2 Jahre Verifikationspflicht auf Gentledom.de

Ende Dezember 2023 wurde das Community-System von Gentledom.de umgestellt. Seitdem sind Neuanmeldungen nur noch möglich, wenn eine verifizierbare Mobilfunknummer aus der DACH-Region angegeben wird. Diese Entscheidung wurde bewusst getroffen, obwohl vergleichbare Plattformen zu diesem Zeitpunkt überwiegend auf eine solche Maßnahme verzichteten und vielfach davon ausgegangen wurde, dass dies zu einem deutlichen Rückgang der Community führen würde.

Gentledom.de verfügt trotz des Hauptcharakters als Informations- und Aufklärungsprojekt auch über eine BDSM-Community für erwachsene Nutzer mit entsprechender Vorliebe. Insgesamt haben sich bislang rund 70.000 Personen registriert. Neben dem Austausch über persönliche Vorlieben stehen die Suche nach sozialen Kontakten, Freundschaften und Beziehungen im Vordergrund. BDSM ist für viele Nutzer kein Selbstzweck, sondern ein thematischer Rahmen, der, wie jede andere intime Präferenz, verantwortungsvoll, einvernehmlich und reflektiert behandelt werden muss. Aufgrund der besonderen Sensibilität des Nutzungskontexts, insbesondere in Bezug auf Sexualität, Machtungleichgewichte, gesellschaftliche Schambehaftung sowie einen vergleichsweise hohen Anteil unerfahrener oder auch behinderter Nutzern, ergeben sich erhöhte Anforderungen an Nutzerschutz und Missbrauchsprävention.

Digitale Angebote im Bereich Dating und Sexualkontakte sind erfahrungsgemäß stärker von Belästigungen, Stalking, Grenzverletzungen und Rechtsmissbrauch betroffen als klassische soziale Netzwerke. Entsprechend sind hier proaktive Maßnahmen erforderlich, die über reine freiwillige Selbstregulierung hinausgehen. Die verpflichtende Angabe einer Mobilfunknummer war ein zentraler Bestandteil des überarbeiteten Schutz- und Moderationskonzepts.

Auswirkungen der Verifikationspflicht
Die Einführung der Verifizierung hatte messbare Effekte. Die Zahl der Neuanmeldungen ging um rund 40 % zurück. Die täglich eingeloggten Nutzer sanken um etwa 15 %. Gleichzeitig zeigten sich deutliche qualitative Verbesserungen, so gingen auch die Anzahl der Nutzermeldungen und ausgesprochenen Hausverbote jeweils um über 90 % zurück aber die Anzahl der über das System versandten Nachrichten blieb konstant.

Im Zeitraum 2024/25 gab es lediglich eine Anfrage von Strafverfolgungsbehörden, die ein verifiziertes Profil betraf. Dabei handelte es sich um die Nutzung von Bildern, die eine andere Person als den tatsächlichen Profilinhaber zeigten. Im Vergleich dazu wurden im Zeitraum 2022/23 insgesamt 12 Anfragen von Polizei oder Staatsanwaltschaft gestellt (primäre Delikte: 6× Stalking, 4× Nötigung, 1× Körperverletzung, 1× Sexualdelikt). Für eine mittelgroße Plattform mag diese Zahl auf den ersten Blick hoch erscheinen. Dies ist jedoch unter anderem auf die Art der Kontaktsuche sowie darauf zurückzuführen, dass Betroffene aktiv ermutigt und dabei unterstützt werden, rechtliche Schritte gegen Täter einzuleiten.

Datenschutz und technische Umsetzung
Natürlich ist eine verpflichtende Angabe einer Mobilfunknummer für manche Nutzer eine Hemmschwelle, da BDSM von kleinen verbohrten Teilen der Gesellschaft noch immer stigmatisiert wird. Entsprechend wurde bei der Umsetzung besonderer Wert auf Datenschutz gelegt, um Hemmschwellen abzubauen. Die obilfunknummern liegen im Livesystem ausschließlich verschlüsselt vor. Es existiert kein Klartextzugriff. Eine Entschlüsselung erfolgt ausschließlich bei Vorliegen eines richterlichen Beschlusses. Zusätzlich wird ein Hashwert gespeichert, der Mehrfachanmeldungen oder Wiederanmeldungen nach Sperrfristen verhindert.Der Zugriff auf diese Daten ist organisatorisch und technisch stark eingeschränkt. Was mir an der Stelle noch nicht gelungen ist, ist dies Neuanmeldungen klar mitzuteilen um direkt mehr Vertrauen aufzubauen, sicher etwas das in den kommenden Monaten angepackt wird. 

Ausgangslage vor der Umstellung (Stand: Dezember 2023)
Vor Einführung der Verifikationspflicht bestand das Hauptproblem in wiederkehrenden Belästigungen, der Umgehung von Sperren durch Neuanmeldungen sowie, in einem für mich persönlich relevanten Umfang, strafbaren Handlungen.

Ein erheblicher Teil der gemeldeten Vorfälle betraf:

- wiederholte, unerwünschte Kontaktaufnahmen trotz klarer Ablehnung,
- psychischen Druck, Drohungen (insbesondere Outing) oder Manipulationsversuche,
- gezielte Nachverfolgung einzelner Nutzer über mehrere Accounts hinweg.

In wenigen Einzelfällen kam es zu:

- sexueller Nötigung oder sexuellem Missbrauch,
- fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung,
- leider immer mal wieder Stalking.

Darüber hinaus traten regelmäßig Urheberrechts- und vereinzelt Persönlichkeitsrechtsverletzungen auf, etwa durch:

- das Hochladen fremder Bilder ohne Einwilligung,
- die Verbreitung privater oder intimer Inhalte Dritter.
- Zielsetzung der Maßnahme

Die verpflichtende Verifizierung mittels eindeutiger Mobilfunknummer verfolgt deswegen mehrere Ziele:

- Erhöhung der individuellen Verantwortlichkeit,
- Reduzierung von Mehrfach- und Wegwerfaccounts,
- konsequente Durchsetzung von Hausverboten,
- verbesserte Nachverfolgbarkeit bei schweren Regel- oder Rechtsverstößen,
- weitere Reduktion von Scam-Accounts und kurzfristigen Fake-Profilen.

Auch wenn ich (Gentledom) in den letzten Jahren wenig Zeit für das Projekt habe und es teilweise, aufgrund anderer Verpflichtungen die mir noch mehr am Herzen liegen, sträflich vernachlässige bin ich froh, dass hier ein Team ist, welches mit Engagement und Weitsicht arbeitet und jene unterstützt die Informationen, Rat und Hilfe suchen. 

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