. Unsicherer bedeckte sie ihre Scham und ihre Brüste mit ihren Händen. Ihre braunen Augen senkten sich wie die eines scheuen Rehs. Sie fühlte sich nackt vor diesen vier Abbildern, die schon seit jeher für die natürliche Kraft und Zeugungsfähigkeit standen.

Neben der Staffelei befand sich ein kleiner Tisch, auf welchen einige seltsame Gefäße, die besser in das Labor eines Alchimisten, als in die eines Malers gepasst hätten. Kleine Gläser und Phiolen enthielten Substanzen unwirklicher Faszination, die Josefines Blicke lange Zeit gefangen hielt. Sie glaubte fast selbst in eine dieser Flaschen hineingezogen zu werden, so intensiv war jener Moment, der sich in eine Ewigkeit streckte.

„Die Zeit ist um!“, riss sie die eisig schöne Stimme des Unbekannten aus ihrer Trance. Der warme Ton, mit dem er sie anfangs in seine Räume gelockt hatte, wandelte sich nun in einen unerbitterlichen Befehlston, welcher ihr einen Schauer über den Rücken jagte und sie zu gleich noch stärker fesselte. „Geh in die Mitte Schafsfelle und lege die Augenbinde wieder so fest an, wie zuvor!“

Sie tat wie ihr geheißen. Unsicher schritt sie über den Holzboden, welcher trotz seines zweifellosen Alters weder knarrte, noch sonst ein Geräusch von sich gab. Es wirkte fast, als währen die Dielen in zeitloser Stärke versteinert. Sie legte das Tuch erneut fest um ihre Augen und beraubte sich so selbst eines Sinns. Fest verknotete sie es hinter ihrem Kopf, wollte sie doch nicht riskieren, dass es eventuell beim wilden Liebesspiel verrutschte.

Kaum hatte sie dies getan und war erneut in eine selbst gewählte Dunkelheit entschwunden, hörte sie die Stimme des Herrn. Er klang als würde er unmittelbar vor ihr stehen. „Knie dich nieder und präsentier dich, wie es dein Meister dir gelehrt hatte.“

Josefine gehorchte und ging auf die Knie. Sie spreizte ihre Schenkel weit. So weit, dass sie ihre Geschlecht so offen präsentierte, als würde sie sich gerade einem Mann hingeben, welcher tief in ihre feuchte Vulva eindrang. Ihre Hände legte sie in den Nacken und drückte ihre Brüste hervor, dass diese aufreizend allen Blicken ausgesetzt waren. Sie streckte sich leicht, als würde ein unsichtbarer Faden sie an ihrem Kopfe emporziehen, wie es ein Puppenspieler mit seiner Puppe tat.

Der Puppenspieler, der sie in diesem Moment nahm, nutze allein seine Stimme um sie zu vorzuführen. Josefine reagierte gebannt von deren strenger Schönheit. Sehnsüchtig erwartete sie das nun folgende Spiel, welches sie zu kennen glaubte. Sie erwartete einen Hieb mit der Gerte, welcher ihre harten Brustwarzen traf. Sie erwartete eine Hand, die prüfend über ihr Geschlecht glitt, sie hoffe auf die Berührung ihres Gesichts. Das alles kannte sie, das alles liebte sie, doch sie wartete vergebens.

"Sehr schön", hörte sie seine Stimme an ihrem Ohr. "Zeig dich mir, wie du dich deinem Meister zeigen willst."

Ein Schauer überkam sie, als kreisten seine Hände über ihren Körper, als spielten sie mit ihren steifen Brustwarzen und umrundeten ihre feuchte, glatte Vulva. Josefine stöhnte auf, sie konnte nicht glauben, was für ein wirrer Zauber sie gefangen hatte. Sie fühlte seine Nähe, seine Berührung und doch war da nichts Greifbares, außer ihrer Lust. Hätte sie ihre Scham berührt, so wäre dies vor triefender Nässe beinahe ausgeflossen.

Seine bezauberte sie und vernebelte ihre Gedanken, welche in jener dunklen Nacht gefangen waren, welcher sie sich selbst mit dem Anlegen der Augenbinde übergeben hatte. Ihre Schenkel waren geweitet und sie konnte jenen Teil ihrer Lust erspüren, der an deren Innenseite herunter floss. Es war kein Sturzbach, eher ein langsamer Strom der Lust, der so über ihre Haut wanderte.

"So ist es gut, Josefine", hauchte er ihr zu, ohne dass sie wusste, wo er sich befand. Der unbekannte Maler schien wie ein Geist um sie herumzuschweben. "Bleib so, zeig dich, präsentier dich."

Mühsam konzentrierte sich die Frau auf diesen Befehl. Sie fühlte die Blicke der Widderschädel auf ihrer nackten Haut. Sie spürte seine surreale Ausstrahlung, welche unter ihre Haut glitt und sie mit Erregung und Schrecken erfüllte. Sie wusste nicht wieso, doch sie fühlte, eine Gefahr, welche viel mächtiger war, als jede Peitsche, jeder Schmerz, jede Tortur, die man ihr bis zum heutigen Tag angedeihen ließ.

Und vielleicht war es genau diese Angst, die sie erregte, während sie ein scharrendes Geräusch vernahm. War es der Stift, mit dem der Unbekannte sie jetzt skizzierte und ihre Rundungen aufmalte? Oder war es etwas anderes, etwas Bedrohliches?

 

***

 

Gefangen in der Dunkelheit kniete sie in dem Atelier des fremden Meisters. Die schwüle Hitze war noch immer ganz von ihr gewichen und so glänzte ihre Haut von einem Film aus Schweiß. Josefine konnte nicht sagen, wie lang sie schon so kniete. Der Schmerz des Wartens wurde langsam unerträglich. Kein weiteres Wort hatte der Fremde mit ihr gewechselt. Kein Lob kein Tadel. Nur das Geräusch seiner Arbeit vernahmen ihre gespannten Sinne.

Unnahbar, ungreifbar, drang es zu ihr vor. Vor ihrem inneren Auge zeichnete er sie in ihrer lüsternen Schönheit. Sie stellte sich vor, wie das Bild, sein Bild ihres dargebotenen Körpers wohl aussehen würde. Würde es ihr Herr jemals zeigen? Seine ihr genannten Verbote, das Bildnis auch nur anzusehen, irritierte sie. Es machte sie neugierig, auch wenn sie sich zum Gehorsam zwang. Sie war hier, um ihrem Herrn zu dienen und sie würde seinem Wunsch gehorchen.

Immer wieder bewegte sie sich leicht in ihrer devoten Sklavenstellung, um den Schmerz des langen Kniens zu verringern. Sie erwarte eine Rüge, sollte sie doch stillhalten, oder? Sie wusste es nicht. Die Stelle und die Ungewissheit nagten an ihr. Wenn er nur mit ihr sprechen, ihr Befehle oder Zuspruch geben würde. Er tat nichts davon. Nur das monotone Geräusch eines Stiftes, der über die Leinwand glitt, war zu hören, während sie sich die Szene nur vorstellen konnte.

Irgendwann, sie konnte es nicht bestimmen, richtete er schließlich das Wort an sie: "Der Morgen graut. Die Sonne wird sich bald erheben, es ist Zeit die Sitzung für heute zu beenden."

"Ja, Herr", hauchte sie mit trockener Kehle. Wie gerne hätte sie etwas anderes gesagt, doch ihr Kopf war leer, als hätte sich plötzlich alle Gedanken verflüchtigt und nur eine Hülle zurück gelassen.

"Komm, ich führe dich." Josefine spürte die Hand des Mannes an ihrer. Nein, nicht seine Hand, nur ein lederner Handschuh, der sich an ihre zarten, im Nacken liegenden Finger schmiegte. Sie entspannte sich und ließ sich von ihm leiten. Er entließ ihren Arm aus jeder unbequemen und inzwischen schmerzhaften Haltung. Sie seufzte befreit auf. Und ließ sich nur zu gerne auf die Beine führen.

Das Blut rauschte in ihre Glieder und für einen Moment wurde ihr schwindlig. Sie glaubte hin zu fallen doch die Hand des Unbekannten faste sie fester und hielt sie aufrecht. Ihr Atem flatterte unruhig. Sie glaubte ihren eigenen Herzschlag zu hören und hielt sich jetzt krampfhaft, wie ein Kind, an ihm fest.

Er zog sie mit sich. Nur wenige Schritte, dann blieb sie stehn und seine Hand verließ die ihre. Plötzlich vernahm in ihren Gedanken seinen Befehl: "Bleib stehen!"

Sie gehorchte der unwirklichen Stimme in ihrem Kopf. War er wirklich bei ihr. Träumte sie? Starr wie eine Salzsäule stand sie da und lauschte. Sie fühlte einen kalten Schauer. Eine Gänsehaut überzog sie fröstelte trotz der schwülen Hitze. Dann wurde sie gepackt. Sie glaubte eine Hand unter ihren Achseln und ihren Kniekehlen zu spüren. Schnell und hart wurde sie von den Füßen gerissen. Alles ging so schnell, dass sie keine richtige Erinnerung daran erhaschen konnte. Sie wurde auf eine weiche Unterlage gebettet. Sie spürte die Seide, die sich an ihre nackte Haut schmiegte. Ihre Arme wurden an ihre Seite gebettet. An ihren Schultern und Hüften spürte sie die unnatürlich Enge.

Wo war sie? Er hatte sie doch nicht etwa in diesen Sarg aus schwarzem Holz gebettet, den sie neben der Staffelei gesehen hatte. Geschockt zuckte sie zusammen. Sie hatte schon manch makaberes Spiel mitgemacht. Doch wollte er sie tatsächlich in einem Sarg schlafen lassen? Instinktiv wollte sie raus aus dem Totengefängnis, in welches er sie gelegt hatte. Sie hörte das Scharben von Holz. Der Deckel wurde offenbar gerade über die Kiste geschoben. Ihr Herz raste. Alle Instinkte rieten ihr zur Flucht. Panik.

"Ganz ruhig", flüsterte die Stimme zu ihr in der Dunkelheit. "Wenn es Zeit ist, werde ich dich wieder aus dem Sarg holen. Nun schlafe. Schlafe, bis die Nacht erneut erwacht."

Mit diesen Worten wurde der Sargdeckel über ihr geschlossen. Das war zu viel für die Sklavin. Sie schrie und drückte gegen das Holz über ihr, doch sie konnte es nicht mehr öffnen. Sie kreischte jetzt und weinte, denn die Panik hatte gesiegt, wo bis dahin Selbstbeherrschung regierte. Sie würde hier drinnen sterben. Das wusste sie plötzlich. Sie würde keine Luft mehr bekommen und einfach ersticken!

Sie brüllte in nackter, klaustrophobischer Angst. Ihre kleinen Fäuste trommelten gegen das Holz, während sie das Klopfen von Nägeln hörte. Er nagelte sie doch nicht wirklich zu? Wollte er sie umbringen? Das war kein Spiel mehr, das war Wahnsinn. Verzweifelt versuchte sie an ihren Kopf zu greifen und sich die Binde ab zu nehmen. Auch wenn sie in der Dunkelheit gefangen war, wollte sie diesen Stoff loswerden. Sie wollte das Spiel beenden, doch der Sarg zwang sie, ihre Hände unten zu halten. Zu eng war der Deckel an ihren Körper herangeführt worden. Der mit Seide und Polstern ausgelegte Sarg wirkte, als wäre er speziell für sie angefertigt worden. So blieben ihr nur wenige Zentimeter Luft.

Josefine war plötzlich nicht mehr gefangen von Lust, sondern nur noch von Angst, Panik und einer langsam aufkommenden Ohnmacht. Sie fühlte sich immer schwächer, bis sie schließlich keine Kraft mehr hatte, zu schreien, zu kämpfen oder auch nur bei Bewusstsein zu bleiben. So schlief sie in der Werkstatt jenes unbekannten Künstlers ein, ohne zu wissen, ob sie jemals wieder erwachen würden.

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