Heute ist das lang ersehnte Treffen endlich da. Andreas, den ich schon von weitem auf mich zukommen sehe, habe ich in der SZ kennen gelernt.
Meine Erwartungen werden weit übertroffen, denn er sieht einfach nur toll aus. Als er vor mir steht klopft mein Herz wie wild und seine ganzen Komplimente verschämen mich sehr. Wir sitzen auf einer Bank und reden, denn meine anfängliche Schüchternheit ist meinem enormen Redefluss gewichen.
"Komm, lass uns ein bisschen in den Wald gehen. Dort sind wir ungestört und es ist romantischer als in ein Cafe zu gehen. Für den Proviant habe ich gesorgt." Er deutet auf seinen Rucksack und lächelt mir verschmitzt zu. Warum wir uns nicht an einem anderen Ort getroffen haben weiß ich nicht, er bestand auf diesem Parkplatz, der an einen Wald grenzt.
Wohl ist mir dabei gar nicht, dennoch folge ich ihm immer tiefer in den Wald hinein. Es beginnt ein Kampf in meinem Kopf. Der Verstand rät mir, Andreas zu bitten doch erst einen Kaffee trinken zu gehen, damit wir uns erst einmal in Ruhe kennen lernen können. Aber das Verlangen sagt mir, alles zu tun, was er von mir verlangt. Das Verlangen siegt und dankbar nehme ich seine Hand an, die mich über den modrigen Waldboden führt.
"Ich kenne ihn schließlich seit fast zwei Monaten", sage ich mir "und was hatte er mir nicht schon alles von sich verraten". Wir schrieben täglich und mehrfach in der Woche konnte ich seine wundervolle, mich anregende Stimme am Telefon genießen. "Vertrauen, Ehrlichkeit und Respekt!" Das betonte er immer wieder und würde ich mich nun zieren, deutete das nicht auf mangelndes Vertrauen hin? Nein, das will ich unter gar keinen Umständen riskieren und ihn womöglich noch durch mein Misstrauen verlieren.
An einer kleinen Lichtung nimmt er mich zärtlich in die Arme, als sich unsere Lippen treffen, brennen sie voller Leidenschaft und willig gebe ich mich seinen Zärtlichkeiten hin. Hatte ich eben noch ein mulmiges Gefühl, ist es nun wie weggeblasen. Als Andreas sanft meine Hände nimmt und Lederfesseln an meinen Handgelenken befestigt, lasse ich es zu, sehe ihm dabei in seine blauen Augen, und meine darin vollkommen zu versinken. So wohl habe ich mich lange nicht mehr in der Anwesenheit eines Mannes gefühlt. Ich kann mein Glück kaum fassen. Nicht nur seine Art ist umwerfend, nein auch sein Aussehen.
Wir haben alles vorher abgesprochen. Ich habe mich ihm schon so gut wie unterworfen, da ich aber noch keine Erfahrungen sammeln durfte, möchte er alles sehr langsam angehen lassen. Das gefällt mir gut und ich vertraue ihm sehr. "Stell dich zwischen die beiden Bäume da vorne!" Da war sie wieder, diese Dominanz die von ihm ausgeht und mich vollkommen in ihren Bann zieht, so wie viele Male zuvor schon am Telefon. Sie nun aber auch real zu erleben versetzt mir einen Kick und ich komme seiner Aufforderung ohne Zögern nach. Geschickt bindet er meine Hände mit Seilen, die er an den Karabinerhaken der Lederfesseln befestig, an die beiden Bäume und das erste Mal in meinem Leben bin ich einem Mann wehrlos ausgeliefert. Bald sind auch sind meine Füße weit gespreizt und binnen weniger Augenblicke an den dicken Stämmen der Bäume festgebunden. Ich stehe mit meinem kurzen Rock und meiner weißen Bluse vor ihm. Mein Rock ist so weit nach oben gerutscht, dass er gerade einmal meine Pobacken bedeckt.
"Es ist ein sehr...", setze ich zu sprechen an. Erschrocken zucke ich zusammen, als mich eine heftige Ohrfeige auf meine rechte Wange trifft. "Habe ich dir erlaubt zu sprechen?" Ich sehe ihn an und auch die linke Wange wird von einem kräftigen Schlag getroffen. "Habe ich dir erlaubt mich anzusehen?"
Völlig konsterniert blicke ich zu Boden. Wir haben über viele Dinge gesprochen. Aber eine Ohrfeige? Nein das war nicht abgesprochen und ein absolutes Tabu meinerseits, jedenfalls am Anfang. Mit einem Ruck reißt Andreas die Bluse von meinem Körper und ich stehe mit entblößten Brüsten vor ihm. "Ich habe keine Ersatzkleidung dabei", sage ich leise, kann das alles, was gerade geschieht, noch nicht realisieren.
"Sie gehört nun dir!" Höre ich ihn laut sagen und zügig entfernt er sich aus der Richtung aus der wir eben gekommen sind. Der Schock sitzt so tief, dass ich nicht ein Wort über die Lippen bringe und aus der Ferne sehe ich die Silhouette einer Person, die sich mir langsam nähert. Kommt er zurück? War das nur ein Test? Sollte es so sein, dann muss ich ihm sagen, dass ich das nicht mag und auch nicht möchte.
Als die Person immer näher an mich heran kommt, sehe ich, dass eine Maske das Gesicht verdeckt. Nach der Statur zu urteilen handelt es sich um einen Mann und mit Sicherheit nicht um Andreas, denn der Maskierte ist viel korpulenter. Vor Angst zitternd, sehe ich in seinen Händen einen Stock, den er ohne zu zögern auf meine Brüste niedersausen lässt. Ich schreie auf. Der Schlag war so fest, dass ein leicht blutiger Striemen auf meinen Brüsten zurückbleibt. Ohne ein Wort zu sagen, nimmt der Fremde ein Tuch und schiebt es mir tief in den Mund, dass ich meine mich übergeben zu müssen. Ich zerre an den Seilen, will mich losreißen, doch ich werde eisern gehalten. Zahlreiche Schläge treffen meinen jetzt unbedeckten Po.
Die Hiebe hören nicht auf und meine Knie knicken unter den Schmerzen ein. Hemmungslos weine ich, doch den Fremden scheint das nur noch mehr zu animieren, weiter auf meinen jetzt schon geschundenen Leib einzuschlagen. Mein eben noch unversehrter Körper ist vollkommen bedeckt mit blauen Flecken und Striemen, die teilweise aufgeplatzt sind, so heftig waren die Schläge des Mannes.
"Der bringt mich um."
Plötzlich kommt mir dieser Gedanke und Panik steigt in mir auf. Ich spüre, wie sich alles um mich herum zu drehen beginnt und fürchte, dass ich gleich bewusstlos zusammensacken werde. Meine Tochter, meine Eltern. Wie konnte ich nur so dumm sein. Die Gesichter all derer, die mir so viel bedeuten habe ich vor Augen und Tränen laufen über mein Gesicht. Dann jedoch kommt mir ein Gedanke, der mir wieder Kraft gibt. "Nein, würde er mich töten wollen, dann hätte er sein Gesicht nicht hinter dieser Maske verbergen müssen." Das hält mich auf den Beinen, lässt mich die schmerzhaften Schläge überstehen, bis er endlich von mir ablässt.
Ich sage kein Wort, voller Panik was mich nun erwarten wird. Als er die Seile löst atme ich auf. Dieser Zustand hält allerdings nicht lange an, denn er drückt mich brutal zu Boden, drängt meine Beine auseinander und während er meine Kehle zudrückt dringt er grob in mich ein. Nach Luft schnappend bin ich nicht in der Lage mich zu wehren. Ich höre seinen schnaufenden Atem und der Ekel, der in mir aufsteigt lässt mich fast erbrechen. Mit einem lauten Stöhnen scheint er den Gipfel seiner Lust erreicht zu haben. Er steht von meinem geschundenen Körper auf, schließt seine Hose und lässt mich alleine liegen, sieht sich nicht einmal mehr um, als er sich rasch entfernt.
Ich liege auf dem nassen Waldboden und weine vor Schmerz, aber auch vor Glück, weil ich noch lebe. "Meine Tasche!" denke ich mir, "sie muss hier doch noch irgendwo liegen". An einer Bank entdecke ich sie, krabble hin, nehme mein Handy heraus und wähle mit zitternden Händen die Nummer meiner Freundin. "Hallo?" Ich bin erleichtert ihre Stimme zu hören. "Ellen, bitte, hol mich ab, mir ist etwas ganz Schlimmes passiert." Ich beginne wieder zu schluchzen. "Wo bist du, was ist geschehen?" Die sanfte Stimme meiner Freundin beruhigt mich ein wenig. Schnell erkläre ich ihr in einigen Sätzen was mir gerade geschehen ist und sage ihr, wo ich mich gerade befinde.
Es dauert unendlich lange und ich habe schon fast den Ausgang des Waldes erreicht, als ich meine Freundin sehe. Ich renne auf sie zu und sinke ihr kraftlos in die Arme. Nicht einen Vorwurf macht sie mir in diesem Moment, denn sie sieht, dass ich nervlich vollkommen am Ende bin. Sanft streicht sie über mein Haar. "Wer war das?" Sie ist sichtlich wütend. "Andreas." Mehr kann und muss ich nicht sagen.
Von Andreas hatte ich ihr erzählt, nicht aber, dass wir uns heute treffen wollten. "Gib mir die Nummer, wo wohnt er?" fragt sie mich. "Ich habe seine Telefonnummer, nicht aber seine Adresse." Strafend blickt sie mich an, nimmt mir mein Handy aus der Hand und wählt die Nummer, die ich ihr gegeben habe. Sie hat den Lautsprecher aktiviert und ich höre voller Entsetzen folgende Worte: "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Da ich die Nummer eingespeichert hatte, kann ich mich auch nicht vor Aufregung vertippt haben. Noch einmal wählt sie die Nummer aus dem Speicher. Die gleiche monotone Ansage:"Kein Anschluss unter dieser Nummer." Auch seine Handynummer, die wir anschließend versuchen, scheint nicht mehr zu existieren.
Wir machen uns auf den Weg nach Hause, denn diesen Ort will ich so schnell wie möglich verlassen. Daheim angekommen gehe ich schnell duschen und schrubbe meinen Körper eine halbe Stunde, um den Geruch des Mannes abzuwaschen. Doch es gelingt mir nicht. Ellen hat schon den PC gestartet und ich versuche in der SZ auf das Profil von Andreas zu gehen. Er muss sich abgemeldet haben, denn das Profil ist nicht mehr da. Ellen versucht es per Mail, denn seine Mailadresse hatte ich ja auch. Sofort meldet der Mailer-Daemon: "Mail Adresse unbekannt." Mein Herz droht stehen zu bleiben. Der Typ scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Mein Puls rast.
Ich schrecke hoch und merke, dass ich in meinem Bett liege. Langsam wird mir bewusst, dass alles nur ein Alptraum gewesen ist. Denn ich kenne gar keinen Andreas. Doch bevor ich wieder einschlafe nehme ich mir fest vor, immer achtsam zu sein und gut auf mich aufzupassen. Denn es gibt Menschen, die möchte ich gar nicht erst kennen lernen.
Autorin: Lita